Juniorwahl an der Gesamtschule

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Der Original-Stimmzettel bildete die Grundlage, doch die Schüler stimmten am Computer ab. So lassen sich die Ergebnisse, die kommende Woche veröffentlicht werden, schneller ermitteln.

Kierspe - „Schüler wählen weniger extrem“, sagt einer, der es wissen muss. Doch ob das in Kierspe auch so ist, werden Schüler, Lehrer und auch die Vertreter der Parteien erst in der kommenden Woche erfahren. Denn erst dann wird die Gesamtschule das Ergebnis der Juniorwahl, die am Mittwoch an der Schule stattfand, veröffentlichen.

Gerald F. Wolff ist Vorstandsmitglied im gemeinnützigen, überparteilichen Verein Kumulus und hat die Juniorwahl in Deutschland 1999 initiiert. Von ihm stammt auch das Eingangszitat. Er ist es auch, der festgestellt hat, dass die intensive Beschäftigung mit dem Thema in der Schule dazu führt, dass dadurch die Zahl der Wähler steigt – bei den Eltern der Schüler (nachzulesen in einem Interview auf spiegel-online.de).

„Die Schulleitung suchte nach Möglichkeiten, in Zeiten, in denen die populistischen Parteien Zuspruch haben und Europa gefährdet ist, die Schüler wieder mehr für politische Themen zu interessieren“, erzählt Lehrer Jan Przybyla. Er habe dann die Junior-Wahl der Landeszentrale für politische Bildung vorgeschlagen. „Das haben wir vor fünf Jahren bereits einmal gemacht.“ Am Mittwoch waren es die Schüler des neunten und zehnten Jahrgangs, die sich an der Simulation der Landtagswahl beteiligten. In den vergangenen Wochen haben diese sich im Gesellschaftslehre-Unterricht mit dem Thema beschäftigt, haben den Wahl-O-Maten genutzt und die Wahlprogramme der Parteien gelesen. Am Mittwoch durfte dann das Kreuzchen gemacht werden – allerdings nicht auf dem Originalstimmzettel, sondern am Computer, dem allerdings der echte Wahlzettel für den Bezirk, in dem die Schule steht, zugrunde liegt.

Organisiert wurde die Wahl vor Ort letztlich von Mitgliedern der Schülervertretung. So waren dann auch Torben Kukkel und Justus Engstfeld von diesem Gremium mit im Computerraum – quasi als Wahlleiter.

Sie gaben auch die Karten aus, mit denen sich die Schüler in den Wahlkabinen einloggen konnten. „Wir wollen die Wichtigkeit von Wahlen betonen und die Schüler an ihre erste Wahl in einigen Jahren heranführen“, sagt Przybyla. Doch in einem Punkt unterscheidet sich die Wahl in der Schule deutlich von der am kommenden Sonntag. Die Wahlbeteiligung ist sehr hoch. Zum einen liegt das sicher auch daran, dass die Schüler klassenweise in den Raum geführt werden. Dort haben sie zwar die Möglichkeit, nicht zu wählen oder auch den Stimmzettel ungültig zu machen, doch das werden wohl die wenigsten machen. „Im Unterricht werden die Themen Wahlen und Demokratie behandelt und am Ende steht keine Klassenarbeit, sondern ein Wahlakt. Wer das Thema vier bis acht Stunden behandelt hat, will dann auch sein Kreuzchen machen“, so begründet Gerald F. Wolff dieses abweichende Ergebnis in dem Spiegel-Interview.

Abweichend ist bei der Junior-Wahl auch, dass alle Schüler wählen dürfen – unabhängig ihrer Nationalität. Anders würde es wohl auch nicht dem Selbstverständnis der Schule entsprechen. Klar ist bereits jetzt schon, dass auch bei der Bundestagswahl im Herbst eine Simulation in der Gesamtschule stattfindet – dann werden jedoch die Schüler der Oberstufe an die „Wahlurnen“ gerufen.

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