DB Regio rechtfertigt hohe Bahnpreise ab Kierspe

Teure Fahrt nach Köln: Bahn verteidigt sich nach Preis-Ärger in Kierspe

Wer in Kierspe in den Zug steigt, um nach Köln zu fahren, muss auch zukünftig tief in die Tasche greifen. Linderung soll das E-Ticket bringen, das ab Ende des Jahres eingeführt wird – allerdings nur für Smartphone-Besitzer.
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Wer in Kierspe in den Zug steigt, um nach Köln zu fahren, muss auch zukünftig tief in die Tasche greifen. Linderung soll das E-Ticket bringen, das ab Ende des Jahres eingeführt wird – allerdings nur für Smartphone-Besitzer.

„Wenn Sie das Ticket am Automaten kaufen würden, müssten Sie ja beim Einsteigen schon wissen, wo Sie aussteigen.“ Das war sicher der bemerkenswerteste Satz in der Sitzung des Hauptausschusses. Getätigt von einer Mitarbeiterin der DB Regio im Rahmen einer Aussprache zur Tarifstruktur auf der Strecke der RB 25.

Martina Stellmach und Gabriele Wertgen, die der Sitzung in Form einer Videokonferenz zugeschaltet waren, arbeiten bei der Bahntochter DB Regio im Bereich der Tarifgestaltung. Und während sich Stellmach um Westfalen kümmert, ist Wertgen für den Verkehrsverbund Ruhr-Sieg (VRS) und den Aachener Verkehrsverbund zuständig. Eine gute Kombination, fährt doch die RB 25 durch zwei Tarifgebiete, nämlich Westfalen und VRS. Und genau dieser Umstand sorgt seit Jahren für Unmut. Denn während Meinerzhagen aus historischen Gründen bei der Fahrpreisberechnung dem VRS zugeschlagen wird und die Reisenden, die von dort nach Köln fahren, „nur“ 11,90 Euro zahlen, müssen Bahnfahrer, die in Kierspe zu- und in Köln wieder aussteigen, 21,40 Euro zahlen. Da die Letztgenannten auf dem Gebiet der beiden Verbünde unterwegs sind, bleibt für sie nur der Kauf eines Tickets im sogenannten NRW-Tarif.

Dass die Meinerzhagener bis heute den deutlich günstigeren Tarif zahlen, geht auf eine Buslinie zurück, die seit 1987 den Oberbergischen Kreis mit Meinerzhagen verbindet. „Würden wir nun auch Kierspe in den VRS-Tarif einbeziehen, verschieben wir das Problem um eine Haltestelle, denn dann würden sich die, die in Brügge zusteigen, benachteiligt fühlen“, führten die Bahn-Mitarbeiterinnen aus.

Ausführlich wurde den Ausschussmitgliedern die Tariffindung, der Abstimmungs- und Genehmigungsprozess erläutert – alles in der Absicht, diesen zu vermitteln, dass mit einer Tarifänderung für Reisende mit Abfahrts- oder Zielbahnhof Kierspe nicht zu rechnen ist.

Stattdessen stellten die beiden DB-Regio-Mitarbeiterinnen Möglichkeiten vor, mit denen vor allem regelmäßige Nutzer der Bahn Geld sparen könnten. Dabei griff man auch gerne mal zu einem kleinen Kunstgriff in der Darstellung. So wurde die Bahncard genannt, um auf dem Weg nach Köln den Geldbeutel zu entlasten. So kostet ein Ticket von Kierspe nach Köln mit der „Bahncard 25“ 16,05 Euro und mit der „Bahncard 50“ sogar „nur“ 10,70 Euro. Weggelassen wurde in der Tabelle allerdings, wie sehr sich der Preis mit den beiden Karten für die Meinerzhagener reduzieren würde. Dort wurde bei der tabellarischen Auflistung weiter nur der reguläre Preis angezeigt.

