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Steigende Preise: Menüpreis ist unkalkulierbar

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Von: Johannes Becker

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Im Haus Berkenbaum machen sich die unkalkulierbaren und ständig steigenden Einkaufspreise bemerkbar. Wer dort feiern möchte, kann mit dem konkreten Menüpreis erst eine Woche vor der Veranstaltung rechnen.
Im Haus Berkenbaum machen sich die unkalkulierbaren und ständig steigenden Einkaufspreise bemerkbar. Wer dort feiern möchte, kann mit dem konkreten Menüpreis erst eine Woche vor der Veranstaltung rechnen. © Becker, Johannes

 Bei den Planungen für Hochzeiten oder Familienfeiern kommen viele – auch finanzielle – Unwägbarkeiten auf die Einladenden zu. Wie es aussieht, in Zukunft sogar noch eine mehr. Denn auch die gastronomischen Betriebe sehen sich kaum noch in der Lage, den Preis fürs Menü über Wochen oder gar Monate im Voraus festzulegen.

Kierspe - „Wir haben gerade erst wieder erlebt, wie schwer es ist, Preise zu kalkulieren. So zahlen wir jetzt für einen bestimmten Fisch, den sich Gäste fürs Menü gewünscht haben, mehr als das zweieinhalbfache des Preises, den wir im März dafür bezahlen mussten“, erzählt Ernst Willi Funke, Chef des Hauses Berkenbaum. Und seine Tochter Christina Gerke ergänzt: „Wir werden die Preise fürs Menü zukünftig maximal eine Woche vor der Feier mitteilen können.“ Sie wisse auch, dass das für viele Feierwillige eine unbefriedigende Lösung sei, „das ist es für uns aber auch, doch es geht nicht anders. Dafür sind die Schwankungen beim Einkauf einfach zu groß.“

„Die Menschen erleben die Situation ja auch bei ihren täglichen Einkäufen, übertragen sie aber oft nicht auf die Gastronomie“, sagt Gerke. Als Beispiele jenseits von Edelfischen nennt sie Kaffee und Speiseöl. So steige der Kaffeepreis im August im Einkauf um 10 Prozent. „Dass es nicht noch mehr wird, liegt an Lieferverträgen. Kunden der Rösterei, die keine Verträge haben, zahlten schon vorher mehr und im August dann noch einmal einen Aufschlag. Und auch das Rapsöl ist derzeit noch gut doppelt so teuer als vor einem Jahr. Das Öl ist zwar mittlerweile wieder in ausreichender Menge vorhanden, aber der Preis ist nicht wieder auf das alte Niveau gesunken“, rechnet Gerke vor. Aber bei machen Produkten sei auch immer noch ein Mangel vorhanden. So sei es in letzter Zeit alles andere als einfach gewesen, Papierservietten in der gewohnten Qualität zu bekommen. Und auch bei den Getränken gebe es Steigerungen, auch dann, wenn die Getränke an sich nicht deutlich teurer würden. „Die Lieferanten berechnen jetzt Lieferpauschalen und Dieselzuschüsse. Manches ist erst mal nur temporär, anderes soll dauerhaft bleiben.“

Trotz all dieser Widrigkeiten sei man bemüht, die Preise auf der Karte nicht allzu oft anzupassen. „Die Preise auf unserer derzeitigen Karte sind seit zwölf Monaten die gleichen. Wie lange das aber noch so bleiben wird, ist unklar“, sagt Funke. Gleiches gelte auch für die Zimmerpreise im Hotel, die seit mittlerweile fünf Jahren nicht mehr angehoben wurden. Gerke: „Aber auch dort gilt, dass alles teurer wird. Das gilt nicht nur fürs Personal, sondern auch für Verbrauchsartikel wie Seife und Papier.“

Wichtig ist der Juniorchefin, dass nicht der Eindruck entstehe, es habe sich bei der Festlegung vor fünf Jahren um Fantasiepreise gehandelt: „Wir kalkulieren einen Preis im Wissen, dass die Marge jedes Jahr durch steigende Kosten abnimmt. Doch den Preissteigerungen, die wir jetzt erleben, können wir auch nur mit Erhöhungen der Rate fürs Zimmer begegnen.“

Letztlich würden die Erhöhungen die Betriebe zur Unzeit treffen, da man gerade erst dabei sei, sich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu erholen – mit weniger Personal, weil dieses nur schwer zu bekommen sei. Grundsätzlich sei die Auslastung im Hotel und Restaurant derzeit „richtig gut“. „Es werden viele Familienfeiern nachgeholt und etliche Paare möchten gerne noch in diesem Sommer heiraten und feiern. Vor allem im Hinblick auf die Situation im Herbst, die derzeit noch niemand voraussehen kann“, sagt Funke. Er selbst schaue auch mit Sorge auf die kommenden Monate – nicht nur im Hinblick auf die Pandemie, sondern auch auf die Energiepreise, bei denen jetzt noch niemand wisse, wo die Reise hingeht. „Nur eines ist klar: Es wird teurer“, ist sich der Hotel- und Restaurantchef sicher.

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