Es wäre fast zu "Kein Anschluss unter dieser Nummer" gekommen

Telekom kündigt Haus Berkenbaum den Telefonanschluss

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Kein Anschluss unter dieser Nummer. So wäre es wohl für Haus Berkenbaum gekommen, wenn die Telekom ihre ursprünglichen Pläne umgesetzt hätte. Mittlerweile ist Juniorchefin Christina Gerke froh, dass sich eine Lösung abzeichnet.

Kierspe - Kein Anschluss unter dieser Nummer. So klang das früher, wenn man die falsche Telefonnummer gewählt hatte. Und so sollte es nach dem Wunsch der Telekom klingen, wenn man ab Ende September die (richtige) Nummer von Haus Berkenbaum gewählt hätte. Denn diesen Anschluss hat der Telekommunikationsanbieter gekündigt – anfangs sogar, ohne eine Alternative zu bieten.

Die Umstellung auf Voice over IP (VoIP, Internettelefonie) kannten wir ja schon vom Funkenhof“, erinnert sich Juniorchefin Christina Gerke vom Haus Berkenbaum. Die Telekom hatte die Eigentümerfamilie Funke von Haus Berkenbaum angeschrieben und mitgeteilt, dass man den ISDN-Anschluss Ende September umstellen werde. Dem Schreiben lag auch ein Angebot bei und die Aufforderung, sich an eine Hotline zu wenden, um mit dieser den besten Tarif abzuklären.

Doch dieses Telefonat brachte bei Weitem nicht das gewünschte Ergebnis. Gerke: „In diesem Gespräch teilte man mir mit, dass aufgrund der geringen Bandbreite kein Angebot möglich sei, es aber bei der Kündigung bleibe. Also wären wir ab dem 24. September telefonisch nicht mehr erreichbar gewesen.“ Eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur blieb bislang ebenfalls ohne Ergebnis. Von der Agentur wurde nur mitgeteilt, dass man die Mail an die Telekom weitergeleitet habe. Ein Wechsel zu Vodafone schied nach anfänglicher Zusage auch aus, weil auch diesem Unternehmen die Bandbreite zu gering war, um eine Telefonanlage im Haus Berkenbaum zu betreiben. Und der Anbieter 1&1 bietet erst gar keine Anlagenanschlüsse an.

„Notfalls hätte ich ja noch akzeptiert, wenn wir nur unsere Hauptnummer hätten mitnehmen können, dann wären zwar die Hotelzimmer ohne Anschluss gewesen, aber wenigstens hätten uns Restaurant- und Hotelgäste für Buchungen erreichen können. Doch nach Auskunft der Telekom war auch das nicht möglich, weil ISDN-Nummernblöcke nicht zerteilt werden können. Auf gut Deutsch, auch wenn wir einen neuen Anbieter finden würden, wäre die Nummer, die wir seit rund 30 Jahren haben, weg.“ Selbst ein Reservieren der Stammnummern wäre nicht möglich gewesen, erinnert sich Gerke an das Gespräch mit der Telekom. Mittlerweile weiß die Juniorchefin, dass ihr Betrieb mit dem Problem nicht alleine ist. Der für IT-Fragen zuständige Mitarbeiter des Märkischen Kreises, Sergej Rudsinski, weiß von mindestens 20 Betrieben im Kreis, denen ähnliches droht. Landesweit sollen es weit mehr als 1000 sein. Allerdings geht der Kreismitarbeiter nicht von einer kompletten Kündigung aus. Im Gespräch mit der MZ teilt er mit, dass die Telekom zumindest einen normalen Hausanschluss sicherstellen müsse, wobei die bekannten Rufnummern tatsächlich unwiderruflich wegfallen würden.

So sieht das auch Michael Reifenberg von der Pressestelle der Bundesnetzagentur. „Die Telekom ist verpflichtet, einen Sprachtelefonieanschluss zur Verfügung zu stellen. So ist das im Telekommunikationsgesetz geregelt“, teilt Reifenberg auf Anfrage der Meinerzhagener Zeitung mit. „Wie die konkrete Lösung in einem solchen Fall aussehen könnte, weiß ich nicht“, so der Pressesprecher.

Christina Gerke jedenfalls ist von diesen Aussagen überrascht: „Ich habe in meinen Gesprächsnotizen nachgeschaut, da wurde ganz klar gesagt, dass man uns nichts anbieten kann und dass wir ab Ende September keinen Anschluss mehr haben.“

Ein zweites Mal wurde Gerke dann in der vergangenen Woche von der Telekom selbst überrascht. Denn, anstelle auf die Anfragen der Meinerzhagener Zeitung zu reagieren, hatte sich der Telekommunikationsanbieter wohl überlegt, direkt mit Haus Berkenbaum Kontakt aufzunehmen. „Eine Mitarbeiterin der Telekom hat angerufen und uns mitgeteilt, dass es kein Problem sei, die bisherige Nummer zu erhalten. Mehr noch, mit einem sogenannten SIP-Trunk-Anschluss, den wir bekommen würden, könnten wir unsere Telefonanlage in vollem Umfang erhalten. Ich kann’s noch gar nicht glauben.“ Ein Rückruf der Pressestelle der Telekom an die MZ ist auch nach einer einwöchigen Wartezeit – trotz Erinnerung – nicht erfolgt.

Voice over IP

IP-Telefonie (kurz für Internet-Protokoll-Telefonie sowie Internettelefonie oder Voice over IP, wörtlich für Stimmübertragung über das Internetprotokoll) ist das Telefonieren über Rechnernetze, welche nach Internetstandards aufgebaut sind. Dabei werden für Telefonie typische Informationen, mithin Sprache und Steuerinformationen beispielsweise für den Aufbau einer Verbindung über ein Datennetz übertragen. Bei den Gesprächsteilnehmern können Computer, auf IP-Telefonie spezialisierte Telefonendgeräte oder klassische Telefone, die über spezielle Adapter angeschlossen sind, die Verbindung herstellen. IP-Telefonie ist eine Technik, die es ermöglicht, den Telefondienst auf IP-Infrastruktur zu realisieren, sodass diese die herkömmliche Telefontechnik samt ISDN und allen Komponenten ersetzen kann. Ziel des Einsatzes der IP-Telefonie bei Kommunikationsnetzbetreibern ist hierbei eine Kostenreduktion durch ein einheitlich aufgebautes Netz. Nach Angaben der Bundesnetzagentur mussten und müssen in Deutschland rund 38 Millionen Anschlüsse umgestellt werden.

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