Arzt für Praxis gefunden

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Die Praxis des verstorbenen Dr. Johann Günther wird voraussichtlich einen Nachfolger finden. Das Zulassungsverfahren läuft derzeit – bis dahin übernehmen Vertretungsärzte die Versorgung der Patienten.

Kierspe - Die Patienten, die im August vom Tod ihres Arztes Dr. Johann Günther überrascht wurden, können aufatmen. Denn die Suche nach einem Nachfolger für die Praxis an der Ecke Haunerbusch und Im Hofe scheint erfolgreich zu sein. Ein Arzt aus Siegen, dessen Name aus datenschutzrechtlichen Gründen noch nicht genannt werden kann, will die Lücke, die Dr. Günther hinterlassen hat, schließen.

„Die Praxis wird nach dem Weihnachtsurlaub am Montag, 8. Januar, wieder öffnen“, erklärt Daniel Günther, Sohn des verstorbenen Allgemeinmediziners, gegenüber der Meinerzhagener Zeitung. Allerdings konnte er noch nicht sagen, ob wieder ein Vertretungsarzt oder vielleicht schon der potenzielle Nachfolger als Vertretungsarzt an dem zweiten Montag im neuen Jahr die Praxis eröffnen wird.

Der Betrieb wird seit August durch Vertretungsärzte aufrecht erhalten, denn ein Schließen der Praxis würde bedeuten, dass bei einer Wiedereröffnung ein größerer Aufwand betrieben werden müsse „Wir haben aber großes Interesse daran, dass die Praxis weitergeführt wird“, sagt Daniel Günther mit Blick auf die Unterversorgung von Kierspe mit Allgemeinmedizinern. Dies gelte wohl auch für Dr. Maiworm, der früher dort praktizierte und nun die Räume vermietet.

Die Einrichtung werde dagegen an den Nachfolger verkauft, fügt Günther hinzu. So lange aber die Zulassungsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe mit Sitz in Dortmund kein grünes Licht für den neuen Doktor – der entsprechende Antrag soll bereits gestellt sein – gegeben hat, wird die Praxis unter dem Namen Dr. Günther weiter geführt – wobei Arzthelferin Nurcan Akar in Zusammenarbeit mit den Vertretungsärzten die Fäden in der Hand hält. 

„Wir wären froh, wenn wir die Praxis wieder besetzen könnten“, hofft auch Dr. Martin Junker, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung mit Sitz in Lüdenscheid und zuständig für den Bereich Südwestfalen. Gleichwohl ist er in das Geschehen um die Praxis Günther nicht eingebunden. Er weiß natürlich, wie schwer es ist, junge Ärzte in den ländlichen Raum zu holen. Das würde man mit finanziellen Anreizen nicht schaffen.

Vielmehr müssten die Kommunen Anstrengungen unternehmen und Werbung für die Wohnqualität, den hohen Freizeitwert und das persönlichere Arzt-Patient-Verhältnis im ländlichen Raum betreiben. Man müsse frühzeitig auf die angehenden Ärzte zugehen, nicht erst, wenn sie im Alter von 33 bis 35 Jahren ihre Zulassung als Facharzt erhalten würden.

Denn dann wäre bei ihnen meist auch die Familienplanung weit fortgeschritten. Persönliche Ansprechpartner, intensive Beratungen und Unterstützung bis hin zu einem Zuschuss von 50 000 Euro gebe es auch von der Kassenärztlichen Vereinigung. „Uns liegt noch nicht Schriftliches vor“, sagte Jens Flintrop, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Dortmund.

Aber wenn alle Voraussetzungen erfüllt und sich alle Beteiligten einig seien, könne ein Arzt nach der Entscheidung des Zulassungsausschusses anfangen. Das Gremium tage einmal im Monat. Unstrittig sei, so Flintrop, dass es in Kierspe eine Unterversorgung gebe. Daher habe man natürlich Interesse daran, die Praxis wieder besetzen zu können.

Zulassungsstelle

Ein Zulassungsausschuss ist eine gesetzlich verankerte, unabhängige und regional zuständige Einrichtung. Er entscheidet über die Zulassung von Vertragsärzten, Vertragspsychotherapeuten und Medizinischen Versorgungszentren sowie über die Ermächtigung von Krankenhausärzten und Institutionen im Land. Dazu bestimmt er, ob bestimmte Kooperationsformen möglich sind, eine Zulassung entzogen oder eine Ermächtigung widerrufen werden muss. In seinen Entscheidungen ist ein Zulassungsausschuss an die Vorgaben des Sozialgesetzbuchs sowie an die Zulassungsverordnung für Vertragsärzte gebunden. Ein Zulassungsausschuss besteht aus sechs Mitgliedern mit jeweils drei Vertretern der Ärzte und drei Vertretern der Krankenkassen. (Quelle: Homepage der KV)

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