Mit moderner Technik gegen die Gefahren des Alters

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Sieht aus wie Gymnastik, ist aber Teil einer Studie zur Sturz-Prävention.

Kierspe - In „Lilias Heimathaus“ ist Bewegung angesagt. Die Bewohner der Senioren-Wohngemeinschaft am Hammerkamp haben sich im Wohnzimmer um den Fernseher versammelt. Dort läuft ein Programm der besonderen Art, genannt Sturz-Prophylaxe.

Mitgebracht hat es David Unbehaun, studentischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und neue Medien der Universität Siegen.

Unbehaun forscht für seine Master-Arbeit über die Möglichkeiten technischer Mobilitäts-Assistenten für Betroffene von Demenz. Die Senioren sehen auf dem Fernseher eine Parklandschaft, auf der sich eine Figur bewegt. Die Bewegungen aber produzieren sie selber. Denn während sie die Arme strecken und auf der Stelle laufen, werden sie von einer 3D-Tiefenkamera gefilmt. Die aufgezeichneten Bewegungen werden mit Hilfe einer Software mit dem Standbild verknüpft und auf den Bildschirm projiziert. Am Ende kommt der Hinweis, dass die Probanden gerade virtuell 120 Meter zurückgelegt haben.

Für alte Menschen im allgemeinen und Demenzpatienten im Besonderen sind körperliche Aktivitäten wichtig. „Sie erhöhen die Koordinationsfähigkeit und reduzieren die Sturzgefahr“, erläuterte Manuela Bischoping, Pflegedienstleiterin im Heimathaus. Kurz gesagt: Bewegung stärkt nicht nur die Lebensqualität der Senioren und erleichtert pflegenden Angehörigen das Leben, sondern senkt auch Kosten für die Krankenkassen.

David Unbehaun ist inzwischen an einem Folgeprojekt seines Lehrstuhls beteiligt und untersucht unterschiedliche Übungssituationen im ambulanten und stationären Bereich. Dabei spielen vor allem die Beweggründe der beteiligten Senioren eine entscheidende Rolle.

Die Erinnerungen der alten Menschen sind wichtig, soziale Kontakte während der Übungen und nicht zuletzt die Gruppendynamik, die dabei entsteht. Sämtliche Informationen werden zu detaillierten „Design cases“ verarbeitet, mit deren Hilfe der technische Assistent verbessert werden soll. Das Präventionsprogramm ist als Ergänzung gedacht, den Kontakt von Mensch zu Mensch kann es nicht ersetzen. Das wird auch bei den Übungen in der Wohngemeinschaft am Hammerkamp deutlich. Bewohner und Student kennen sich schon von früheren Treffen, zehn bis 14 Mal kommt Unbehaun jeweils in eine Einrichtung und trainiert mit den Bewohnern. Die Initiative zu seinem Einsatz in der Wohngemeinschaft von Inhaberin Lilia Scholochow ging vom Heimathaus aus. Die Einrichtung war interessiert am Einsatz neuer Techniken und hatte sich deshalb um eine Teilnahme am Forschungsprojekt beworben.

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