Theatergruppe zu Gast an der Gesamtschule

KIERSPE ▪ Im PZ der Gesamtschule ist es am Donnerstagvormittag stockdunkel. Plötzlich beleuchten einzelne Spots die Bühne und Stimmen werden laut: Die Mitglieder vom TheaterTotal bereiten alles für ihre Vorstellung am Abend vor.

Unter ihnen befindet sich auch die 20-jährige Ludgera. Sie ist heute in der Gruppe, die sich um die Lichttechnik kümmert. Die Theatergruppe studierte gemeinsam das Stück „die Vaterlosen“ ein und ist jetzt auf dreimonatiger Tournee durch Deutschland. Auch Abstecher in die Schweiz und nach Österreich haben die jungen Leute schon hinter sich. Neben den 25 Schauspielern sind auch der Lichttechniker Aurel und der LKW-Fahrer Nils dabei. „Unser Mann für alles,“ meint Ludgera lachend. Die Schauspieler fahren in einem alten Linienbus umher, im LKW werden die aufwendigen Requisiten transportiert. Die Auftrittsorte richten sich unter anderem nach den Heimatorten der Schauspieler. Kierspe ist in der Regel auch ein fester Anlaufpunkt, da die Gesamtschule „künstlerisch viel tut“, erklärt die junge Frau.

Mit dem TheaterTotal, das seinen Stammsitz in Bochum hat, auf Tour zu gehen, scheint für viele ein Traum zu sein. Im vergangenen Jahr bewarben sich 130 Menschen für einen Platz, am Ende durften 30 mitmachen. Doch dahinter steckt auch enorm viel Aufwand. „Bei TheaterTotal zu sein, bedeutet zu hundert Prozent dahinter zu stehen. Du hast weder Zeit und Ruhe für andere Dinge,“ weiß Ludgera. Manchen wird das zuviel, vier Leute haben allein in diesem Jahr aufgegeben. Aber: „Man sollte nicht an sich zweifeln, sondern einfach mal ausprobieren,“ meint die optimistische Jungschauspielerin, für die TheaterTotal eine Art Auszeit ist, um herauszufinden, was sie später einmal beruflich machen will. Momentan geht es bei ihr in Richtung Kulturmanagement.

Im Rahmen des Besuchs der Theatergruppe, deren Mitglieder in Gastfamilien untergebracht werden, geben die jungen Leute auch Workshops. An der Gesamtschule werden an diesem Vormittag zwei Gruppen grundlegende Übungen zu Themen wie Bühnenpräsenz und Körpergefühl durchführen. Juliane aus Frankfurt und Norhild aus Scheeßel beschäftigen sich heute mit den Schülern, die bei den Projekttagen am Musical „Das Dschungelbuch“ mitgewirkt haben.

Nach einer Vorstellungsrunde und einigen Lockerungsübungen geht das Gewusel im Raum los: Die Sechst- bis Elftklässler sollen durch den Raum gehen und dabei unterschiedliche Gefühle versuchen zum Ausdruck zu bringen. Sie versuchen allein durch ihre Haltung und Gesten Dinge wie Antipathie oder Fragen zum Ausdruck zu bringen. Dann sollen die Jugendlichen je nach Kommando das Tempo wechseln. Norhild erklärt den Sinn der Übung: „Wenn ich Todesangst spielen soll, versuche ich mich an Tempo fünf, die schnellste Stufe zu erinnern, um das Gefühl darzustellen.“ Dann werden die Schüler in zwei Gruppen eingeteilt, die sich gegenüberstellen und bekommen Vokale zugewiesen, mit denen sie sich unterhalten sollen. Da werfen sich die einen E’s und I’s an den Kopf während andere freundlich mit O’s und A’s kommunizieren. Die Botschaft, dass schon mit wenigen Lauten bestimmte Gefühle rübergebracht werden können, kommt an.

Anschließend spielen die beiden jungen Frauen noch verschiedene Musikstücke ein. Die Schüler sollen sich bestimmte Charaktere dazu vorstellen und in sie hineinfühlen. Diese Übung gilt zusätzlich als Vorbereitung auf das Stück, das TheaterTotal am Abend vorführen will und das gerade für jüngere Schüler eher schwer verständlichen Stoff behandelt. Zum Schluss kommt es noch einmal darauf an, dass die Gruppe gut zusammen arbeitet: Sie sollen eine einfache Bewegungsabfolge synchron nachmachen – ohne miteinander zu reden oder sich mit Gesten zu verständigen, einfach durch Wiederholung und aufeinander achten. Nach einigen Anläufen klappt es tatsächlich und der Workshop geht zu Ende – für einige Schüler vielleicht der Beginn einer Karriere als Schauspieler. ▪ von Andrea Mackenbruck

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