Orchester Emil Franz aus Kierspe feiert Geburtstag

Das Orchester Emil Franz hat im vergangenen Jahrzehnt bis zu 23 Mitglieder gehabt. Holzblas- und Rhythmusinstrumente bilden bis heute den Kern des Ensembles.

RÖNSAHL ▪ Das Orchester Emil Franz wurde im Jahr 2000 als reines Holzblasensemble mit starker Rhythmusgruppe gegründet. Heute nach zehn Jahren liegt das Durchschnittsalter der Mitglieder immer noch bei kaum mal 18 Jahren.

Überwiegend setzt es sich also aus sehr jungen Musikern zusammen. Jedoch ist die dargebotene musikalische Qualität höher angesiedelt, als das aufgrund dieser Tatsache erwarten lässt. Und das kommt nicht von ungefähr, denn von den Mitgliedern verlangt Leiter Emil Franz jede Menge Engagement und absolute Disziplin beim Üben. Trotz ihres Alters spielen viele ihr Instrument schon von kleinauf, so dass sie über jahrelange Routine verfügen. Weil Franz es zudem immer schafft, den Funken der Begeisterung überspringen zu lassen, sind die meisten auch bereits sehr lange dabei, teilweise von Anfang an. Was nicht zuletzt an der besonderen musikalischen Mischung, bestehend aus klassischen Werken, Jazz und Swing, liegt.

Franz verlangt von seinen Musikern einiges, aber er fördert sie auch, eben indem er sie fordert und sie die Musik leben, spüren und fühlen lässt. Er bringt sie dazu, nicht mit dem Minimalen, sondern erst mit dem Maximalen zufrieden zu sein. Präzision und Perfektionismus mit einem optimalen Klangbild sind ihm ein wichtiges Anliegen, denn einfaches Hören soll zum Genuss werden und die Musik die Herzen der Zuhörer erreichen, das ist sein Ziel.

Beim Orchester Emil Franz ist der Dirigent und musikalische Leiter nicht nur namensgebend, sondern zugleich Programm. Fast alle Stücke aus dem Repertoire wurden von ihm aufwändig bearbeitet und für Holzbläser, die bis heute neben den Rhythmusinstrumenten in der Gruppe dominieren, umgeschrieben.

Als ehemaliger Soloklarinettist der Bukarester Staatsoper und des dortigen Filmorchesters wirkte Franz bei zahlreichen Schallplatten-, Film-, Fernseh- und Rundfunkproduktionen mit bis hin zu einer eigenen wöchentlichen Fernsehsendung. So hat er das Know-how für die Leitung eines Klangkörpers auf hohem Niveau wie eben des Rönsahler Orchesters. Der Spaß dabei ist ihm bei den Konzerten, die das Ensemble bestreitet, und auch bei den Proben alle zwei Wochen anzumerken. Franz ist ein Musiker mit Leib und Seele. Schon seit 1975 ist er in Lüdenscheid, Kierspe, Drolshagen und Olpe als Klarinetten- und Saxophonlehrer tätig, leitete außerdem lange die Kiersper Big Band und Stadtkapelle und engagierte sich später im Ruhestand weiter, um vor allem Kindern und Jugendlichen ein gemeinschaftliches Musiziererlebnis zu ermöglichen, dies bis heute.

Das Orchester Emil Franz hat ebenfalls über die Grenzen des heimischen Raumes hinaus für Furore gesorgt, wenn man nur an die regelmäßigen Auftritte im Gir-Keller, dem typischen Jazz- und Bierkeller am Alten Markt in Köln, zusammen mit Größen wie Peter Weniger und dem in diesem Jahr verstorbenen Peter Herbolzheimer denkt, oder auch auf der Frankfurter Musikmesse. Beliebt sind die Weihnachtskonzerte an wechselnden Orten. Insgesamt kommt das Ensemble so auf bis zu zehn Konzerte pro Jahr.

Furore über

Kierspe hinaus

Den ersten öffentlichen Auftritt hatte das Ensemble im Jahr 2000 zusammen mit dem Chor 70 in der Meinerzhagener Stadthalle. Damals bestand es noch aus 13 Mitgliedern, zwischenzeitlich wuchs es auf bis zu 23 Musiker, ist aber heute wieder auf 17 geschrumpft. Hervorgegangen ist es damals aus der Vorgängergruppe „Ohrwürmer“, die Anfang der neunziger Jahre als Klarinettenensemble entstanden war. Beide Gruppen boten interessierten und talentierten jungen Menschen die Möglichkeit, in einer größeren Gruppe zu spielen. Dazu gehörten neben den sechs Kindern von Emil und Birgit Franz, Johanna (heute 29 Jahre alt), Ruppert (24), Nikolaus (22), Katharina (21), Halrun (20) und Elisabeth (18) noch eine Reihe weiterer Kinder und Jugendlicher.

Die Franz-Sprösslinge, von denen Johanna mit der Geige, Ruppert mit dem Cello und Nikolaus mit dem Bass auch Saiteninstrumente spielten, während die drei jüngeren Mädchen für sich schließlich das Saxophon favorisierten, spielten teilweise ebenfalls bei der früheren Gruppe „Holzwürmer“ und dem damals existierenden Sinfonieorchester der Musikgemeinschaft Kierspe, aus dem später das Volmetalorchester wurde.

Zur Gründung des Orchesters Emil Franz kam es ein Jahr, nachdem der Bandleader und Kapellmeister bei der Musikgemeinschaft aufgehört hatte. Um auch noch nicht ganz so weit fortgeschrittenen Schülern der Eheleute Franz das Musizieren in einem Orchester zu ermöglichen, wurde 2001 außerdem das Eltern- und Kinder-Orchester Rönsahl gegründet. In diesem spielen zusätzlich die Mitglieder des Orchesters Emil Franz mit, um den Jüngeren als Vorbild zu dienen, das ist für alle obligatorisch. Es besteht heute aus 30 Musikern.

Das Niveau ist bei beiden Ensembles im Lauf der Jahre gestiegen: So werden anspruchsvolle Stücke, die vor zehn Jahren noch vom Orchester Emil Franz eingeübt wurden, heute genauso vom Eltern-Kinder-Orchester gespielt. In diesem sind immer mehr Eltern vertreten, so dass mittlerweile ganze Familien zusammen musizieren. Nur bei Buchungen werden Märsche oder Polkas intoniert, sie blieben beim Standardrepertoire ansonsten außen vor.

Gründung im

Jahr 2000

Unvergessen sind die Ausflüge der Gruppe wie 2001 zu einem Konzert der Jungen Sinfonie Köln, die ein musikalisch umgesetztes Kinderbuch als Konzert aufführte, und eben auch die Auftritte im Kölner Gir-Keller. 2003 bestritt das Ensemble zudem das komplette Rahmenprogramm einer kleinen Musikmesse in Olpe.

Der Geburtstag des Orchesters Emil Franz soll mit einer großen Benefizgala zugunsten der José Carreras Leukämie-Stiftung unter dem Motto „Swing trifft Klassik – Musik ist Trumpf“ gefeiert werden. Das Konzert findet am Samstag, 29. Mai, um 18 Uhr im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule statt. Mit dabei ist neben den beiden Franz-Orchestern noch das Alma Mahler Klaviertrio sowie Julian und Roman Wasserfuhr, die als Geheimtipp in der deutschen Jazzszene gelten. ▪ rh

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