Team begleitet in zwei Jahren 596 sterbende Menschen

Das Ärzte- und Schwesternteam des Palliativmedizinischen Konsiliardienstes im neuen Büro an der Kölner Straße 77 vor der schwarzen Wand mit den Sternen, von denen jeder für einen Patienten steht, der in diesem Jahr bis zu seinem Tod begleitet wurde. - Fotos: Haase

KIERSPE - „Die Bedingungen der palliativen Versorgung von Patienten ändern sich fortlaufend und die Möglichkeiten verbessern sich“, sagte Palo-Vorsitzender Dr. Reimer Böhm anlässlich der Jahreshauptversammlung des Vereins und der Eröffnung des neuen Palliativbüros an der Kölner Straße 77.

Von Rolf Haase

Untergebracht ist dort nicht nur der Palliativmedizinische Konsiliardienst, sondern neuerdings auch der Palo-Verein, der als Dach des Netzwerks von Einrichtungen, Institutionen, Gruppen und Angeboten, die mit der Betreuung und Versorgung von sterbenden Menschen befasst sind, fungiert.

Im seit dem Jahr 2010 bestehenden Palliativnetz Lüdenscheid-Olpe haben sich Ärzte, Pflegedienste, ambulante Hospizangebote, das Hospiz Lüdenscheid, Fachapotheken und stationäre Einrichtungen wie die Palliativstation im Klinikum Lüdenscheid zusammengeschlossen, um eine umfassende palliative Betreuung zu gewährleisten. Der Palo-Verein und seine Mitglieder haben es sich zum Ziel gesetzt, schwerstkranke, sterbende Menschen zu begleiten und ihnen ein angst- und schmerzfreies Verweilen in vertrauter Umgebung zu ermöglichen.

Die gelben Sterne, die da in dem Büro auf schwarzem Untergrund angebracht sind, sind schwerlich zu zählen, so viele sind es - und doch ist es nur für jeden Patienten, der in diesem Jahr gestorben ist, ein Stern. Vor dieser eindrucksvollen Wand präsentierte sich das Team des Palliativmedizinischen Konsiliardienstes, bestehend aus Ärzten und Schwestern, am Mittwochabend zur Büroeröffnung. „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können“, wird neben den Sternen aus dem Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry zitiert.

Der Palo-Vorsitzende wünscht sich, dass der Palliativmedizinische Konsiliardienst seine erfolgreiche Arbeit als Anlaufpunkt und Koordinationsstelle der direkten Patientenversorgung auch in Zukunft so erfolgreich weiterführen kann wie in den vergangenen zwei Jahren seit seiner Gründung. Zusammen mit dem Palo-Verein und dem PKD-Büro möge sich das Büro zu einem Anlaufpunkt für Personen und Ideen sowie zu einem Ausgangspunkt für den Ausbau des Netzwerks entwickeln.

Dr. Reimer Böhm unterstrich: „Mein besonderes Anliegen ist es, dass die verschiedenen Akteure, Pflegemitarbeiter, Ärzte, ambulantes und stationäres Hospiz, Gemeinden, Seniorenheime, Kirchen und Krankenhäuser, weiterhin den Patienten im Mittelpunkt ihres Bemühens sehen und dass trotz teilweiser Überschneidung der Interessen das Miteinander und die Kommunikation untereinander bestehen bleibt.“ Hierfür stehe der Palo-Verein bereit.

Bislang war der Palliativmedizinische Konsiliardienst an der Friedrich-Ebert-Straße 243 untergebracht und arbeitete von dort aus, doch hat die Arbeit derart zugenommen, dass an einer personellen Aufstockung kein Weg vorbei führte und außerdem reichten die Räumlichkeiten nicht mehr aus. „Standen bislang nur etwa 30 Quadratmeter zur Verfügung, hat sich die Raumgröße jetzt verdoppelt auf rund 70 Quadratmeter“, berichtete Guido Kussek, der mit zum Team gehört. Das Büro besteht aus dem PKD-Büro, dem Palo-Büro, einem zentralen Gesprächsraum und der Teeküche.

Aktuell würden mehr als 240 Patienten betreut und pro Quartal gebe es etwa 100 Neuaufnahmen, nennt er die nüchternen Zahlen. Seitens des Schwesternteams wird ergänzt, dass seit Oktober 2011, als der Palliativmedizinische Konsiliardienst eingerichtet wurde, 596 Patienten bis zu ihrem Tod begleitet wurden. Dabei schwanke die Betreuungsdauer zwischen zwei Tagen und rund einem Jahr.

Neu im Schwesternteam, von denen jede über eine Palliative-Care-Ausbildung verfügt, ist Sabine van Dorsten. Ansonsten gehören weiterhin noch Anja Kussek, Judith Tutt und Kerstin Jensen dazu. Die Bürozeiten sind montags bis freitags von 8 bis 16.30 Uhr. Patienten und Angehörige erreichen das Team aber auch zu jeder Tag- und Nachtzeit über das Notfallhandy mit der Nummer 0170/ 2494783. Im Ärzteteam gibt es ebenfalls Bewegung, wobei einige Veränderungen erst noch bevorstehen: Als Mediziner wirken derzeit mit aus Kierspe Guido Kussek, aus Meinerzhagen Dr. Claudius Bertram und Dr. Daniel Babzynski, aus Halver Dr. Reimer Böhm, aus Lüdenscheid Dr. Dietrich Kämpfe, aus Altena Dr. Joachim Matuszewski, aus Attendorn Dr. Dirk Pflitsch, aus Olpe Dr. Hoang Ha-Phuoc und aus Kreuztal Dr. Inge Mangold.

Bevor es am Mittwochabend zur Büroeröffnung kam, fand erst noch die Jahreshauptversammlung des Palo-Vereins statt. Dabei wurde daüber berichtet, was im vergangenen Jahr passiert ist: So wurden Kurse für die ehrenamtliche Hospizarbeit finanziell unterstützt, auch Fortbildungen von ehrenamtlichen Kräften und außerdem wurde die Beschäftigung der Psychoonkologin Anna Kurz-Scholand beim Palo-Verein ermöglicht, wie Vorsitzender Dr. Reimer Böhm ausführte. Nachdem die Kassenprüfer Dr. Daniel Babzynski und Dr. Hoang Ha-Phuoc eine einwandfreie Kassenführung attestiert hatten, stand der Entlastung des Vorstands nichts mehr im Weg. Turnusgemäß schied Dr. Hoang Ha-Phuoc aus, statt ihm wurde Anja Kussek als Kassenprüfer gewählt.

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