Junge Menschen für den Beruf begeistern

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Küchenchefin Stefanie Pieper (links) bildet in der Küche aus und Restaurantleiterin Renate Funke kümmert sich um die angehenden Hotelfachfrauen. ▪

KIERSPE ▪ Die Gastronomie genießt bei vielen Menschen weder als Arbeits- noch als Ausbildungsplatz einen guten Ruf. Das will der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) mit Ausbildungsbotschaftern ändern. 50 dieser Botschafter bekamen nun, nach erfolgreichem Bestehen einer „Zusatzausbildung“ ihre Zertifikate vom NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin. Unter den Absolventen war auch Stefanie Pieper, Küchenchefin des Hauses Berkenbaum.

„Als ich meine Ausbildung machte und auch bei den ersten Stationen meines Berufslebens konnte man von einer Fünf-Tage-Woche nur träumen. Auch war der Ton in der Küche oft rau. Doch das hat sich geändert. Allerdings sollte man sich seinen Ausbildungsbetrieb genau anschauen, bevor man einen Vertrag unterschreibt. Möglich ist das beispielsweise im Rahmen eines Praktikums“, so Stefanie Pieper.

Sie selbst hat ihre Ausbildung zur Köchin im Haus Berkenbaum absolviert. Dann ging es für die Kiersperin durch Deutschland. Vor allem die gehobene Gastronomie in Süddeutschland hatte es der jungen Köchin angetan. In zahlreichen Betrieben und auch in Restaurants großer Hotels arbeitete Pieper, erweiterte ihr Wissen und lernte so manchen Kniff von den erfahrenen Profis ihres Gewerbes. „Nach diesen Lehr- und Wanderjahren bin ich nach Kierspe zu meinen Wurzeln zurückgekehrt“, wie sie es selbst formuliert. Länger als acht Jahre ist das her. Seit dem arbeitet sie im Haus Berkenbaum – und seit einigen Jahren als Küchenchefin des Betriebes. In Spitzenzeiten führt sie in dieser Eigenschaft das Kommando über neun Leute in der Küche. Darunter auch Spülkräfte und Aushilfen – aber auch über etliche Auszubildende. Insgesamt sechs Auszubildende arbeiten derzeit in dem Kiersper Hotel- und Restaurantbetrieb – vier als Köche und zwei als Hotelfachfrauen. „Der für uns zuständige DeHoGa-Mitarbeiter rügt dieses Ausbildungsverhalten. Nach seiner Meinung sei dies zu teuer, weil ein Auszubildender mit allen Nebenkosten so viel koste wie eine Halbtagskraft. Doch wenn wir nicht verstärkt ausbilden, bekommen wir ein Problem bei der Besetzung offener Stellen“, so Ernst-Willi Funke, der Haus Berkenbaum seit Jahrzehnten sein Eigentum nennt und gemeinsam mit seiner Frau Renate führt.

Werbung für den Beruf wird in dem Traditionsbetrieb schon seit vielen Jahren gemacht. Praktikanten sind gern gesehen und auch bei Ausbildungsbörsen ist Stefanie Pieper gerne vor Ort in den Schulen, um die jungen Leute für einen „sicheren Arbeitsplatz mit Aufstiegschancen“ zu begeistern. „Wer in den Gastronomieberufen etwas kann, muss sich um Arbeitslosigkeit keine Gedanken machen. Und auch die Bezahlung ist viel besser als die meisten Menschen denken. Für den Tariflohn arbeiten gute Leute schon lange nicht mehr“, erklärt Pieper. Als Ausbildungsberufe bietet die Branche neben Koch, Hotel- und Restaurantfachmann beziehungsweise -fachfrau auch Ausbildungsgänge zum Hotelkaufmann, dem Fachmann für Systemgastronomie und der Fachkraft im Gastgewerbe an. „Man sollte allerdings bei der Systemgastronomie nicht nur an McDonald denken, sondern auch an Ketten wie Käfer aus München. Für Schüler, die Probleme mit dem Lernen haben, kann die Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe etwas sein. Und fällt der Groschen innerhalb der zweijährigen Ausbildung, kann mit einem zusätzlichen Jahr ein höherwertiger Abschluss erworben werden“, erklärt Pieper.

Als die Küchenchefin erfuhr, dass es möglich war, sich vom DeHoGa zur Ausbildungsbotschafterin qualifizieren zu lassen, war sie sofort begeistert: „In den Seminaren hat man doch vieles gelernt, was im Umgang mit den jungen Menschen nicht selbstverständlich ist. Gerade in einem Praktikum ist es wichtig, den Schülern die Vielfalt und den Abwechslungsreichtum der Gastronomieberufe zu erklären. Man muss den Praktikanten einfach Vertrauen entgegenbringen und sie möglichst in allen Bereichen einsetzen.“

Aber auch in Zusammenarbeit mit den Schulen kann sich Pieper noch vieles vorstellen. „Ich bin jetzt auf der Suche nach einer Partnerschule, mit der wir bei den Praktika noch enger zusammenarbeiten. Ich könnte mir aber auch vorstellen, bei einer Projektwoche mitzuwirken“, erklärt Pieper. Die Kosten für dieses Engagement trägt nicht der DeHoGa, der die Botschafter zwar mit Verbandskleidung, Informationsmaterial und auch mal mit Süßigkeiten und Dekorationsmaterial unterstützt, sondern ihr Chef. Funke: „Das ist zwar nicht billig, aber immer noch besser als keinen Nachwuchs im Gastgewerbe mehr zu finden.“ Dabei spricht der Mann aus Erfahrung, weiß er doch, wie schwer es ist, einen guten Koch im ländlichen Raum zu finden. „Dabei wird sowohl das Gehalt als auch das Klima in einem kleineren Haus unterschätzt“, da ist sich Funke sicher.

Doch mit dem Engagement seiner Küchenchefin hofft er, zumindest bei den Azubis keinen Engpass mehr erleben zu müssen. „Bei allen Anstrengungen, die wir unternehmen, muss die Einstellung des potentiellen Auszubildenden stimmen. Sie müssen motiviert sein, schnell teamfähig werden und gerne mit Kollegen und Gästen kommunizieren. Und eine gewisse Stressresistenz gehört auch dazu, schließlich sind die Zeiten, zu denen die Gäste zum Essen kommen, begrenzt“, erklärt Funke. ▪ Johannes Becker

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