Kiersper Grüne äußern scharfe Kritik an B54n

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Den Kiersper Grünen ist die Nordumgehung, die ab der Anschlussstelle zur B 54 (im Bild links) östlich des Hammerkamps durch Wälder und Wiesen bis nach Berkenbaum führen soll, seit Jahren ein Dorn im Auge.

Kierspe - Mit einem Mehrheitsentscheid durch CDU/CSU und SPD gab der deutsche Bundestag Anfang Dezember „grünes Licht“ für den Bundesverkehrswegeplan 2030 und damit auch für den Bau des sogenannten Lausebergaufstiegs in Kierspe und den Ausbau der A 45.

Zu diesem Beschluss nehmen die Kiersper Grünen nun Stellung. Seit dem 2. Dezember ist es amtlich: Die 3,7 Kilometer lange Kiersper Nordumgehung wird sich, so der Stand der Vorplanung, durchs Volmetal schlängeln, am Lauseberg vorbei, entlang der östlichen Grenzen von Kierspe-Dorf, entweder bis zum Hedberg oder bis zum Handweiser zur Abzweigung nach Berkenbaum. Kosten soll das Projekt rund 28,9 Millionen Euro.

In einem offiziellen Schreiben stellen die Grünen klar, dass sie seit über 20 Jahren gemeinsam mit einer damaligen Bürgerinitiative und bis heute gegen dieses „teure Straßenprojekt“ seien. Ihre Haltung begründen sie detailliert. „Mit der geplanten Nordumgehung werden zahlreiche Hektar Natur- und Landwirtschaftsflächen unwiederbringlich versiegelt und damit verbraucht“, heißt es seitens der Partei.

Zudem werden der Bevölkerung die Naherholungsgebiete durchschnitten; in den Bereich Lauseberg/Rauzerbachtal und dem Thingslinderaum bis zum Fritz-Linde-Stein. Zudem thematisieren die Grünen mögliche Folgekosten für die Kommune. Der Bund werde zwar die Baukosten der Umgehungsstraße übernehmen, doch die Stadt Kierspe werde danach wohl zahlreiche Straßenanschlüsse finanzieren müssen. Aufgezählt werden das Wohngebiet Östlich Rathaus sowie die Bereiche Bordinghausen/Bachstraße und Hohenholten/Thingslinde.

Die Grünen rechnen mit einer siebenstelligen Euro-Summe, die die Stadtkasse zu den über 40 Millionen Euro städtischer Schulden zusätzlich belastet. Desweiteren wird angeführt, dass die meisten Projekte des Bundesverkehrswegeplanes nach Nordrhein-Westfalen gehen. Doch die personellen Planungskapazitäten des Landesbetriebes Straßen.NRW seien jetzt schon praktisch erschöpft.

„Wie sollen demnach bis 2030 die vielseitigen Investitionen in Straßen, Schienen- und Wasserwege geplant und umgesetzt werden?“, fragen die heimischen Politiker, die die zukünftigen Aufgaben im Zuge des Beschlusses genau kennen: „Da stehen umfangreiche Bauleitplanungen mit Trassenführungen, Planfeststellungsverfahren mit eventuellen Grundstücksenteignungen von Privatbesitzern sowie Gutachten für die lokale Geologie, den Lärmschutz und die Umweltverträglichkeitsprüfung.“

Die Grünen stellen in ihren Ausführungen fest, dass die bisherigen Kiersper Verkehrsgutachten deutlich machen, dass weit mehr als die Hälfte aller Autofahrten als Ziel- und Quellverkehr hausgemacht seien. Allerdings hätten bisher noch keine belastbaren Zahlen genannt werden können, wie viel Schwerlastverkehr durch eine Umgehungsstraße an Kierspe-Dorf, Mitte und Bahnhof vorbei fließen würde.

Den Gewinn durch den Bau einer solchen Umgehungsstraße stellen die Grünen grundsätzlich in Frage, wie aus ihrem Schreiben zu entnehmen ist. Darin heißt es: „In nächster Zeit sollen bekanntlich auch alle Bundesstraßen mautpflichtig für Lastkraftwagen werden. Dann lohnt es kaum noch, aus den Wirtschaftsräumen Solingen, Remscheid, Wuppertal wie bisher kostenlos die Abkürzung über die umgewandelte Bundesstraße B 54n entlang von Halver, Kierspe und Meinerzhagen zu nehmen, sondern gleich die vorhandenen Autobahnen.“

Durch den Bau des Lausebergaufstiegs und damit durch die Verringerung des Durchgangsverkehrs im Stadtzentrum sehen die Grünen einen drohenden finanziellen Schaden für die Bäckereien, Metzgereien, Eisdielen, Blumenläden, Apotheken oder auch Supermärkte an der Kölner- und Friedrich-Ebert-Straße. Generell seien die Grünen für die Großprojekte im Bundesverkehrswegeplan im Rhein-Ruhr-Gebiet.

Vor allem würden sie die Reduzierung der Verkehrsstau-Kilometer als Beitrag zu Klima- und Ressourcenschutz unterstützen. „Selbstverständlich müssen auch Milliarden Euro ausgegeben werden für Hunderte von maroden Brücken. Die hauptsächlich durch den Lkw-Verkehr verursachten Straßenschäden müssen nachhaltig durch die Forderung nach mehr Gütern auf die Schiene vor allem zur Entlastung der Bundesautobahnen reduziert werden.“ Durch eine zunehmende Elektrifizierung der Straßenfahrzeuge werde auch der Verkehrslärm verringert werden, so dass aus diesem Grunde teure Umgehungsstraßen weniger notwendig seien.

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