Doch das Beste kommt bekanntlich zum Schluss – und das hatten sich wohl auch Stellmach und Wertgen so gedacht. Die beiden präsentierten am Ende ihrer Ausführungen das sogenannte E-Ticket, das ab Dezember dieses Jahres angeboten werden soll. Und für die Besitzer eines Smartphones mit entsprechendem Datentarif bietet dieser Tarif sicher auch viele Vorteile, denn es wird nicht mehr nach Strecke, sondern nach Luftlinie zwischen Start und Ziel abgerechnet. Darüber hinaus berechnet das hinter dem Ticket stehende System immer den günstigsten Tarif. Damit, so haben es die Bahnmitarbeiterinnen berechnet, kostet die Fahrt von Kierspe nach Köln dann nur noch etwa 12,30 Euro, „wobei das noch eine Schätzung ist“, so die DB-Regio-Mitarbeiterinnen.

Die Eierkurven sollen saniert werden. Dazu wird die L 528 ab Anfang Juli für drei Wochen in diesem Bereich gesperrt werden.

Auf die Frage von Oliver Busch (SPD), warum man das Ticket nicht in die reale Welt holen und am Automaten anbieten würde, gab es die eingangs erwähnte Antwort der Bahn, dass man dann ja schon beim Einsteigen wissen müsse, wo man wieder aussteige. „Ein solches Verhalten entspricht auch tatsächlich meiner Lebenswirklichkeit“, war der trockene Kommentar von Busch.

Die Bahn-Mitarbeiterinnen reichten schließlich noch einige Argumente nach, die durchaus verdeutlichten, warum es nicht ohne Weiteres möglich ist, die Preise des E-Tickets in den „analogen“ Fahrscheinverkauf zu überführen.

Letztlich zufrieden war aber wohl kaum jemand im Ausschuss. Clemens Wieland (UWG): „Die, die kein Smartphone haben, werden vergessen.“ Und auch Armin Jung wollte sich mit den Argumenten der Bahn nicht zufriedengeben: „Beim E-Ticket ist die Barrierefreiheit nicht gegeben. Da müssen auch noch andere Lösungen gefunden werden.“ Cristian Reppel (SPD) wollte wissen, was auf den Kunden zukomme, wenn der Akku während der Fahrt schlapp mache? „Der Kunde hat sicherzustellen, dass das nicht passiert“, war die glasklare Antwort der Bahn.

Ein Argument, das Jan Brück (CDU) nur eingeschränkt gelten lassen wollte: „Die Idee des E-Tickets finde ich gut. Es muss aber auch möglich sein, diesen Tarif anders zu bekommen und das Ticket in Papierform mitzuführen.“ Hoffnung, dass den Befürchtungen und Wünschen der Kiersper Rechnung getragen würde, machten die Bahn-Mitarbeiterinnen keine. Sie verwiesen nach wie vor auf das komplizierte Tarifwerk, die vielen beteiligten Partner und die enormen Kosten, die weitere Vergünstigungen mit sich bringen würden.

Grund zur Freude hatten die Ausschussmitglieder am Ende der Sitzung. Denn da teilte die Stadtverwaltung mit, dass es nun einen Zeitraum gibt, in dem Teile der Landesstraße 528 saniert werden sollen. Demnach wird die Straße vom 6. Juli an zwischen dem Schützenplatz Hedberg und dem Geschwindigkeitsmessgerät hinter dem Abzweig der Kreisstraße 25 für drei Wochen voll gesperrt. Die L 528 war erst 2013 im Bereich der sogenannten Eierkurven saniert worden. Doch bereits kurze Zeit danach entstanden neue Risse auf der Fahrbahn, die immer größer wurden. Es folgte ein Rechtsstreit zwischen Straßen.NRW und der ausführenden Firma. Dieser ist mittlerweile beigelegt, sodass mit den Arbeiten begonnen werden kann.

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