Petra Crone bereitet den Wahlkampf vor

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Die Kiersperin Petra Crone will sich der Herausforderung ein zweites Mal stellen und kandidiert im September erneut für den Bundestag. ▪

KIERSPE ▪ Von Anfang an hat Petra Crone den Job wirklich sehr ernst genommen und sich förmlich in die Arbeit gestürzt. Nur selten übernehmen neue Parlamentarier in Berlin sofort zwei Ausschüsse.

Die heimische Bundestagsabgeordnete gehört so dem Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an. Darüber hinaus ist sie noch Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Konsequent umgesetzt hat die 62-jährige Sozialdemokratin auch ihr Ziel, den Kontakt zu den Menschen ihres Wahlkreises zu halten und daraus Praxiswissen für ihre Tätigkeit im Parlament zu schöpfen. So nahm sie während der vergangenen vier Jahre im südlichen Märkischen Kreis und im Kreis Olpe an ungezählten Veranstaltungen teil und organisierte einige sogar selbst. In diesem Jahr stellt sie sich erneut dem Wählervotum, wenn die nunmehr 17. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages zu Ende geht.

Wenn die Bundeswahl voraussichtlich am 22. September stattfindet – alternativ ist außerdem noch immer der 15. September zusammen mit der Landtagswahl in Bayern im Gespräch – tritt somit im heimischen Wahlkreis auch wieder die Kiersperin an. Im vergangenen Herbst gab es zwei Parteiveranstaltungen, bei denen Petra Crone in Lüdenscheid und in Olpe Rechenschaft über ihre Arbeit abgab. Sie wurde jeweils von den Genossen aufgefordert, noch einmal anzutreten, um ihre Arbeit fortzusetzen. Bei der offiziellen Nominierungsveranstaltung im November in Olpe sprachen sich die Delegierten aus dem Wahlkreis 150 dann einstimmig für ihre Kandidatur aus.

Gerade auch im konservativ geprägten Kreis Olpe hatte es die Volmestädterin besonders als Frau nicht leicht, doch inzwischen schlagen ihr von dort sogar aus dem christdemokratischen Umfeld Anerkennung und Sympathien entgegen, worüber sie sich sehr freut und auch ein bisschen stolz ist, weil das ein Ergebnis ihres großen Engagements und ihrer Leistung ist.

Rückblickend stellt sie fest: „Meine Erinnerung an die Ankunft in Berlin 2009 ist noch sehr präsent. Als ich den Reichstag sah, war das ein ganz besonderer und erhabener Moment. In dem Augenblick spürte ich, dass Volksvertreter eine große Verantwortung übernehmen, der auch ich gerecht werden möchte. Das ist Anspruch und Ansporn bis heute“. Zu ihren Leitgedanken ergänzt sie, dass die politische Tätigkeit ihr die Möglichkeit gebe, auf die Gestaltung des Gemeinwesens Einfluss zu nehmen. „Ich habe mich von Beginn an für ein solidarisches Miteinander in unserer Gesellschaft eingesetzt und für eine lebenswerte und intakte Umwelt stark gemacht“, erinnert sie und ergänzt, dass für sie in der Politik Werte ganz wichtig seien wie unter anderem Familie, Arbeit, Gerechtigkeit oder auch Freiheit. Gerade bei der Gerechtigkeit laufe ihrer Überzeugung nach vieles schief. So könne es nicht sein, dass im Kreis Olpe ein Viertel aller Arbeitsverhältnisse Minijobs seien. Das sei eine ganz gefährliche Entwicklung. Es gelte daher, sich für gute Arbeitsverhältnisse mit Absicherung einzusetzen.

Während der Sitzungswochen ist ihr Terminplan immer voll von morgens bis abends, ob es Bürobesprechungen, Arbeitsgruppen- und Ausschusssitzungen, SPD-Fraktions- und Landesgruppensitzungen oder Plenarsitzungen sind. Freitagsabends steht dann meist noch eine Veranstaltung im Wahlkreis an. Sie selbst hat bisher rund 20 Plenarreden zu den unterschiedlichsten Themen gehalten. Von ihr gingen zahlreiche Initiativen im Bundestag aus, entweder als Fraktionsantrag, kleine Anfragen, Reden , Anhörungen oder auch veröffentlichte Artikel.

Petra Crone hat sich an das Hin und Her zwischen Kierspe und Berlin schnell gewöhnt. Im Zug nutzt sie die Zeit liebend gerne, um zu arbeiten. In Berlin hat sie eine schöne Wohnung und fühlt sich wohl in der Hauptstadt. „Ich habe allerdings schon etwas Zeit gebraucht, um mich in die Themen einzuarbeiten, die Abläufe kennenzulernen und mich auch körperlich auf das immense Arbeitspensum einzustellen“, gesteht sie und fährt fort, dass sie auch ziemlich ausgepowert in die Weihnachtspause gegangen sei. Die Erholung und Ruhe im Familienkreis haben ihr dann gut getan. Trotzdem freue sie sich auf eine weitere Legislaturperiode im Bundestag. Neben den zwei Ausschüssen ist sie im Parlament obendrein Schriftführerin und sitzt als solche an der Seite von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert.

