"Gothic meets Rock" auf Gut Haarbecke in Kierspe

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Die 40-jährige Brüggerin Heike Vogt-Laudien ist die Veranstalterin des „Gothic meets Rock“-Festivals, das vom 25. bis 27. Mai auf Gut Haarbecke stattfinden wird. An diesem Wochenende möchte die schwarze Musikszene auch mit Vorurteilen aufräumen.

Rönsahl - Schwarzes Leder, glänzender Lack, schwere Metalketten und Totenköpfe weit und breit – im kommenden Jahr wird es düster auf Gut Haarbecke. Denn vom 25. bis zum 27. Mai findet dort das „Gothic meets Rock“-Festival statt.

Im Gespräch mit der MZ verrät Veranstalterin Heike Vogt-Laudien, was an diesem Wochenende auf die Besucher, aber auch auf die Bewohner des sonst zu beschaulichen Dorfes zukommt.

Seit gut zwei Jahren hat die Organisatorin die Idee, ein Musikevent für Gothic-Fans auf die Beine zu stellen, mit sich herumgetragen. Bislang haperte es aber an dem möglichen Ort des Geschehens. Nach einem Anruf bei Rudolf Bengelsträter, dem Besitzer des Gutshofes in Rönsahl, kam die Sache jedoch ins Rollen.

„Ich habe mich immer geärgert, dass kleine gute Bands, wenn sie vor Publikum spielen wollen, immer dafür bezahlen müssen“, erklärt Heike Vogt-Laudien, warum sie sich Tag und Nacht mit den Vorbereitungen des Festivals beschäftigt. Das soll im kommenden Jahr anders sein. „Wir werden bewusst nur zwei bis drei bekannte Bands den kleineren zur Seite stellen, damit diese das Publikum anziehen.“ Auf einer Open-Air-Bühne sollen, so ist es der bisherige Planungsstand von Heike Vogt-Laudien, ihrem Mitorganisator Manuel Leichsenring und dem insgesamt fünfköpfigen Organisationsteam, an drei Tagen 25 Bands auftreten.

Die Band Batlord aus den USA gehört zu den wenigen großen Bands, die im Mai 2017 auf Gut Haarbecke auftreten werden.

„Dabei sein werden auch welche, die zusammen noch keinerlei Erfahrung mit Live-Auftritten haben, aber als Einzel-Musiker kein unbeschriebenes Blatt sind. So wird etwa Schattenmann auftreten, dessen Sänger Frank Herzog in der Szene bekannt ist.“ Mit Carpatia Castle (Tschechien) und Batlord (USA) wird es in Rönsahl international. Desweiteren werden Bands aus Flensburg, Berlin, Witten, Haltern am See, Oberhausen, Köln und Düsseldorf auf der Bühne stehen. Als sogenannte Headliner werden Harpyie und Monstagon den Gutshof zum Beben bringen, verspricht die 40-jährige Veranstalterin, die selbst jahrelang in einer Lüdenscheider Band gespielt hat und gebürtig aus Brügge stammt.

„Wir freuen uns besonders auf Rabenschrey, die einen ihrer vier Exklusiv-Auftritte im kommenden Jahr in Rönsahl spielen werden. Die Musiker polarisieren. So hatte etwa 2012 die Kirche etwas gegen ihren Auftritt auf Burg Altena.“ Dass sich so viele Musiker bereit erklärt haben, bei der Premiere des Festivals in Rönsahl aufzutreten, wundert die Veranstalterin nicht. „Bei uns kennt jeder jeden. Wir sind eine große Musikfamilie. Wir versuchen mit dem Event die schwarz-bunte Szene zu verbinden.“ So wird das Publikum an dem Maiwochenende einen Musikstil-Mix aus dem Gothic-Elektro, Cyber-Gothic, Old-School-Gothic, aber auch Rock and Roll, Black-Metal, Hard-Rock und die sogenannte Neue deutsche Härte zu hören bekommen.

