„Digitales Lernen“ soll selbstverständlich werden

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Die Tablets sollen immer dann eingesetzt werden, wenn es sinnvoll ist. Außerhalb der Klassenräume bleiben die Geräte aber in den Taschen, genau wie die Handys der Schüler.

Kierspe -   „Mit dem Tablet zu schreiben, ist viel schöner als mit dem Füller“, sagt Jan aus dem sechsten Jahrgang und Julien schiebt nach: „Präsentationen am Tablet lassen sich viel besser erstellen.“ Die beiden gehören zu den Schülern, für die „Digitales Lernen“ Alltag ist. Aber noch sind es wenige, für die der Umgang mit elektronischen Medien im Schulalltag so selbstverständlich ist wie das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen.

Eineinhalb Jahre ist es her, dass an der Gesamtschule eine neue Zeitrechnung begann. Sicher, Computer und den Unterricht daran gibt es schon seit Jahrzehnten. Doch dieser Unterricht fand und findet in speziellen Räumen an klassischen PCs statt. Das widerspricht allen Alltagserfahrungen der Schüler, die wie selbstverständlich ins Internet gehen, um sich Informationen zu holen, über ihr Smartphone mit Freunden chatten und deren Blick mehr auf dem Bildschirm eines Mobilgerätes haftet als auf ihrer Umwelt.

Nur im Unterricht haben die mobilen Geräte kaum Einzug gehalten. „Doch bei aller Selbstverständlichkeit, mit der die Schüler die Geräte in ihren Alltag einbinden, darf nicht vergessen werden, dass auch der Umgang mit den digitalen Inhalten gelernt werden muss. Die Kinder müssen verstehen, nicht dem ersten Suchergebnis bei Google zu vertrauen“, stellt Schulleiter Johannes Heintges klar.

Das wäre sicher schon Grund genug gewesen, das „Digitale Lernen“ im Schulalltag zu verankern. Doch die Schulleitung wollte und will mehr. Sie hält den Umgang mit den elektronischen Geräten für eine Grundkompetenz, die an der Schule vermittelt werden sollte. Jan Prybyla, Medienkoordinator der Gesamtschule: „Natürlich muss dieses ,Digitale Lernen’ auch pädagogisch eingebettet werden. Dazu wird es ab dem kommenden Jahr Schüler geben, die eine Ausbildung zum Medien-Scout bekommen, um mit anderen Schülern auf Augenhöhe sprechen zu können.“

Aber natürlich sind in erster Linie die Lehrer gefragt, die Geräte in ihren Unterricht einzubinden. Das geschieht in den Erprobungsklassen aus dem Jahrgang fünf und sechs sowie elf und zwölf in nahezu allen Fächern. So zum Beispiel auch im Sportunterricht, wo Bewegungsabläufe gefilmt und anschließend analysiert werden.

„Wichtig ist uns aber, dass die Tablets nur dort eingesetzt werden, wo es sinnvoll ist. Außerdem soll die Handschrift nicht vernachlässigt werden. Bei Klausuren werden die Geräte generell nicht eingesetzt, da die Täuschungsgefahr zu groß wäre“, erklärt Miriam Wirz, Didaktische Leitern.

Insgesamt sind es heute 260 Schüler, die täglich mit einem Tablet in die Schule kommen. Bei 1350 Schülern der Gesamtschule ein überschaubarer Anteil. Das liegt zum einen an den Kosten für die Tablets (rund 140 Euro inklusive Tastatur), die die Eltern aufbringen müssen, zum anderen aber auch daran, dass man in einer zweijährigen Pilotphase Erfahrungen sammeln möchte. „Danach werden wir entscheiden, ab welcher Klasse die Geräte generell zum Einsatz kommen sollen, dann werden wir hoffentlich auch wissen, an welchen Stellen der Einsatz sinnvoll ist und wo man besser darauf verzichtet“, so Heintges.

Der Schulleiter macht aber auch klar, dass es mit dem Kauf der Tablets und einem entsprechenden pädagogischen Konzept nicht getan ist. Denn auch die Schule muss technisch noch kräftig aufgerüstet werden. Derzeit gibt es in den Klassenräumen und einigen Fachräumen insgesamt 13 sogenannte interaktive Beamer, die auch die Inhalte der Schüler-Tablets spiegeln können. In den kommenden sechs Jahren sollen 45 weitere Geräte dazukommen. Dadurch entstehen Kosten von rund 150 000 Euro – nur fürs Material, die Montage kostet extra. „Ich finde allerdings, dass diese Ausstattung den gleichen Stellenwert haben sollte, wie die übrige Grundausstattung einer Schule“, ist Heintges überzeugt.

In den Pausen bleiben die Geräte übrigens in den Schultaschen. „Wir haben ein generelles Handyverbot bis zur zehnten Klasse, denn die sozialen Fähigkeiten der Schüler haben keinesfalls einen geringeren Stellenwert als die digitalen“, so Wirz abschließend.

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