In den Ausschüssen arbeite sie an ihr enorm wichtigen Themen, so Crone: Das fange an mit dem demographischen Wandel, der auch morgen in der Tagungsstätte Haus Nordhelle in Valbert wieder ein Thema sein wird, wenn die Friedrich-Ebert-Stiftung in Kooperation mit dem Arbeitskreis „Demographie – lebenslanges Lernen“ zum Thema „Älterwerden in der Arbeitswelt“ einlädt. Zu Beginn wird die heimische Abgeordnete die Teilnehmer begrüßen, dann gibt es ein einleitendes Referat von Prof. Dr. Gerhard Naegele vom Instituit für Gerontologie an der TU Dortmund. Anschließend wird in Workshops gearbeitet zur altersgerechten Arbeitszeit, zur Bedeutung der Erfahrung für die Gestaltung der Zukunft, zu öffentlich-privaten Partnerschaften sowie zum Ehrenamt. „Es ist bereits die zweite Fachtagung, die wir vom Arbeitskreis, dessen vorrangiges Ziel es ist, die verschiedenen vorhandenen Angebote zu vernetzen, jetzt in der Region organisiert haben“, informiert Petra Crone. Dies stellt wieder ein gutes Beispiel dar für ihre Aktivitäten im Wahlkreis und ihr Bestreben, die Bundespolitik zur Basis zu transportieren.

„Der demographische Wandel erzeugt Handlungsdruck – jetzt und in den kommenden Jahrzehnten“, konstatiert die Bundestagsabgeordnete. Die Frage nach der Absicherung der sogenannten Lebensrisiken wie Armut, Krankheit und Pflegebedürftigkeit bedürfe in einer Gesellschaft des längeren Lebens zeitgemäßer und solidarischer Antworten. Von der SPD gebe es diese bereits in Form der Bürgerversicherung und der Arbeitsversicherung.

Neben dem demographischen Wandel kennzeichnet sie als weiteres aus ihrer Sicht ganz bedeutsames Arbeitsfeld die Seniorenpolitik und die Pflege. Sie macht deutlich, wie wichtig eine Reform des Pflegedienstes wäre, damit diese Arbeitsplätze wieder attraktiv hinsichtlich gesellschaftliche Wertschätzung, Entlohnung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Arbeitsplatzgestaltung und Ausbau des betrieblichen Gesundheitsmanagements werden. Denn schon jetzt sei ein Fachkräftemangel in diesem Bereich erkennbar. Auch Pflege bedürfe zudem der tariflichen Absicherung. Im vergangenen Jahr seien zwei große Workshops zu dem Themengebiet veranstaltet worden, in Olpe und in Haus Nordhelle.

Auch die Seniorenpolitik werde die Arbeit bis zur Bundestagswahl bestimmen: So gehe es darum, sich weiter für die Rechte von Senioren einzusetzen. Auch das Ehrenamt könne dabei eine Rolle spielen, wobei ehrenamtliches Engagement den älteren Menschen nicht übergestülpt werden dürfe, sondern am besten von Jugend an erlernt werde. Stark machen will sich Petra Crone weiterhin für Mehrgenerationenhäuser, die ihr sehr am Herzen liegen und, wie sie sagt, in der kommunalen Infrastruktur eine Lücke gefüllt und Platz geschaffen hätten für den Dialog der verschiedenen Altersgruppen. Diesen Komplex griff sie in mehreren Bundestagsinitiativen auf.

Ihr drittes Schwerpunktthema sei derzeit die Schulverpflegung, zumal viele Schulen besonders unter dem Einfluss des G 8-Abiturs, also des achtjährigen Gymnasiums, Ganztagsbetrieb eingeführt hätten, ohne aber dafür zu sorgen, dass die Voraussetzungen stimmen. So gebe es häufig weder sinnvolle Ernährungskonzepte noch Mensen. „Vielfach läuft die Umsetzung der Schulverpflegung bislang vor allem über den Preis“, kritisiert Crone und fordert: „Ganz wichtig wären hier bundeseinheitliche Standards.“

Der vierte bedeutsame Arbeitsschwerpunkt für Petra Crone ist der Wald: „Mit dem wir in dieser Region natürlich gesegnet sind. Doch Wald ist auch ganz wichtig für die Umwelt, den Tourismus, die Erholung und als Wirtschaftsfaktor“, betont Crone und erklärt, dass der Wald ein riesiger Wirtschaftsfaktor sei, der ungefähr vergleichbar mit der Automobilindusrie sei. Entsprechend schaffe er zahlreiche Arbeitsplätze. Auch nach der Novellierung des Bundeswaldgesetzes 2010 mangele es immer noch an einem tragfähigen Konzept zwischen forst- und holzwirtschaftlichen Interessen auf der einen und Naturschutzinteressen auf der anderen Seite. Nach der Überzeugung von Petra Crone könne die biologische Vielfalt im Wald nie ein Konflikt sein. Vor einigen Jahrhunderten seien 80 Prozent Deutschlands mit Wald bedeckt, heute sei es ein Drittel. Der immens hohe Holzbedarf habe zu einer erhöhten Nachfrage nach schnell wachsenden Nadelhölzern und zu Monokulturen geführt. Mittlerweile gebe es aber einen Trend hin zur Rückumwandlung in strukturreiche Mischwälder mit heimischen Baumarten, wodurch der Wald besser dem Klimawandel angepasst und biologisch vielfältiger werde.

Die heiße Phase des Wahlkampfes beginnt zwar erst im August und September, trotzdem sind bei der Bundestagsabgeordneten die Vorbereitungen natürlich schon angelaufen. Crone kann auf ein gutes Wahlkampfteam zählen. Sie freut sich über die Unterstützungszusagen von allen Seiten, angefangen bei den Jusos über die Ortsvereine bis zur Gruppe 60 plus. Auch verschiedene hochkarätige politische Größen haben ihre Teilnahme an Veranstaltungen im Wahlkreis bereits zugesagt. In 2013, darauf weist sie ergänzend hin, werde mit zahlreichen Veranstaltungen zudem das 150-jährige Bestehen der SPD gefeiert, die als erste große Volkspartei 1863 gegründet wurde.

Rolf Haase

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