Im neuen Jahr Geschichte: Dorfkiosk

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Der Dorfkiosk an der Friedrich-Ebert-Straße wird nach derzeitigem Stand nach dem 31. Dezember dieses Jahres Geschichte sein. Stefan Käming schließt das Geschäft, da er sich verändern möchte und eine neue Herausforderung gefunden hat.

Kierspe - „Nein, ich bin nicht pleite! Ich habe auch nicht im Lotto gewonnen“, räumt Stefan Käming mit den Gerüchten auf, die nach seiner Ankündigung kursieren, den Dorfkiosk zum 31. Dezember zu schließen.

Vor 18 Jahren hat er das Geschäft an der Friedrich-Ebert-Straße im Dorf übernommen und es zweifellos zu einer Institution gemacht, die von vielen Kunden sehr geschätzt wird. Nicht zuletzt, weil der Dorfkiosk um 5.30 Uhr öffnet und es frisch gebackene Brötchen und andere Backwaren gibt – und dies bis abends um 21 Uhr. „Wir backen selber“, erklärt Käming, dass der Dorfkiosk von verschiedenen Lieferanten die Rohlinge erhält.

Dies setzte sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten durch. Dazu gab es stets ein Angebot an Zigaretten, Getränken, Zeitschriften und anderen Dingen. Der Zigarettenverkauf sei zurückgegangen, dafür würden heute Sisha-Tabak und Liquid für E-Zigaretten nachgefragt. Und das Zeitschriftenregal konnte Stefan Käming im Laufe der Zeit deutlich verkleinern.

„Ich habe viel Freude und Spaß gehabt, habe viel erlebt, sowohl Schlechtes als auch viel Gutes“, wird Käming mit einem lachenden und einem weinenden Auge den Dorfkiosk aufgeben. Dabei denkt er an strahlende Kinderaugen, die er im Dorfkiosk erlebt hat, und an die persönlichen Kontakte zu den Kunden, durch welche die Gespräche oft über das übliche Maß hinausgingen. Der Dank dafür sei die Wertschätzung, die er insbesondere jetzt, nachdem er die Schließung angekündigt hat, von den Kunden erfahre.

Einige hätten Emotionen gezeigt, Ältere hätten sogar geweint. Andere hätten ihm gar finanzielle Hilfe angeboten: „Wenn es am Geld liegt, ich leihe dir was...“ Doch daran liegt es bei Stefan Käming nicht. Vielmehr sei es nun Zeit für eine Veränderung, für eine neue Herausforderung. Mit seiner Entscheidung habe der Geschäftsinhaber sogar seine eigene Familie ein wenig überrascht. Doch die Familie sei es, die davon profitiere, denn „ich möchte endlich mehr Zeit für meine Familie haben“, weist Käming darauf hin, dass er nun seit 18 Jahren jeden Morgen um 4.15 Uhr aufsteht und um 18 Uhr erst nach Hause kommt – und das an sieben Tagen in der Woche.

Nur an Wochenenden schließe er das Geschäft früher. Im kommenden Jahr möchte er wieder mehr Privatleben haben – was für ihn auch der Grund ist, warum er nicht über seine neue Herausforderung spricht. Wenn sich nicht doch noch in den nächsten Wochen ein Nachfolger findet, wird der Dorfkiosk am 31. Dezember um 12 Uhr endgültig schließen.

Ob es an diesem Silvestertag noch noch eine Abschiedsparty gibt, hänge natürlich davon ab, was noch an Waren vorhanden sei. Denn bis auf den Bereich der Backwaren werden nichts mehr nachbestellt. Gleichzeitig dankt Stefan Käming nicht nur seinen Kunden, sondern auch allen anderen wie Lieferanten, die das Geschäft mit Waren versorgt haben.

„Ich hätte mir schon gewünscht, einen Nachfolger zu finden“, verdeutlicht er sein weinendes Auge, das auch seine drei Angestellten mit einschließt und die sich wohl im neuen Jahr leider nach einem anderen Job umsehen müssten. „Ich hatte gehofft, dass vielleicht ein Nachfolger sie übernimmt.“ Dies ist sicherlich auch ein Beleg dafür, dass es keinerlei finanziellen Probleme für die „Institution Dorfkiosk“ gab oder gibt.

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