Der Holzpreis hat sich fast halbiert

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Die Schäden durch den Borkenäfer sind extrem – und das im ganzen Land und weit darüber hinaus in Mitteleuropa.

Kierspe - Was wird aus dem Käferholz? Eine Frage, deren abschließende Antwort sich auch Förster Uwe Treff nicht zutraut. „Was sich nicht verkaufen lässt, bleibt stehen“, sagt der Forstfachmann – und schiebt nach, dass es das schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben habe.

Ein wechselhaftes Jahr liegt hinter den Förstern, Waldbesitzern, Waldarbeitern und Sägewerkern. Los ging’s im Januar mit dem Sturm Friederike. Der war zwar in seinen Auswirkungen im Sauerland nicht so spürbar wie Kyrill zehn Jahre zuvor. Dafür traf er andere Gebiete in Deutschland umso härter, was sich auf den Holzmarkt und damit auch auf den Preis auswirkte.

Rund 1500 Festmeter fielen dem Sturm im Revier von Uwe Treff zum Opfer. Kein unerheblicher Teil der geplanten Einschlagmenge von rund 6000 Festmetern, aber auch kein übergroßes Problem. „Das war im Grunde vor allem eine Fleißarbeit“, so Treff. Doch Preise von 92 bis 94 Euro, mit denen das Vorjahr geendet hatte, waren nicht mehr zu halten.

Dafür sorgte ein Frühjahr, bei dem sich Regen und Wärme abwechselten für einen regelrechten Treibhauseffekt, der auch ein enormes Wachstum bei den Bäumen zur Folge hatte. Allerdings führten Starkregen-Ereignisse auch dazu, dass mancher geplante Maschineneinsatz nicht stattfinden konnte, weil die Wege dem Gewicht der Fahrzeuge nicht standgehalten hätten.

Doch von Sturm und weichen Wegen war dann im Sommer keine Rede mehr. Stattdessen beherrschte die Sorge um die Entwicklung der Schäden durch den Borkenkäfer die Gespräche der Forstfachleute und Waldbesitzer. Von optimalen Bedingungen von Anfang an für den Käfer spricht Treff. Durch die Trockenheit seien die Fichten bereits recht früh im Sommer nicht mehr in der Lage gewesen, ausreichend Harz zu bilden, um die Angriffe abzuwehren. Treff: „Jeder Fichtenbestand stand für die anfliegenden Borkenkäfer offen wie ein Scheunentor. Wir wurden regelrecht überrollt.“

Allein auf Kiersper Stadtgebiet wird der Schaden durch den Käfer auf rund 7000 Festmeter geschätzt, davon entfallen rund 2800 Festemeter auf das Revier von Treff. „Mittlerweile habe ich rund 1500 bis 1600 Festmeter davon vermarktet“, erzählt der Förster. Leicht sei es allerdings nicht, dieses Holz loszuwerden, auch wenn der Preis von Anfang 90 Euro auf mittlerweile 50 Euro gefallen sei. „Das sind Preise wie nach Kyrill.“ Und mit diesem Sturm vergleicht Treff auch den Schaden durch den Käfer, der auf Mitteleuropa gesehen, mindestens so groß sei wie der durch den Sturm im Januar 2007. Einen Unterschied zum Orkan bemerkt der Kiersper jedoch schon: „Damals konnten wir an Sägewerke in Gebieten verkaufen, die nicht so stark vom Orkan betroffen waren. Unter dem Käfer haben alle zu leiden, deshalb ist ein Verkauf beispielsweise nach Süddeutschland keine Option.“ Einziger Lichtblick ist die gute Konjunktur auf dem Holzmarkt. „Trotzdem werden wir mit den niedrigen Holzpreisen noch länger leben müssen“, vermutet Treff.

Windbruch im Kiersper Wald als Folge des Sturms Friederike.


Einen Blick in die Zukunft wagt Treff nicht: „Wenn jetzt ein starker Sturm kommt, kann das gravierende Auswirkungen haben. Denn durch das Fällen des Käferholzes haben wir die Bestände geöffnet, da hat der Wind viel Angriffsfläche. Dann wollen die Sägewerke lieber Sturmholz haben, dann bleibt das Käferholz auf jeden Fall liegen.“ Auch wagt der Förster keine Prognose hinsichtlich der Borkenkäferentwicklung in diesem Jahr.

Nach China hat der Kiersper bisher noch keinen Stamm verkauft. Ganz anders seine Kollegen in Lüdenscheid, die den Markt in Asien durchaus beliefert haben. „Der Verkauf dorthin ist aber nicht so ganz einfach. Denn in einen Container gehen Stämme nur mit einer Länge von elf Metern. Der Rest des Stammes ist dann kaum noch zu verwerten. Anfangs mussten die Chinesen lernen, dass ein Baum, der aufgrund des Käferbefalls keine Rinde mehr hat, nicht weniger wert ist als ein Stamm mit Rinde.“

Auch sei der logistische Aufwand höher. Man müsse einen festen Untergrund haben, um die Container zu beladen – und einen geeigneten Kran. Doch trotz des Aufwands und des geringen Preises ist der Verkauf des Holzes nach Asien eine Option für den Kiersper – und allemal besser als die Alternative, wenn das Holz hier nicht mehr zu verkaufen ist. Denn dann würden die Stämme stehen bleiben.

„Das hat es seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gegeben, dass ganze Waldstücke tot im Wald bleiben – natürlich unter Berücksichtigung der Sicherungspflicht“, sagt Treff, der zur Begründung sagt: „Solch ein Problem mit dem Borkenkäfer hat auch meine Generation noch nicht erlebt.“

Manche Waldexperten, so der Förster, würden bereits vom Ende der Fichte sprechen. So weit will der Kiersper Wald- und Holzfachmann nicht gehen: „Auch zukünftig wird die Fichte ihre Berechtigung haben, vor allem an Nordhängen.“ Grundsätzlich sei aber das Ziel, die Bestände zu mischen. So pflanze man bereits die Fichten in Kombination mit Douglasien und Lärchen. „Auch ein Mischen mit Laubbäumen kann sinnvoll sein. Wenn andere Bäume im Bestand stehen, hat es der Käfer schwerer.“

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