Eigentümer und Politiker widersprechen den Plänen des Landschaftsverbands

Streit um alte Kirche

Die ehemalige Kirche St. Engelbert soll unter Schutz gestellt werden – so sieht es zumindest ein Gutachten vor. Eigentümer und viele Kiersper Politiker widersprechen diesem Ansinnen.
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Die ehemalige Kirche St. Engelbert soll unter Schutz gestellt werden – so sieht es zumindest ein Gutachten vor. Eigentümer und viele Kiersper Politiker widersprechen diesem Ansinnen.

Der Punkt, der die größten Emotionen und die meisten Redebeiträge auslöste, stand zu Beginn der Ratssitzung gar nicht auf der Tagesordnung des öffentlichen Teils. Vielmehr wollte die Verwaltung über den Stand der Unterschutzstellung der ehemaligen katholischen Kirche St. Engelbert im nichtöffentlichen Teil berichten.

Kierspe - Das wollten zuerst Peter Christian Schröder (FWG) und danach auch die anderen Fraktionen so nicht hinnehmen, vor allem deshalb nicht, weil auch der Eigentümer des Gebäudes im Ratssaal saß und auf Unterstützung durch die Politik hoffte. Denn von einem Denkmalschutz für sein neun Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg errichtetes Gebäude wollte und will er nichts wissen.

Letztlich entschieden die Ratsmitglieder mit nur einer Gegenstimme für die Aufnahme des Tagesordnungspunkts in den öffentlichen Teil. Die Verwaltung hatte dafür keine Veranlassung gesehen, da eine Unterschutzstellung durch die Denkmalbehörde auch dann angeordnet werden kann, wenn der Rat dem widersprochen hat. So ist es vor einigen Jahren bei der Villa Wirth geschehen. Ein Vorgang, der auch den Ratsmitgliedern noch gut in Erinnerung war.

„Wir haben noch niemanden in Kierspe getroffen, der eine Unterschutzstellung der ehemaligen Kirche St. Engelbert als sinnvoll erachtet hätte“, formulierte Schröder, der darauf hinwies, dass rund dreiviertel aller Kirchen nach dem Krieg gebaut worden seien. Holger Scheel (CDU) sah zwar auch keine Notwenigkeit der Maßnahme, vor allem, wenn der Eigentümer dem widerspreche, sagte aber auch, dass eine Entscheidung des Rates sinnlos sei, wenn sich die Denkmalbehörde, die beim Landschaftsverband (LWL) angesiedelt ist, darüber hinwegsetzen würde.

Armin Jung (FDP) sah aber die Politik in der Pflicht, um dem Eigentümer beizustehen. „Wir sollten so einen Blödsinn nicht mitmachen“, sagte der FDP-Politiker über das Vorhaben des LWL.

„Ich lehne aufgrund von Erfahrungen in meiner Familie eine Unterschutzstellung absolut ab. Außerdem wurde für das Gutachten, auf das sich der LWL stützt, unsauber recherchiert. Weder hat der Architekt eine herausragende Bedeutung, noch ist irgendetwas im Inneren der Kirche erhalten, was auf die ehemalige Nutzung verweist“, sagte Marc Voswinkel (SPD). So sahen das letztlich auch die anderen Fraktionen. Und Holger Scheel merkte noch scherzhaft an, dass man aufpassen müsse, dass nicht auch noch das marode Hotel zur Leye unter Schutz gestellt würde.

Dorette Vormann Berg, die als Leiterin des Sachgebiets Allgemeine Verwaltung für den Ablauf des Verfahrens bei der Verwaltung zuständig ist, stellte klar, dass der Eigentümer keinen Willen zum Gespräch gezeigt habe. „Er hätte widersprechen können. Wir konnten aber nicht einmal einen Ortstermin vereinbaren, obwohl der Landschaftsverband mehrere Terminvorschläge angeboten hatte. Mir ist daher auch nichts bekannt, was gegen das Gutachten spricht. Außerdem hat der Eigentümer auch immer noch die Möglichkeit, gegen die Entscheidung zu klagen.“

