Telekom verweigert LTE-Anschluss

Dirk Backmann surft über einen LTE-Anschluss, den er laut Telekom überhaupt nicht nutzen kann, weil sein Haus auf der Telekom-Netzkarte außerhalb des Empfangsgebietes liegt. -  Foto: Becker

Kierspe - Dresden und seine Umgebung galt zu DDR-Zeiten als Tal der Ahnungslosen, weil dort kein West-Fernsehen zu empfangen war. Ähnlich sieht es in Mühlenschmidthausen heute noch aus.

Dank der Satellitenausstrahlung ist der TV-Empfang zwar gesichert, dafür sieht es mit dem Handyempfang schlecht aus, genau wie mit DSL-Leitungen. Doch selbst wenn in Teilen des Ortes der neue Funkstandard LTE verfügbar ist, heißt das noch lange nicht, dass die Telekom einer Nutzung zustimmt – das musste Dirk Backmann erfahren.

Nur langsam baut sich die Seite auf. Es ist so ein bisschen wie Mitte der 1990er-Jahre – nur dass damals noch ein Modem piepste und brummte. Auf diese Geräuschuntermalung verzichtet der Router der Telekom. Doch mit seinem Durchlass von 354 kbit fühlt es sich an, als arbeite ein 14 400er-Modem. Was sich anhört wie die Steinzeit des Internets, ist die Realität in Mühlenschmidthausen.

Dirk Backmann, der seit Jahrzehnten das Lehrerhaus der ehemaligen Zwergschule am Hang oberhalb des kleinen Ortes bewohnt, hatte sich mit dieser unzureichenden Versorgung nie abgefunden. Briefe an die Netzagentur und auch der Versuch über einen privaten Anbieter eine bessere Anbindung zu erreichen, blieben erfolglos. Hoffnung auf Änderung zeichnete sich Mitte des vergangenen Jahres ab, denn damals errichtete die Telekom zwei LTE-Masten in der Nähe des Ortes, einen auf dem Gerätehaus Stadtmitte, einen weiteren auf dem Arney. Als Backmann dann Anfang des Jahres erfuhr, dass diese in Betrieb genommen wurden, benachrichtigte er die Bewohner des Ortes. Einer der ersten, der bei der Telekom nachfragte, war der Mieter eines Haus, das Backmann im Ortskern besitzt. Die Telekom prüfte, ob der Mieter an seinem Wohnort LTE-Empfang habe und schickte ihm den entsprechenden Router zu. Nach der Installation musste der Mieter aber zur Kenntnis nehmen, dass der versprochene Empfang sich nicht einstellte. Doch in dem Haus von Backmanns nahm das Gerät seine Arbeit sofort auf und bescherte dem Hauseigentümer eine bis dahin unbekannte Bandbreite. „Bis zu 21 000 kbit sind oft möglich. Wenn es schlecht läuft, sind es aber immer noch 12 000 bis 15 000 kbit“, erzählt Backmann.

Die Karte zählt, nicht der Empfang

Ein Blick auf die Versorgungskarte des Netzanbieters offenbarte, dass dort auch korrekt vermerkt war, dass es in der Ortsmitte keinen Empfang gebe, am Hang aber sehr gute Empfangsraten möglich seien. Backmann: „Nur leider stimmen die Geo-Daten der Telekom für kaum ein Haus in Mühlenschmidthausen.“ So habe sich herausgestellt, dass die Telekom das Haus des Mieters rund 2,5 Kilometer westlich seines tatsächlichen Standortes auflistet. Der Bewohner des Hauses hat schließlich mit einem Mast auf dem Dach seines Hauses selbst für einen leidlichen Empfang gesorgt.

Doch Backmann wurde der LTE-Vertrag verweigert, da sein Haus aufgrund der telekom-eigenen Daten nicht am Hang oberhalb von Mühlenschmidthausen liegt, sondern angeblich in Romberg. Und in Romberg gibt es tatsächlich kein Telekom-LTE. „Trotz mehrerer Gespräche mit Telekom-Mitarbeitern in Halver, Lüdenscheid und Bonn war es nicht möglich, einen Anschluss zu bekommen. Denn diese werden ausschließlich nach den Geo-Daten des eigenen Hauses vergeben, auch wenn diese weder mit den amtlichen Karten noch mit den Daten von Google-Maps übereinstimmen“, ärgert sich Backmann.

Für sich selbst hat der 70-Jährige eine Lösung gefunden. Er hat einen weiteren Router für sein Mietshaus im Dorf beantragt, das Gerät aber in seinem Haus am Hang eingebaut.

Alter Vertrag muss bestehen bleiben

Ein Rufnummernübertrag von seinem alten DSL-Anschluss auf den neuen LTE-Anschluss ist aber nicht möglich, denn nach wie vor zweifelt die Telekom an, dass Backmann das Signal überhaupt empfangen kann. Da Backmann den alten Anschluss nicht abmelden kann und für den neuen Vertrag ebenfalls bezahlen muss, haben sich die Anschlusskosten fast verdoppelt, auf nahezu 120 Euro monatlich.

Vertrag nicht erweiterbar

Der bislang letzte Akt in der scheinbar endlosen Tragikomödie spielte vergangenen Monat. Backmann spielte ein neues Betriebssystem auf seinen Laptop und verbrauchte damit das Surf-Volumen seinen Vertrages. Die Telekom begrenzte daraufhin die Datenrate auf die schon gewohnten 354 kbit. Der Wunsch, in einen Tarif mit mehr Datenvolumen zu wechseln, wurde abgelehnt, da Backmann sonst zu viel Datenvolumen für sich beanspruchen würde und die Leistung der anderen Nutzer sinke. Ein Zusatzpaket für den angebrochenen Monat konnte er aber kaufen – und „surfte dieses am gleichen Mast ab“. Diese Logik erschließt sich wohl nur dem Konzern. Denn natürlich kann jeder Besitzer eines Surfsticks mit seinem Rechner am gleichen Mast andocken oder mit seinem Handy darüber surfen.

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