Angeklagter bekommt Chance durch Entzug

Therapie statt Gefängnis für 27-jähriger Kiersper

Ein 27-Jähriger aus Kierspe muss, trotz nachgewiesener Schuld, nicht ins Gefängnis. Statt einer Haftstrafe muss er aber eine Therapie antreten.
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Ein 27-Jähriger aus Kierspe muss, trotz nachgewiesener Schuld, nicht ins Gefängnis. Statt einer Haftstrafe muss er aber eine Therapie antreten.

Ein 27-jähriger Räuber aus Kierspe bekommt die Chance einer zweijährigen Drogenentzugstherapie in einer geschlossenen forensischen Klinik. Die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Hagen verurteilte ihn wegen „versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung“ zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten, die der Kiersper aber nur im Fall eines Scheiterns seiner Therapie antreten muss. Drei Monate aus einer vorangegangenen Verurteilung des Amtsgerichts Meinerzhagen kommen noch obendrauf.

Kierspe - Der Angeklagte war am 2. März 2021 während der Verhandlung in Meinerzhagen verhaftet worden, weil er aus noch ganz anderen Gründen gesucht wurde. Diese wurden jetzt aufgeklärt und von den Richtern als stimmig beurteilt. Auch der Angeklagte legte ein weitgehendes Geständnis ab.

Zeugen verprügelt

Er hatte am 14. Oktober in einer Wohnung in Kierspe den Hauptbelastungszeugen verprügelt, um ihm ein teures Apple-I-Phone abzunehmen. Ob es dazu gekommen war, konnte auch mithilfe des Geschädigten nicht endgültig aufgeklärt werden. Der Angeklagte behauptete, dass ihm das Smartphone erst am Tag nach dem Angriff von einem Dritten übergeben worden war, der es nach der Schlägerei in der Wohnung gefunden hatte.

Auch der Hauptbelastungszeuge konnte nicht bestätigen, dass der 27-Jährige das Smartphone direkt im Zusammenhang mit den ausgeteilten Schlägen an sich genommen hatte. Die Richter waren aber überzeugt, dass der 27-Jährige einen solchen Raub im Schilde führte, als er den Geschädigten in der Nacht zum 14. Oktober in der Kiersper Wohnung aufspürte und ging von einem „versuchten“ Raub aus.

Roller gestohlen?

Ob der Angeklagte zurecht behauptete, dass es dabei um den „Schadensersatz“ für zwei angeblich gestohlene Roller ging, blieb ebenfalls ungeklärt. Der Zeuge bestritt, die beiden Roller geklaut zu haben. Er bestätigte vor Gericht lediglich, dass auch er von Gerüchten gehört habe, die ihm diesen Diebstahl nachsagten.

Die 9. Große Strafkammer des Landgerichts brachte das recht unübersichtliche Verfahren in pragmatischer Kürze zu Ende und beschränkte sich auf den Kern der Vorwürfe, ohne jedes Detail bis ins Letzte aufzuklären. Die Zeugen gaben eine solche Klarheit nicht her, und auch das Gedächtnis des durchaus kooperationswilligen Angeklagten hatte unter den genossenen Drogen möglicherweise ein wenig gelitten. „Wir tun uns schwer, in diesem Prozess irgendjemandem alles zu glauben“, erklärte der Vorsitzende Richter Christian Hoppe.

Therapiewürdig

Obwohl der Angeklagte sich beim Haftprüfungstermin als Gelegenheitskonsument bezeichnet hatte, gingen die Richter von einer therapiewürdigen Drogenabhängigkeit aus. Dazu kam der für eine solche Maßnahme notwendige Zusammenhang der Tat mit der Sucht: Der Angeklagte gab an, dass er mit den 400 Euro, die er für das erbeutete Smartphone bekommen hatte, Schulden bei seinen Drogendealern begleichen wollte. THOMAS KRUMM

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