Im Seniorenheim oft jahreslanges Begleiten

Kierspe - Für Tatjana Bonet stand schon früh fest, dass sie in der Pflege arbeiten wollte – und bei einem Jahrespraktikum, das sie sowohl in einem Krankenhaus, als auch in einem Altenheim absolvierte, fiel ihre Entscheidung pro Senioreneinrichtung: „Im Krankenhaus ist es ein Kommen und Gehen, im Seniorenheim teilweise ein jahreslanges Begleiten“.

Letzteres gefällt der 30-Jährigen viel besser, weil sie den ganzen Tag über Ansprechpartner ist, intensiven Kontakt zu den Menschen hat und auch bei Kleinigkeiten wie beispielsweise eine Flasche aufdrehen oder die Begleitung zur Toilette gerufen wird. Tatjana Bonet, die mittlerweile seit elf Jahren in der Pflege tätig ist, arbeitet im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Haunerbusch. Dort erlebt sie auch, wie die Menschen Kontakt zu den anderen Bewohnern haben, wie neue Freundschaften entstehen. Schließlich gibt es neben der Pflege auch verschiedenste Betreuungsangebote. Neben dem allseits beliebten Bingo-Spiel gehören Andachten, Bewegungs- und Gedächtnistraining, Musik sowie singen, stets willkommene Besuche von Mädchen und Jungen aus den Kindergärten. Der Kontakt, so weiß Tatjana Bonet aus Erfahrung, zwischen den Bewohnern und den Kindern sei einfacher herzustellen, weil es weniger Berührungsängste gebe, sprachlich einfacher sei, besser passe. Doch auch ältere Kinder beziehungsweise Jugendliche (Schüler) kommen ins Awo-Seniorenzentrum, um mit den Bewohnern Gesellschaftsspiele und ähnliches zu spielen.

Mittlerweile ist Tatjana Bonet dort auch sogenannte Praxisanleiterin, also Ausbilderin. Sie zeigt und leitet die aktuell sieben Auszubildenden im Seniorenzentrum in allen Bereichen der Pflege an. Dies geschieht in drei Schritten, erläutert Bonet: Zuerst schauen die Azubis nur zu, dann helfen sie unter Anleitung mit, um schließlich im letzten Schritt die Aufgaben alleine durchzuführen. Die Körperpflege gehört ebenso dazu wie die Medikamentengabe, Blutdruck messen oder Insulin spritzen. Unterstützung gibt es natürlich auch hinsichtlich der Betreuungsangebote, die im Regelfall an zentralen Orten im Haus durchgeführt werden – die Begleitung dorthin gehört ebenso zu den Aufgaben wie zum Beispiel das Essen anreichen. Michael Borchert, Leiter der Awo-Einrichtung in Kierspe, kann sich gut vorstellen, noch mehr Auszubildende aufzunehmen: „Zwölf wären gut vorstellbar!“ Und Übernahmen nach Ende der Ausbildung sind im Haus am Haunerbusch möglich, zumal weitere 1,5 Stellen in Aussicht stehen – nachdem entsprechende gesetzliche Änderungen durchgeführt sind.

Obwohl im Seniorenzentrum alle Arten von Praktika möglich sind – es gibt auch das Programm „sozial genial“, wobei ein Schüler einmal pro Woche in die Einrichtung kommt – und auch durchgeführt werden, bemängelt Borchert, dass das Thema „Pflege“ in der Schule weitestgehend fehle, nicht behandelt werde. Sowohl Borchert als auch Bonet finden es wichtig, dass die grundlegenden Informationen über eine Pflegefachkraft auch vermittelt werden. So hat das Pflegepersonal im Awo-Seniorenzentrum eine Fünf-Tage-Woche, jedes zweite Wochenende Dienst und dafür dann einen Tag frei. Die Ausbildung zur Pflegefachkraft dauert drei Jahre, die Schulen dafür gibt es in Lüdenscheid (zwei) und in Siegen. Im Übrigen, darauf weisen sowohl Tatjana Bonet als auch Michael Borchert hin, gebe es kaum Fluktuation beim Pflegepersonal, wenn, dann meistens nur über die Kräfte, die über eine Zeitarbeitsfirma engagiert wurden und in der Einrichtung arbeiten. Die anderen arbeiteten über viele Jahre im Seniorenzentrum, darunter auch eine Pflegerin, die schon vor 36 Jahren ihren Dienst in der Kiersper Einrichtung begonnen hat, also sozusagen am ersten Tag des Seniorenzentrums. Obwohl das Pflegefachpersonal über viele Jahre in der Einrichtung tätig ist und damit die Bewohner eigentlich bestens kennen, verstehen es die zumeist demenziell erkrankten Menschen immer wieder zu überraschen. „Da gibt es Menschen, die eigentlich sehr still sind“, erzählt Tatjana Bonet, „aber wenn Lieder gesungen werden, kennen sie jede Strophe.“ Ebenfalls ein Schmunzeln ruft bei der Pflegerin und ihren Kolleginnen und Kollegen hervor, wenn nachts um 2 Uhr ein Bewohner erscheint und fragt, ob es kein Frühstück gibt. „Wenn er oder sie großen Hunger hat, gibt es natürlich etwas zu essen“, erzählt Bonet, „ansonsten bringen wir sie oder ihn wieder ins Bett“.

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