VHS-Theatergruppe wird im voll besetzten PZ gefeiert

Martina Schnerr-Bille führte nicht nur Regie, sie war auch als Darstellerin eingebunden. Sie mimte einen Schaupieler, der beim Versuch den Hamlet zu geben, immer wieder seinen Text vergisst.

Kierspe - Die Schauspieler der Theatergruppe „Zeus & Consorten“ der VHS Volmetal wurden am Samstag für ihre Premiere des Stücks „Wer versteht hier Bahnhof?“ mit stürmischem Beifall belohnt. Eine Anerkennung, die sie in jeder Hinsicht verdienten. Darüber waren sich die Zuschauer im voll besetzten PZ der Gesamtschule einig.

Noch vier Aufführungen

Die Komödie ist in den kommenden Wochen noch vier mal zu sehen: Am 11. März im Kulturbahnhof Halver, am 19. März im Bürgersaal Herscheid, am 23. März in der Alten Drahtzieherei in Wipperfürth und am 26. März in der Stadthalle Meinerzhagen. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet sechs Euro.

Von Gertrud Goldbach 

Der Andrang war so groß, dass vor Beginn der Vorstellung schnell noch einige Stühle herbeigeschafft werden mussten.

Die Schauspieler, die sich durch den Raum auf die Bühne zubewegten, hatten schon rein äußerlich nicht viel miteinander gemein: Eine Dame im eleganten Kostüm mit Handy und Aktentasche – ganz offensichtlich eine Geschäftsfrau –, eine Politikerin mit Dokumentenkoffer und ein Schauspieler, klar als solcher zu erkennen, da er mit Inbrunst Hamlet zitierte.

In Diskussionen vertieft oder rezitierend näherten sich die Darsteller entlang der Zuschauerreihen der Bühne. Die Szenerie zeigte den Kiersper Bahnhof, und der lag zunächst noch im Dämmerlicht. Doch schon bald erwachte er zum Leben und bildete die Kulisse für ein geschäftiges Treiben. Da gab es eine Gruppe von Junggesellen, die ihren Abschied feierte, eine leger gekleidete Hausfrau namens Chantal mit Lockenwicklern im Haar, die Telefonsex anbot, oder das streitende Ehepaar. Einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Szenen gab es nicht, als einzige Konstante tauchten die Putzfrau Gathe, Stadtstreicher Siggi und die Bahnhofsangestellte Irina immer wieder auf.

Wirkte die Komödie des Autors Thorsten Böhner noch in der ersten Hälfte des Stückes wie eine Abfolge einzelner Sketche, so zerstreute sich dieser Eindruck im zweiten Teil, in dem einzelne Epsisoden wieder aufgegriffen wurden und das Geschehen oft eine überraschende Wendung nahm.

So fand der Junggeselle, der seine Angebetete bald heiraten will, seine vermisste Braut zwar wieder, vermasselte dann aber die geplante Hochzeit in Las Vegas. Das streitende Paar trennte sich: Ehemann Herbert, der zunächst von seiner Gattin vor allem als Kofferträger geschätzt wurde, hatte nach einigem Hin und Her die Nase voll und verließ seine Angetraute.

17 Frauen und Männer der Schauspielgruppe der Volkshochschule Volmetal studierten das Theaterstück unter Leitung von Martina Schnerr-Bille ein. Thematisch passte die Darbietung auch zur Situation in Kierspe, schließlich ist die Bahnanbindung in greifbare Nähe gerückt.

Dass auf einem Bahnhof viele einzelne Episoden einen flüchtigen Eindruck vom Leben fremder Menschen geben ist normal. Das führte aber auch dazu, dass sich das zweistündige Stück ein wenig in die Länge zog. Kompensiert wurde dieser Eindruck aber durch die liebevoll gestaltete Inszenierung. Mit großem Ideenreichtum wurde für jede Rolle ein aussagekräftiges Kostüm zusammengestellt.

Die spürbare Spielfreude der Laiendarsteller und ihr authentisches Auftreten verfehlten ihre Wirkung auf das Publikum nicht. Anhaltender Applaus war der verdiente Lohn für eine gelungene Premiere.

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