Syrer müssen weiter im Kirchenasyl ausharren

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Das Bild einer zerstörten Stadt: Aleppo, die Heimatstadt von Mohammed, einem der syrischen Flüchtlinge in Kierspe, gleicht einem Trümmerfeld. Über die aktuelle Situation in Syrien gibt es am Sonntag einen Vortrag von den Flüchtlingen im Lutherhaus.

Kierspe - Seit Wochen wachen Mohammed, Ali und Alaa morgens mit der Gewissheit auf, dass ihre Situation in Deutschland völlig ungewiss ist. Den Flüchtlingen aus Syrien droht weiterhin die Abschiebung nach Ungarn, weshalb sie im Kirchenasyl im Lutherhaus der Ev. Kirchengemeinde Kierspe ausharren.

„Für diese extrem belastende Situation haben Mohammed, Ali und Alaa erstaunlich gute Laune. Aber in bestimmenden Situationen ist ihnen doch anzumerken, wie sehr sie das Ganz physisch und psychisch belastet“, sagt Fritz Schmid vom Kiersper Arbeitskreis Flüchtlinge, der sich mit einem ehrenamtlichen Helferteam bekanntlich intensiv um die Betreuung der jungen Syrer kümmert.

Die rechtliche Lage ist dabei unverändert. Auf Grundlage der so genannten Dublin-III-Verordnung hat das Verwaltungsgericht Arnsberg entschieden, dass das Trio nach Ungarn abgeschoben werden soll. Diese Verordnung besagt, dass Flüchtlinge in dem Land ihren Asylantrag stellen müssen, über das sie in den EU-Raum eingereist sind, und dieses ist bei den drei Syrern eben Ungarn.

"In dieses Land dürfen die drei keinesfalls abgeschoben werden"

Allerdings ermöglicht Dublin III allen EU-Staaten über das Selbsteintrittsrecht auch selbst ein Asylverfahren einzuleiten, wenn den Flüchtlingen nach der Abschiebung besondere Härten drohen. Diese sehen Schmid und seine Mitstreiter für Ungarn gegeben, weil das Land in den Medien immer wieder wegen menschenunwürdiger Bedingungen für Flüchtlinge massiv in der Kritik stehe. „Es ist deshalb wichtig, dass wir intensiv an diesem Thema dranbleiben. In dieses Land dürfen die drei keinesfalls abgeschoben werden“, sagt Schmid.

Obwohl seine Petition an den Deutschen Bundestag, für diese drei Syrer das Asylverfahren in Deutschland zu eröffnen (MZ berichtete) mittlerweile abschlägig beschieden worden ist und über eine zweite Petition der Kiersper Gesamtschüler noch nicht entschieden worden ist, gibt sich Schmid weiterhin zuversichtlich, die Abschiebung verhindern zu können. „Wenn bestimmte Aufenthaltsfristen überschritten werden, dürfen die Jungs hier bleiben. Deshalb stehen wir über unseren anwaltlichen Beistand in Kontakt mit den zuständigen Stellen des Märkischen Kreises und des Verwaltungsgerichts, um hoffentlich eine positive Lösung herbeizuführen“, so Schmid.

Deutschsprachiger Bericht über die aktuelle Situation in Syrien

Mohammed absolvierte ein Praktikum im Architektur- und Ingenieurbüro SKV mit Aussicht auf einen Ausbildungsplatz, bevor er ins Kirchenasyl flüchten musste.

Um die Syrer, die sich per Internet ständig über die Situation in ihrem Heimatland auf dem Laufenden halten, bis dahin ein wenig auf andere Gedanken zu bringen, unternehmen der ehemalige Leiter der Gesamtschule Kierspe und sein Team viel mit den Flüchtlingen. „Das Hauptaugenmerk liegt darauf, ihnen möglichst schnell Deutsch beizubringen“, sagt Schmid. Über den Fortschritt können sich alle Kiersper am Sonntag, 26. Juli, ab 19 Uhr im Lutherhaus an der Friedrich-Ebert-Straße informieren. Im Schutz des Kirchenasyls wollen Mohammed, Ali und Alaa einen syrischen Abend gestalten. Auf Deutsch werden sie mit Text-, Bild- und Videobeiträgen über ihr Heimatland vor dem Krieg und in der aktuellen Situation berichten. Themen werden auch die Flucht der drei und die Gründe dafür sein. Geplant sind zudem einige kleinere musikalische Beiträge.

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