gwk steigert Umsatz um ein Drittel

Die gwk-Geschäftsführer Patrick Zeppenfeld und Helmut Gries, hier in der Fertigung, informieren über die positive Entwicklung des größten Kiersper Unternehmens. ▪

KIERSPE ▪ Was die Zukunftsperspektiven angeht, paart sich bei der Gesellschaft Wärme-Kältetechnik (gwk) als Kierspes größtem Arbeitgeber Optimismus hinsichtlich der erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens mit Skepsis aufgrund des mittlerweile aus allen Nähten platzenden Gebäudekomplexes und Geländes am Standort entlang der Friedrich-Ebert-Straße.

Das machten gestern die Geschäftsführer Patrick Zeppenfeld und Helmut Gries deutlich, als sie die über die Entwicklung im vergangenen Jahr informierten und zugleich einen Ausblick in die Zukunft wagten.

gwk engagiert sich weltweit als Premiumanbieter im Bereich der Werkzeugtechnik, Temperier- und Kältetechnik, im Anlagenbau und als fünftem Hauptstandbein der Wassertechnik. Schwerpunkt des Betriebs sind Investitionsgüter für die Industrie und hier an den speziellen Bedürfnissen ausgerichtete kundenspezifische Lösungen. 2011 konnte eine Umsatzsteigerung von 35 Prozent verzeichnet werden. Das Auftragsvolumen von gwk hat mittlerweile die 50-Millionen-Euro-Grenze überschritten, gegenüber 2005 hat es sich verdoppelt und gegenüber 1997 sogar verdreifacht. „1994, als ich dazu stieß, lag das Auftragsvolumen noch bei 27 Millionen Mark“, sagt Gries. Damals habe es 170 Mitarbeiter gegeben, heute seien es 360 Beschäftigte.

70 Prozent der Produktion geht in den Export, vor allem nach China und auch nach Russland als zweitwichtigstem Wachstumsland für gwk. Seit vielen Jahren wird expandiert. Die Krise 2009 konnte ohne Entlassungen überstanden werden, weil der Betrieb weitgehend krisenfest aufgestellt ist, indem eine große Branchenbandbreite abgedeckt wird.

gwk setzt auf die Ausbildung eigener Fachkräfte und beschäftigt über 40 Lehrlinge in 16 verschiedenen Berufsbildern. Kooperationen mit weiterführenden Schulen wie der Gesamtschule und dem Gymnasium Meinerzhagen werden seit Jahren gepflegt und auch mit der Märkischen Fachhochschule gibt es eine Zusammenarbeit. Als gutes Zeichen für den Job bei gwk werten Zeppenfeld und Gries, dass viele, die das Unternehmen aus unterschiedlichsten Gründen verlassen, irgendwann hinterher wiederkommen. Möglich sind berufsbegleitende Studien und dies wird auch genutzt. Trotzdem müssen besonders Ingenieure von weiter weg angeworben werden.

„Überall sind heute Kunststoffteile verbaut, Kunststoff ist weiterhin ein stetig wachsender Bereich. Glas und Metall werden, wo es möglich und sinnvoll erscheint, durch Kunststoffe und mittlerweile Leichtbaustoffe wie Glasfasermaterialien, die lange nur in der Raumfahrt und im Flugzeugbau Verwendung fanden, ersetzt. Die Belastbarkeit, gerade auch die thermische, wird immer höher“, sehen die gwk-Chefs im Grunde beste Aussichten für den Betrieb.

Fast in allen Autos, Porsche, Mercedes Benz, BMW oder auch VW und vielen anderen, steckten heute Kunststoffteile, zu deren Herstellung Werkzeuge und Anlagen aus Kierspe zum Einsatz kämen. Als Beispiel nennen sie unter anderem die moderne LED-Scheinwerfertechnik oder auch Klavierlack- und Nanostrukturoberflächen. Ähnlich gelte das für zahlreiche andere Gegenstände, ob Haushaltsgeräte, Computer oder auch im Bereich der Zukunfstechnologien wie Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien wie Sonnenkollektoren und Windkraftanlagen. „80 Prozent unserer Anwendungen beziehen sich auf Kunststoff und 20 Prozent auf andere Technologien wie chemische Verfahren, Metall und Lebensmittelverarbeitung. Selbst die Prüftechnologie gehört dazu, so bei Abgasmessungen, wo gleichmäßige Temperaturen unerlässlich sind“, betonen die gwk-Chefs. Bosch und die BASF gehören genauso zum Kundenstamm und auch Krones mit seinen Getränkeabfüllanlagen, die unter anderem bei Coca-Cola zum Einsatz kommen.

