Wenn sich Paare wegen eines Tannenbaums verkrachen

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Dieter Grafe berät seine Kunden beim Tannenbaumkauf, zieht die Bäume selbst in Netze und hilft bei Bedarf auch dabei, sie ins Auto zu tragen. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, die Tannen noch sorgfältiger zu verpacken, damit sie im Auto keinen Dreck hinterlassen.

Kierspe - Beim Kauf eines Weihnachtsbaums kann es auch mal heftig zugehen. Ehepaare begutachten kritisch Baum für Baum, streiten sich nicht selten bei der Auswahl der richtigen Tanne und versöhnen sich manchmal erst dann wieder, wenn sie sich endlich einigen konnten.

Landwirt Dieter Grafe hat schon viele Kuriositäten in den mehr als 60 Jahren erlebt, in denen er auf seinem Bauernhof in Vornholt zur Weihnachtszeit auch Tannenbäume verkauft. „Vor einigen Jahren geriet ein Ehepaar bei der Auswahl eines Baumes in einen so schlimmen Streit, dass der Gatte dieser äußerst wählerischen Frau plötzlich wutentbrannt zu seinem Auto stampfte, einstieg und Baum sowie Ehefrau auf dem Hof zurücklassen wollte“, erzählt Grafe. „Sie konnte ihn aber gerade noch dazu bringen, sie doch miteinsteigen zu lassen“, fügt er hinzu.

Damit sie nicht zu hoch wachsen und schön breit werden, „beschädigt“ man die Bäume mit einer Zange.

Ein anderes Paar konnte sich vor 15 Jahren überhaupt nicht zwischen zwei Tannenbäumen entscheiden und als der Mann, während Grafe beide Wunschtannen links und rechts von sich festhielt, schließlich völlig verzweifelt seiner Frau die Frage stellte, welchen der beiden Bäume sie denn nun haben wollte, schaute sie mitten durch die Tannen zu Dieter Grafe und sagte: „Ich nehme den in der Mitte.“ „Da war ich natürlich noch jünger“, erklärt Grafe mit einem Schmunzeln.

In den knapp 60 Jahren hat der inzwischen 76-Jährige schon die ein oder andere außergewöhnliche Geschichte erlebt. Hatte doch alles sehr ruhig und klein begonnen: Seine erste Tanne verkaufte er an einen Wuppertaler, der durch Zufall in der Vorweihnachtszeit bei ihm vorbeifuhr und fragte, ob er ihm einen Baum abkaufen könnte. Der damals 15-Jährige nahm das Angebot an und kam dann durch den Vorfall auf die Idee, daraus ein Geschäft zu machen. „Der heute 80-jährige Mann aus Wuppertal kommt seither jedes Jahr wieder vorbei“, freut sich Grafe.

Mehr als 600 Tannenbäume verkauft Grafe pro Saison. Einen großen Teil des Bestandes kauft er im Hochsauerland.

Persönlicher Kontakt zu seinen Kunden ist ihm nämlich sehr wichtig. Viele bleiben nach dem Kauf auch gerne zu einer Tasse Kaffee oder Glühwein am Hof und kommen dabei untereinander ins Gespräch. Die Bäume bei Grafe kosten pro Meter etwa 16 bis 17 Euro. An Heiligabend ist gegen Mittag die letzte Gelegenheit eine Tanne bei ihm zu bekommen. Wenn dann noch Streit aufkommt, hat der 76-Jährige noch ein letztes Ass im Ärmel: „Im äußersten Ernstfall verkaufe ich einen der vier Bäume, die ich eigentlich für meine Familie gewählt habe – die schönsten aus meinem Bestand“, gibt er zu.

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