Strickgruppe unterstützt Projekte des Heimatvereins

Im Fritz-Linde-Museum hat die Gruppe ein Ausweichquartier gefunden. Hier treffen sie sich bis zur abgeschlossenen Renovierung des Alten Amtshauses.

KIERSPE - Es geht gemütlich zu im Ausstellungsraum des Fritz-Linde-Museums. Sieben Frauen sitzen an dem langen Tisch, trinken Tee, essen Waffeln, unterhalten sich und stricken dabei. Die Atmosphäre atmet den Charme früherer Jahrzehnte, in denen kein „Frauenkränzchen“ ohne den obligatorischen Strickstrumpf stattfand.

Von Birgitta Negel-Täuber

Die Zeiten, in denen das Stricken zur alltäglichen Frauenarbeit gehörte, sind lange vorbei. Im Zeichen von Socken im Mehrfachpack, die man für kleines Geld beim Discounter kauft und beim ersten Loch wegwirft, hat das Stricken von Strümpfen etwas hoffnungslos Antiquiertes. Und trotzdem: Es gibt kaum jemanden, der nicht selbstgestrickte Socken im Schrank hätte, sich über ein neues Paar freut und sorgfältig mit ihnen umgeht, denn wenn man die Devise „Zeit ist Geld“ zugrunde legt, sind die Selbstgestrickten richtig wertvoll. Vierzehn Stunden strickt eine versierte Strickerin an einem Paar Socken. Kommen aufwändige Muster hinzu, verlängert sich diese Zeit mitunter erheblich.

Keine Scheu vor Herausforderungen

Die Frauen vom Heimatverein sind sich dessen wohl bewusst, verkaufen ihre Produkte aber trotzdem zu vergleichsweise geringen Preisen. Gut die Hälfte des Verkaufspreises sind Materialkosten, die andere Hälfte ist der „Lohn“ der Strickerinnen und fließt in die Projekte des Heimatvereins. Marianne Werner hatte einmal ihren Stundenlohn ausgerechnet – sie kam auf 50 Cent pro Stunde. Das Stricken macht den Frauen Spaß, sonst würden sie es nicht tun, versichern sie einstimmig. Dabei scheuen sie auch nicht vor Herausforderungen zurück. Eine Aktion, von der sie heute noch gerne sprechen, sind die "Ländersocken". Im Rahmen von "Kulturen pur" hatten sie im Rathaus eine Ausstellung zum Thema "Handarbeiten aus aller Welt" organisiert und dafür 30 bis 40 Paar Socken mit landestypischen Mustern gestrickt. Aus diesem Fundus sind nur noch wenige Paare vorhanden, alle anderen haben sie nach und nach auf den Advents- und Weihnachtsmärkten verkauft.

Zweimal im Monat, jeweils dienstagabends, trifft sich die Gruppe, wobei gemütliches Beisammensein und Austausch von Informationen Hand in Hand gehen. Welches Garn ist für das jeweilige Projekt am besten geeignet? Wo kann man günstig einkaufen? Welche Märkte finden in der Umgebung statt und welche Arbeiten liegen im Heimatverein an? Beim letzten Treffen vor Weihnachten wird das Verkaufsergebnis des Weihnachtsmarktes an der Margarethenkirche diskutiert. Die Frauen sind zufrieden, allerdings wurden ihre Erzeugnisse sehr unterschiedlich nachgefragt. Socken gehen immer, Stulpen sind der Renner und bringen etwas mehr Geld, weil man bei ihnen gut Reste verwerten kann. Garnituren, bestehend aus Mütze, Schal und Stulpen, sind ebenfalls beliebt, dagegen waren die Babyschühchen diesmal ein Flop. Ob es am demografischen Wandel liegt?

Wissen wird gern weitergegeben

Ihren Gruppenraum haben die Frauen im Alten Amtshaus. Nach dem Brand haben sie im Fritz-Linde-Museum ein Ausweichquartier gefunden, wollen aber nach abgeschlossener Renovierung wieder zurück in ihr „Stammlokal“.

Das Stricken ist nur ein Teil der Arbeit der Frauen. Damit allerdings finanzieren sie Anschaffungen, für die sonst kein Geld da wäre. Sei es eine neue Knetmaschine für die Rhadermühle oder Zuschüsse für den Schleiper Hammer, die Frauen stricken und verkaufen unermüdlich und geben gelegentlich ihr Wissen auch an andere weiter. Das wird gerne nachgefragt, zumindest das Projekt „Häkeln, Stricken, Sticken“ im Rahmen der Ferienspiele war ausgebucht. Wer gerne strickt oder eventuell eingerostetes Wissen wieder auffrischen möchte, ist bei der Strickgruppe willkommen. „Und wer sich anderweitig betätigen möchte, findet beim Heimatverein ein vielseitiges Betätigungsfeld“, fügt Karin Derksen augenzwinkernd hinzu.

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