Zitternd vor Gericht erschienen

Kierspe/Meinerzhagen - Als sein Geschäft offenbar noch lief, erwarb ein inzwischen verzogener Kiersper unter Eigentumsvorbehalt einen Gabelstapler. Nach 36 Raten zu je 278,46 Euro sollte das Gefährt dem 55-Jährigen gehören. Nach fünf Raten stellte der Mann die Zahlungen jedoch ein.

Trotz mehrfacher Aufforderung der Firma, in deren Eigentum sich der Stapler noch befand, brachte der Kiersper das Fahrzeug nicht dorthin zurück. Stattdessen stellte er den Stapler in einer Halle in Iserlohn unter. Dort soll der Vermieter das Fahrzeug einfach für sich genutzt und es fortgeschafft haben.

Als Konsequenz ihres Handelns fand sich das Duo wegen Unterschlagung im Amtsgericht Meinerzhagen wieder. Der 55-jährige Angeklagte wirkte mitgenommen. Er atmete schnell, zitterte und tat sich mit dem Sprechen schwer. Wie sich aus den Akten ergab, leidet er unter Platzangst. Der Richter hakte mehrfach nach, ob sich der Mann in der Lage fühle, der Verhandlung zu folgen. Das bejahte der Angeklagte, der den Prozess hinter sich bringen und mit der ganzen Sache abschließen wollte.

Bezüglich der Tatvorwürfe gab er an, alles nicht richtig mitbekommen zu haben. „Ich bin psychisch krank“, erklärte er und legte dem Gericht einen üppigen Stapel Krankenunterlagen vor. Diese bestätigten eine psychische Erkrankung und die Einnahme von Medikamenten, auch zur Tatzeit im Jahr 2013. Zu der Zeit habe er seine Wohnung verloren und sei obdachlos geworden. Briefe mit der Aufforderung, den Stapler zurückzugeben, habe er nicht erhalten. Den Stapler habe er in der Halle in Iserlohn untergebracht, weil er wusste, die Firma würde sich früher oder später melden und das Fahrzeug einfordern.

Die Halle war nicht vom Kiersper selbst, sondern von dessen Bekannten angemietet worden. Der war als Zeuge geladen, erschien aber nicht. Der zweite Angeklagte, der Hallenvermieter, verstrickte sich bei seiner Aussage in Widersprüchen. Er habe die Halle räumen müssen. Auch der Stapler habe raus gemusst.

Mal gab der 56-Jährige an, geglaubt zu haben, der Mieter sei Eigentümer des Staplers gewesen, womit ihm ein Vermieterpfandrecht zugestanden hätte. Dann erklärte er plötzlich, das Fahrzeug habe nicht dem Mieter, sondern dessen Kumpel gehört. Das Verfahren endete schließlich ohne Urteil. Beide Verfahren wurden aufgrund der langen Zeit bis zum Prozess und wegen des Gesundheitszustandes des 55-jährigen Angeklagten eingestellt. Während Letzterer keine Auflagen erfüllen muss, erlegte das Gericht dem Mitangeklagten die Zahlung von 600 Euro auf. Zahlt der 56-Jährige nicht, gibt es ein Wiedersehen im Gericht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare