Ein köstliches Menü aus Lug, Spuk und Betrug

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Ob im Bademantel oder im Gehrock, immer wusste Ute Gehres als genialer Leonida zu überzeugen. ▪

KIERSPE ▪ Viele gespannte Zuschauer ließen es sich am Samstagabend nicht entgehen, im Gesamtschul-PZ der Premiere des Theaterstücks „Kaviar und Linsen“ der VHS-Theatertruppe Zeus und Consorten beizuwohnen. Eine Komödie der italienischen Autoren Giulio Scarnicci und Renzi Tarbusi hatte Regisseurin Martina Schnerr-Bille in diesem Jahr auf den Spielplan gesetzt.

Vor einem Bühnenbild aus wild zusammengewürfelten Vorhängen und Tüchern, einem Tisch mit karierter Plastikdecke und notdürftig abgetrennter Schlafecke, entführte das Ensemble seine Gäste wirkungsvoll in die ärmlichen Wohnverhältnisse der Familie Papagatto.

Mutter Valeria Papagatto (Conny Risse), Tochter Fiorella (Yvonne Lemke) und Tante Mathilde (Jutta Niggemann) beraten gerade darüber, welche neue Einkommensquelle sie auftun können, denn das Geld aus dem Verkauf der Edelhäppchen von den Buffets reicher Leute, droht zu versiegen.

Auch wenn Vater Leonida Papagatto mit seinem enzyklopädischen Wissen wirklich gut darin ist, bei offiziellen Empfängen Hähnchen in Gelee, kandierte Maronen und Kaviarhäppchen klammheimlich in den Taschen seines Gehrocks verschwinden zu lassen, sind die nicht mehr wirklich gewinnbringend abzusetzen. Außerdem sind die Damen selbst dieser Delikatessen überdrüssig und sehnen sich nach einer deftigenLinsensuppe. Und so scheint es auch ihren Abnehmern zu gehen.

Weil sich der geniale Ehemann aber nicht zu gewöhnlicher Arbeit berufen fühlt, platzt der schönen Valeria schließlich der Kragen: „In dieser Familie wartet jeder. Dein Vater darauf, dass die ganze Welt sein Genie erkennt, und bis dahin schläft er. Und du wartest auf einen Märchenprinzen, während du Schallplatten hörst. Und ich warte noch ein bisschen, und dann kracht es. Ihr werdet schon erleben, wie ich euch alle auf einen einzigen Schlag zur Raison bringe“, droht sie ihrer Tochter mit unheilverkündender Stimme.

Bevor es aber dazu kommt, hat der elegante Leonida (Ute Gehres) mit ordensgeschmückter Brust, längst ein Komitee zur Rettung Hilfsbedürftiger gegründet, dem er die Familie Papagatto als ersten Unterstützungsfall serviert. Da die Gräfin (Claudia Klinke), der Baron (Hans Halbfas) und Ilona Czibor (Anette Klingelhöfer) als reiche Geldgeber natürlich nicht wissen dürfen, dass es sich dabei um seine eigene Familie handelt, beginnt jetzt ein turbulentes Verwirrspiel aus Lug, Spuk und Betrug.

Mit dem Nachbarn Antonio (Siegbert Schomann), Sohn Roberto (Elsbeth Venohr), dem jungen Nicola (Sarah Lehmann), Vormund Raimondo (Diemuth Barth), Kammerdiener Alexis (Helmut Fastenrath) und dem Lieferjungen Marcello (Svenja Metzler) werden weitere skurrile Figuren aufgetischt.

Köstlich amüsierte sich das Publikum über den gemieteten Großvater im Rollstuhl. Abwechselnd singend oder weinend, erntete Stephan Rodenberg in seiner witzigen Rolle immer wieder fröhliches Gelächter. Wunderbar überzeugend auch Ute Gehres, die ihre Rolle als elegant-genialer Leonida bravourös meisterte.

Mit Spielfreude und Überzeugungskraft brachte das gesamte Ensemble das Stück schließlich zu einem spritzigen Happy End. In fantasievollen Kostümen, mit beredter Gestik und Mimik verstanden es die Schauspieler den „schrägen“ Charakteren auf der Bühne Leben einzuhauchen. Das wurde vom Publikum mit guter Laune und reichlich Applaus honoriert.

Die nächste Aufführung von „Kaviar und Linsen“ findet am Dienstag, 12. März um 19.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses in Herscheid statt. ▪ msh

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