„Sorgen könnte allenfalls die Entwicklung der Weltwirtschaft, des Euroraums und Deutschlands machen“, schränken die zwei ihren positiven Blick in die Zukunft nun doch etwas vorsichtiger ein – und zudem die Situation am Firmensitz. Mittlerweile geben sich bei gwk Designer und Entwickler praktisch die Türklinke in die Hand, so gefragt sind die Innovationen aus dem Hause. In Kierspe hat sich inzwischen ein kleines Kunststofftechnikum etabliert, das die Branche anlockt.

Aufgrund des ständigen Publikumsverkehrs gilt bei der Unternehmensführung das gewachsene Gebäudeensemble entlang des Straßenzuges, das bis auf das neuere Eingangsgebäude alles andere als repräsentativ wirkt, als nicht mehr zeitgemäß. Auch dies spricht für einen Umbau, Erweiterungsbau oder vielleicht doch eher einen Neubau, auf den sich die Planungen zurzeit auch eindeutig fokussieren. Vor allem fehlen gwk angesichts des kontinuierlichen und teilweise sogar sehr schnellen Wachstums Erweiterungsmöglichkeiten.

„Wir haben zudem ein Parkproblem , so dass wir für unsere Mitarbeiter schon Flächen auf dem Aldi-Parkplatz anmieten mussten“, informieren Zeppenfeld und Gries, die ergänzen, dass außerdem auf der anderen Straßenseite Teile von der Firma Dolin angemietet wurden für den Bereich Reparaturen und Edelstahlschweißen. Nicht zu vergessen die Schwierigkeiten beim Lieferverkehr auf dem beengten Gelände.

Impulse und sogar Druck kommt zudem von den Anlagenbauern, denn die Lieferzeiten an den Weltmärkten haben sich halbiert von früher drei bis vier Monaten auf inzwischen sechs bis acht Wochen. Deswegen sind Prozessoptimierungen im Unternehmen unerlässlich und werden unter Hochdruck vorangetrieben. „Wir setzen gerade mehr als 30 interne Projekte um, eines davon im CAD-Bereich“, merkt Patrick Zeppenfeld an.

gwk steht bereits länger in intensiven Verhandlungen mit der Stadt über Erweiterungsflächen zwecks eines Neubaus auf der grünen Wiese, denn mit Kompromissen habe man jetzt lange genug gelebt. „Wir sehen uns jedoch auch in anderen Orten in der Umgebung in einem Umkreis von 20 bis 25 Kilometern um“, betonen die beiden Geschäftsführer. Notwendig sei ein Grundstück in einer Größenordnung, die langfristig auf etwa 30 Jahre Erweiterungsmöglichkeiten sichere. Hier sprechen die zwei von 60000 Quadratmetern, was verständlich wird, wenn man weiß, dass das derzeitige Firmengrundstück bereits eine Fläche von 25000 Quadratmetern hat. Der Standort Kierspe stellt keine heilige Kuh dar, daran lassen sie keinen Zweifel. Vielmehr gehe es um die langfristige Arbeitsplatzsicherung und Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für die Unternehmensentwicklung. Das interkommunale Gewerbegebiet in Meinerzhagen-Grünewald wird ebenfalls in die Betrachtung mit eingeschlossen. Die unmittelbare Autobahnnähe wäre interessant für die Logistik.

Wenn die boomende Entwicklung weitergehe wie bislang, dann seien in wenigen Jahren die letzten Reserven ausgereizt. „Wir brauchen jetzt möglichst bald Klarheit“, konstatieren Zeppenfeld und Gries. Letztlich stellt aus ihrer Sicht der derzeitige Standort das größte Zukunftsrisiko dar.

gwk-Mitarbeiter bewegen sich weltweit und dadurch erleben sie natürlich einiges – aber nicht immer nur Angenehmes: Für Helmut Gries wurde es vor fast genau einem Jahr richtig gefährlich, als keine 150 Meter von ihm entfernt auf dem Moskauer Flughafen Domodevo eine Bombe hochging. Kürzlich hat wieder ein Techniker in China festgesessen, weil ein Flugzeug kaputt war. Wenn bei einem Unternehmen Probleme auftreten, garantiert gwk weltweit dafür, dass innerhalb nur eines Tages auch in den entferntesten Regionen in Afrika, Australien, Amerika und Asien der Notdienst kommt. Probleme mit Flugausfällen gibt es trotzdem immer wieder: 2010 wollten Zeppenfeld und Gries nach China, doch gab es wegen des Vulkanausbruchs auf Island keinen Flug. Auch der Versuch, über Bahrain zu fliegen, klappte nicht, so dass die Messe in Shanghai ohne die beiden stattfinden musste. ▪ Rolf Haase

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