Dem widersprach der Eigentümer, für dessen Wortmeldung die Sitzung unterbrochen werden musste: „Als sich die Kirche von dem Gebäude trennen wollte, stand sogar ein Abriss zur Diskussion. Und jetzt soll es unter Denkmalschutz gestellt werden. Außerdem habe ich dem Gutachten widersprochen und auch einen Ortstermin angeboten, allerdings erst dann, wenn mir auch alle Unterlagen zur Verfügung gestellt werden.“ Das wiederum wollte Vormann-Berg so nicht stehen lassen: „Wir haben alle Unterlagen, in deren Besitz wir sind, offengelegt. Wir haben Ihnen auch ans Herz gelegt, einen Termin zu vereinbaren. Dann wäre der LWL ja vielleicht auch zu einer anderen Entscheidung gekommen.“

Letztlich war es Clemens Wieland (UWG), der mit einem Vorschlag die Diskussion, die immer mehr zu einem Schlagabtausch wurde, beendete: „Wir sollten uns des Themas in einer interfraktionellen Runde annehmen und den Eigentürmer dazu einladen.“ Bürgermeister Olaf Stelse ergänzte, dass man dazu dann auch den Gutachter einladen könne, um sich dann bei einem Ortstermin ein Bild von dem Gebäude zu machen. Diese beiden Vorschläge mündeten in einem Beschluss, dem der Rat zustimmte.

Ehrengabe

„Christel Erlhöfer und ihr Tanzteeteam haben sich um das Wohl und Ansehen unserer Stadt verdient gemacht“, begründete Bürgermeister Olaf Stelse die Verleihung der Ehrengabe im Rahmen der Ratssitzung. Zuvor hatte sich das Team, von dem an diesem Abend neben Erlhöfer auch Ilka Krause, Heidi Reppel und Gundula Feddersen anwesend waren, in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. Unter dem lang anhaltenden Applaus beendeten die vier Damen ihren kurzen Auftritt – schwer bepackt mit Urkunde, Ehrengabe, Blumen und mehreren Flaschen Sekt.

Bürgermeister Olaf Stelse überreichte Christel Erlhöfer die zur Ehrengabe gehörende Urkunde.

Vorstellung

Gleich zwei neue Gesichter präsentierten sich gestern den Ratsmitgliedern. Denn mit Silja Hohmann gibt es eine neue Klimamanagerin (die von der MZ bereits vorgestellt wurde) und mit Lars Feltens zukünftig einen neuen Leiter des Sachgebiets Planen und Bauen (eine Vorstellung von Feltens erfolgt in den kommenden Tagen).

Silja Hohmann stellte kurz ihre Schwerpunkte – Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung und Projektbegleitung – vor. Derzeit, so berichtete sie, sei sie mit dem Treibhausmonitoring für die kommunalen Gebäude beschäftigt, habe aber auch die Homepage der Stadt erweitert und in diesem Zusammenhang ein Dokument eingestellt, mit dem sich Bürger beteiligen können.

Im Anschluss bekam Hohmann auch gleich einen Arbeitsauftrag vom Rat. Sie soll auflisten, welche Ladestationen für Elektrofahrzeuge vorhanden sind und nach Wegen suchen, weitere Lademöglichkeiten zu schaffen. Dieser Auftrag geht auf einen Antrag der SPD zurück, der eigentlich im Ausschuss für Umwelt und Bauen gelandet wäre. Nun ist es eine Arbeitsanweisung an die neue Klimaschutzmanagerin.

Auch Lars Feltens stellte sich kurz vor. Der Kiersper hat vor Jahren Architektur studiert und danach vor allem in Verwaltungen gearbeitet. Vor mehr als einem Jahr nahm er nach Jahren im Rheinland eine Tätigkeit im Bauaufsichtsamt in Lüdenscheid an. Nun arbeitet er in Kierspe und wird die Aufgaben von Rainer Schürmann übernehmen, wenn dieser im kommenden Jahr in den Ruhestand geht.

Gerätehaus

Beschlossen wurde auch der Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses in Vollme – unter der Voraussetzung, dass diese Baumaßnahme vom Land gefördert wird.

Auf Antrag aller Fraktionen wird die Planung und der Bau des neuen Gebäudes, das am Herlinghauser Weg entstehen soll, von einer Lenkungsgruppe, die aus Politikern und Fachleuten bestehen soll, begleitet.

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