Schmierereien am Wienhagener Turm

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Der Wienhagener Turm wurde 1929 errichtet, um an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges zu erinnern.

Kierspe - Errichtet zum Gedenken der Toten des Ersten Weltkrieges erinnert der Wienhagener Turm derzeit aber an eine andere dunkle Epoche der deutschen Geschichte. Vor zwei Tagen haben Unbekannte den Turm beschmiert und dabei auch Hakenkreuzfahnen und ein Strichmännchen aufgebracht, das an Adolf Hitler erinnert.

Von Johannes Becker

Wer die geist- und sinnfreien Schmierereien sieht, die sich rund um den Wienhagener Turm ziehen, wird diese für Malversuche von Kindern halten – und damit vielleicht gar nicht so falsch liegen. Denn ein Zeuge hat sechs Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren gesehen, die für die Tat verantwortlich sein sollen.

Bei ihrer Aktion beschränkten sich die Täter aber nicht auf ihre Schmierereien in Schwarz, sie entzündeten auch ein Holzfeuer im Inneren des Gebäudes und zündeten dort mehrere Feuerwerkskörper.

Auf dem Außengelände wurde ein Gestell, an dem Reiter ihre Pferde anbinden oder Radfahrer ihre Fahrräder abstellen können, zertreten. „Das werden wir wohl nicht mehr aufbauen“, erklärt Marlen Vedder, die als frühere Vorsitzende des SGV immer noch ein Auge auf den Turm hat, der seit 14 Jahren vom Sauerländischen Gebirgsverein betreut wird.

Marlen Vedder an der beschädigten Eingangstür.

Errichtet wurde das Gebäude 1929 mitten im Wald von der Stadt Kierspe, um an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges zu erinnern. Mit den Jahren verfiel das Gebäude zusehend, bis der SGV 1999 die Kiersper um Geld bat, damit der Turm saniert werden konnte. Insgesamt kamen damals rund 20 000 Mark zusammen, mit denen innen und außen gearbeitet werden konnte. Vor Kurzem wurde dann das Gebäude von Mitgliedern der Kiersper Feuerwehr komplett abgespritzt. Im Anschluss daran baute ein Kiersper Unternehmen ein Gerüst auf und Mitglieder des SGV griffen zu Farbe und Pinsel, beziehungsweise Rolle.

Die Kiersper Abteilung ließ es aber nicht bei der Verschönerung des Gebäudes bewenden, sondern schuf außen herum ein idyllisches Gelände mit Bänken und Tischen. Für junge Besucher wurde ein Sandplatz angelegt sowie Schaukel und Wippe aufgebaut. So hat sich der Turm zu einem beliebten Treffpunkt für Familien entwickelt.

Diesen steht der Turm auch immer offen, denn die Eingangstür bleibt unverschlossen, letztlich auch, um Einbrüche zu verhindern. Doch das hat die Täter am Montag nicht davon abgehalten, mit einem Werkzeug die obere Kante der massiven Metalltür so gründlich zu verformen, dass sie sich wohl nicht mehr in den ursprünglichen Zustand versetzten lassen wird. Trotzdem will der Verein auf eine Anzeige verzichten, wenn sich die Täter innerhalb einer Woche melden.

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