Kaufangebot für alte Jugendherberge

Der Rönsahler Horst Becker möchte die alte Jugendherberge in Kierspe-Dorf gerne erhalten und hat jetzt ein Kaufangebot abgegeben und dabei sogar beim Preis noch etwas draufgelegt.

KIERSPE ▪ Ewigkeiten hat die Stadt vergeblich probiert, einen Käufer für die Immobilie an der Höherstraße zu finden, um so wenigstens die alte Jugendherberge zu retten, nachdem die TVK-Turnhalle schon abgerissen werden musste, weil die Statikerin des Märkischen Kreises deren Standsicherheit als gefährdet eingestuft hatte. Und jetzt gibt es praktisch in letzter Minute tatsächlich doch noch einen Interessenten, der ein konkretes Angebot unterbreitet hat.

Zunächst schien alles aussichtslos zu sein, nachdem der erste potenzielle Käufer absprang. Die Lage direkt an einer Wohnsammelstraße und an einem Kindergarten ist nicht besonders attraktiv, ein Abriss des Gebäudes teuer und eine Renovierung noch kostspieliger. Hinzu kommt die bislang ungeklärte Frage noch im Erdreich versteckter Fundamente. Und dabei hat das Gebäude mit dem Bruchsteinsockel Charakter, ja, geradezu Charme. Und auch andere Details wie die Holztreppe im Inneren, ein großes Rundfenster oder die Fachwerkmittellafette in der Dachkonstruktion zeugen von der handwerklich aufwändigen und soliden Arbeit im Jahr 1920, als es errichtet wurde. Vor diesem Hintergrund, und weil auch in den vergangenen Jahren viel Geld in neue Fenster, ein neues Dach und in die Heizungsanlage investiert wurde, hat sich Horst Becker entschlossen, es vor dem Abbruch zu bewahren und zusammen mit seiner Baufirma zu erwerben, instandzusetzen und dann einer neuen Nutzung zuzuführen. „Das Gebäude abzureißen, wäre wirklich gleichzusetzen mit Geldverbrennung“, stellt er fest.

Laut Bodenrichtwertkarte werden 110 Euro pro Quadratmeter für diesen Bereich angegeben. Da Becker nur einen Teil der Fläche erwerben möchte, um der Stadt zur Straße hin einen Parkstreifen zu lassen und zugleich den öffentlichen Weg durch die kleine Kastanienallee zu erhalten, geht es nur um eine Fläche von 600 Quadratmeters, woraus sich ein Grundstückswert von 66 000 Euro ableitet. Allgemein sind davon dann noch die Abbruchkosten abzuziehen, die die Kommune mit 27 000 Euro ermittelt hat.

Trotzdem lag dem Hauptausschuss am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung ein Angebot Beckers in Höhe von 50 000 Euro vor, das also um 11 000 Euro höher lag. Aber die Mehrheit des Gremiums votierte für einen Verkauf ohne Berücksichtigung der Abrisskosten. Nur zwei Mitglieder erkannten die einmalige Chance, ein Stück Alt-Kierspe zu erhalten, und plädierten dafür, die Offerte anzunehmen. Wenn der Rat genauso entscheidet, bleibt nur noch der Abriss und für die Stadt entsteht dann womöglich sogar ein wirtschaftlicher Verlust, weil sie diesen selbst finanzieren muss und keinen höheren Quadratmeterpreis erzielen kann.

Aber Horst Becker hofft, dass der Rat letztlich noch dafür sorgt, dass das zwar nicht unter Denkmalschutz stehende historische Gebäude den Kierspern erhalten bleibt. Dabei ist dem Rönsahler mit seinem Engagement für das Dorf manchmal selbst nicht ganz wohl, weil dieses „schon ein großes Risiko“ darstelle: Denn es gibt bereits Frost- und Feuchtigkeitsschäden. Von außen ist im Rahmen der Sanierung eine Wärmedämmung notwendig, die nur mit Folie verhängte Seite, wo früher die Turnhalle angrenzte, muss zugemauert werden, innen ist eine komplette Entkernung erforderlich und der nicht unterkellerte Boden muss ebenfalls gedämmt werden. Außerdem will Becker den neueren Anbau zum Kindergarten hin abreißen, um wieder den ursprünglichen Bauzustand herzustellen. Das alles macht das Vorhaben schwierig kalkulierbar. Trotzdem Becker hat seine Liebe für das Haus und dessen Einzelheiten entdeckt und möchte es erhalten.

Zur möglichen künftigen Nutzung kann er sich im Untergeschoss auch weiterhin soziale Zwecke vorstellen, oben müsse aber eine nach modernsten Energie- und Wohnstandards konzipierte Wohnung mit einem „vernünftigen Grundriss“ entstehen. Alternativ wäre an dieser Stelle genauso ein typisches Mehrgenerationenhaus denkbar. Ideen hat Horst Becker genug.

Rolf Haase

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