Trotz ihres düsteren Auftretens brauchen die Rönsahler aber keine Bedenken haben. „Wir möchten mit dem Festival auch zeigen, dass wir nicht böse sind. Wir kleiden uns zwar anders und haben in einigen Punkten, etwa zur Kirche, eine andere Einstellung. Aber wir veranstalten keine Blutopfer auf Friedhöfen.“

Die Gothic-Szene sei sehr tolerant, begründet sei dies dadurch, dass sie aus der Punkbewegung entstanden ist. „Bei uns interessiert es niemanden, ob jemand Hartz-IV bekommt oder einen Porsche fährt.“ Drei Tage lang haben die Rönsahler die Möglichkeit, den Kontakt mit den Gothics zu suchen. Die Organisatoren rechnen nach eigenen Angaben mit rund 600 Gästen an dem Wochenende. Sie werden, wie es bei einem Festival so üblich ist, ihre Zelte auf dem Gutsgelände aufschlagen und in einer Pension im Dorf und in einer Jugendherberge in Marienheide übernachten.

Kontakt mit den Gothics aufnehmen

„Der Großteil der Gothic arbeitet in sozialen Berufen, weniger in Bürojobs“, sagt die Veranstalterin, die als gelernte Bankkauffrau eine Ausnahme in der Szene darstellt. „Wir sind alle sehr hilfsbereit. Es gehört bei uns einfach dazu, dass wir behinderten oder älteren Menschen helfen.“ Die Anwohner des Gut Haarbeckes können, so Heike Vogt-Laudien, gern während des Festivals vorkommen und den Kontakt mit den Gothics suchen. Dass die Anhänger der schwarzen Musikszene auf der Straße auffallen, ist Heike Vogt-Laudien bewusst. „Gerade die älteren Semester gucken oft zweimal hin, wenn sie unsere Frisuren oder Männer in langen Lederröcken sehen.“

Angefeindet wird sie wegen ihres Kleidungsstils aber nicht. Vor 20 Jahren sei das schlimmer gewesen. „Heute wird alles toleranter. Die älteren Leute sprechen uns neugierig an und loben uns sogar.“ Eventuelle Bedenken der Rönsahler gegen die Gothic-Fans könne die Veranstalterin verstehen. „Die Menschen dort haben kaum Berührungspunkte mit uns.“ Als Grund sieht sie das Abwandern der Szene vor zehn bis 15 Jahren ins Ruhrgebiet an. „Damals gab es mit dem ‘Rockoko’ an der Friedrich-Ebert-Straße noch einen Treff für Metal- und Gothic-Fans aus Altena, Lüdenscheid und Kierspe. Mit dessen Schließung wussten sie nicht mehr wohin.“

Ordnungsamt sei sehr "entgegenkommend"

Nach verschiedenen Versuchen in Lüdenscheid etwas aufzubauen, zum Beispiel im dortigen „Eigenart“, habe man nun einen neuen Ort – wenn auch nur einmal im Jahr – für die Szene gefunden, so die Veranstalterin. Mit Kierspe habe man eine gute Wahl getroffen. „Die Stadtverwaltung zeigte sich sehr offen. Zwar sind die Verantwortlichen dort keine Szene-Typen. Doch man hat uns lieber als ein Techno-Festival in der Stadt. Sie wissen, dass es bei uns keine Drogen und Gewalt gibt.“ Das Ordnungsamt sei bislang „sehr, sehr offen entgegenkommend“ gewesen.

„Oliver Knuf stand uns beratend zur Seite und hat uns Tipps im Bezug auf die Beleuchtung des Campingplatzes und in Sachen Brandschutzmaßnahmen gegeben“, sagt Vogt-Laudien. Mit dem Festival, so die Veranstalterin, soll die schwarze Szene der Nietenhalsbänder, weiss geschminkten Gesichter und Plateau-Stiefel ins rechte Licht gerückt und Missverständnisse abgebaut werden.

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