Land erleichtert den Zugang zu Nachhilfeunterricht

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Tatjana Bekker und Sibylle Wiehle beraten zum Bildungs- und Teilhabepaket. Sie betreuen im Durchschnitt rund 25 Betroffene, Tendenz steigend. ▪

KIERSPE ▪ Wie wichtig die Beratung, Betreuung und Begleitung der Betroffenen im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes ist, dokumentierte sich in der Vergangenheit auch darin, dass die Inanspruchnahme weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Das soll geändert werden.

Diese Aufgabe liegt vor Ort seit Mai bei zwei Frauen: Zum einen ist die Sozialarbeiterin Sibylle Wiehle damit befasst, die die Bürger schon von ihrer Tätigkeit als Streetworkerin her kennen, und zum anderen Tatjana Bekker, die neu in Kierspe ist.

Beide sind beim Diakonischen Werk des evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg beschäftigt und übernehmen diese Aufgabe im Rahmen eines Projektes im Auftrag der Kommune. Bekker arbeitet 21 Stunden pro Woche und Wiehle 9 Stunden. Die zwei Frauen freuen sich, dass es im Juli einen Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen zur Umsetzung des Paketes gab, mit dem ein großes Problem gelöst wurde und damit jetzt der Vergangenheit angehört: „Am schwierigsten waren immer die Leistungen, die Anspruchsberechtigte für Nachhilfe erhalten, weil eine Voraussetzung war, dass die Versetzung des Schülers gefährdet sein musste“, erläutert Bekker. Wiehle ergänzt, dass das bei der Gesamtschule, wo es kein Sitzenbleiben gibt, oder auch in Grundschulen natürlich nicht vorkommt.

So wurden alle zehn Anträge von Schülern der Gesamtschule auch abgelehnt. Jedoch können sie nach der Neuregelung jetzt neu gestellt werden und haben dann gute Chancen auf Bewilligung, wie die beiden betonen. Der Erlass regelt ausdrücklich, dass auch Schüler, die formal nicht versetzungsgefährdet sind, Zugang zu Lernförderung erhalten. Damit fallen die Einschränkungen für Gesamtschulen, Förderschulen oder die Schuleingangsphase weg. Eine Entscheidung solle immer einzelfallabhängig getroffen werden.

Der Erlass geht sogar noch weiter: Zudem wird nun ausdrücklich die Erreichung eines höheren Lernniveaus gefördert, das der Verbesserung der Chancen auf dem Ausbildungsmarkt, der weiteren Entwicklung im Beruf und damit der Fähigkeit dient, später den Lebensunterhalt aus eigenen Kräften bestreiten zu können.

Zudem sollen die bisher enthaltenen Beschränkungen wie Herstellung der Sprachfähigkeit, Lese- und Rechtschreibschwäche sowie Dyskalkulie, Erreichen einer besseren Schulformempfehlung sowie Schuleingangsphase, Förderschulen und Gesamtschulen nicht mehr von vornherein zu einem Ausschlussgrund führen.

Wie Bekker und Wiehle berichten, ist damit das Hauptproblem bei der Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes beseitigt. Bereiche wie Unterstützung bei Klassenfahrten und Mittagessen, Anschaffung von Schulbedarf und Vereinsaktivitäten liefen dagegen gut.

Im Durchschnitt werden von Wiehle laufend rund 25 Klienten betreut, Tendenz steigend. Sie kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten von Hartz 4-Empfängern bis zu Geringverdienern. Auch alle Nationalitäten sind vertreten. Bekker, die gebürtig aus Kasachstan stammt und 1991 mit ihrer Familie nach Deutschland kam, macht darauf aufmerksam dass die Sprechstunde immer mittwochs von 14 bis 16 Uhr zusammen mit der Kleiderkammer und dem Café Kaffeeklatsch des Vereins Hand in Hand stattfindet.

Erreichbar sind die zwei in ihrem Büro telefonisch unter der Rufnummer (02359) 295032. Neben den Sprechstunden finden Terminvereinbarungen und aufsuchende Arbeit statt. Zudem werden im Rahmen des Netzwerks mit Schulen, Kindertagesstätten, Sozialamt und Jobcenter Kontakte zu Menschen mit Unterstützungsbedarf hergestellt.

Über Bayern und die Pfalz kam Tatjana Bekker als Kind schließlich ins Hochsauerland, wo sie bis heute in Sundern lebt. Nach einer Rechtsanwaltsausbildung begann sie 2006 Diplomsozialpädagogik an der Fachhochschule Dortmund zu studieren und absolvierte in dem Rahmen auch verschiedene Praktika. Ihre erste Stelle trat sie jetzt in Kierspe an.

Rolf Haase

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