Mit Brötchen gegen den Leerstand

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Tina Trappmann und Sebastian Friedrich sorgen für den Service in dem neuen Backshop. ▪

KIERSPE ▪ Es ist nicht üblich, dass der Bürgermeister samt Stadtplaner zur Eröffnung einer Bäckereifiliale kommen. Und spricht man mit den beiden, dann geht es auch nicht um Brötchen oder Strietzel, sondern um Quartiermanagement, Fassadenprogramm und den Versuch, einen totgeglaubten Stadtteil wiederzubeleben.

KiBA nennt sich das Geschäft, dass der Immobilienverwalter Thilo Frischholz an der Kölner Straße eröffnet hat. „Nachdem Ihr Platz geschlossen hatte, hätte ich gerne wieder vermietet. Doch das gab der Markt nicht her“, räumt Frischholz ein. Und da er die Immobilie nicht nur verwaltet, sondern auch Eigentümer ist, hat er sich für die Eröffnung eines eigenen Geschäfts entschieden. KiBa steht dabei nicht für Kierspe Bahnhof sondern für Kiersper Backshop. Und auch wenn kein englischer Muttersprachler verstehen könnte, was damit gemeint ist, die deutschen Kunden sind an solche anglizistischen Absurditäten gewöhnt und suchen keinen „Hinterladen“, sondern durchaus frische Brötchen. Neben den Backwaren findet sich auch eine große Auswahl an Getränken, Zeitschriften, Süßwaren und alles „rund ums Frühstück“ in dem neuen Laden. „Ich habe mit Mitarbeiterinnen des Drogeriemarktes gesprochen und gefragt, was am besten gelaufen ist“, so Frischholz, der – auch aus eigenem Interesse – mit dem neuen Geschäft ein Zeichen gegen den zunehmenden Leerstand an der Kölner Straße setzen möchte: „Wir betreuen rund 140 Mieter im Umfeld und die wünschen sich schon sehr stark Möglichkeiten der Nahversorgung. Außerdem hoffen wir auf eine Belebung im Rahmen des Regionale-Projektes.“

Das ist die Stelle, an der Bürgermeister Emde, der an diesem Morgen mit dem Stadtplaner Rainer Schürmann zur Eröffnung gekommen ist, einsetzt. Denn er sieht durchaus Chancen für den Stadtteil, der nach wie vor Bahnhof genannt wird, aber seinen ersten Zug erst in knapp drei Jahren erwartet.

Doch so lange will die Stadtverwaltung nicht warten. Ein professionelles Quartiermanagement soll für eine Belebung und Vermarktung der Stadt sorgen. Entsprechende Födermittel, die die Stadt beantragt hat, sollen es Gewerbetreibenden erleichtern, sich dort anzusiedeln. Und mit dem neuen Fassadenprogramm soll dazu ein entsprechend ansprechender Rahmen gegeben werden. „Insgesamt sollen für die beiden Maßnahmen mehr als 500 000 Euro zur Verfügung stehen. Studien haben gezeigt, dass jeder Euro Fördergeld in diesem Bereich rund sieben Euro nach sich zieht. Das wären dann rund 3,5 Millionen Euro, die an der Kölner Straße investiert würden“, so Emde.

Thilo Frischholz glaubt auf jeden Fall an die Belebung. Bereits in wenigen Wochen will er auch seinen Firmensitz an die Kölner Straße verlegen. Und eine Künstlerin hat bereits zugesagt, dort ein Atelier zu eröffnen, in dem auch Malkurse gegeben werden.

Und die, die nur ihre Brötchen, Getränke oder die MZ kaufen möchten, können das in dem neuen Geschäft montags bis freitags von 5.30 bis 18 Uhr, samstags von 7 bis 13 Uhr und sonntags von 8 bis 12 Uhr tun. Hinter der Theke steht dann nicht Frischholz selbst, sondern unter anderem seine Schwester Tina Trappmann, die als Fachverkäuferin in ähnlichen Geschäften gearbeitet hat, und Sebastian Friedrich, der Einzelhandelskaufmann gelernt hat. ▪ Johannes Bec ker

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