Spielhallen-Mitarbeiter knackt Automaten

+
Symbolbild.

Kierspe – Einen völlig ungeeigneten Mitarbeiter stellte eine Spielhalle in Kierspe im Jahr 2017 ein. Der Meinerzhagener hatte den Auftrag, die Geldspielautomaten nachts vor möglichen Einbrüchen zu schützen. Doch zum Einbrecher wurde er im Oktober 2017 selber.

Aus vier aufgebrochenen Automaten erbeutete er rund 12 000 Euro. Dazu kamen weitere 966 Euro aus einem Wertschutzschrank. Anschließend hatte er eine weitere Hürde zu nehmen: Um derartige Eigenaktivitäten des Sicherheitspersonals zu unterbinden, wurden die Nachtwächter „komplett eingeschlossen“.

Durch das Aufhebeln eines Fenstergitters entkam er mit seiner Beute und verbrauchte das Geld relativ zügig: „Kokain ist bekanntlich eine sehr teure Droge“, benannte Verteidiger Sebastian Nickel aus Bielefeld den Grund für den großen Finanzbedarf seines Mandanten. Im Amtsgericht Lüdenscheid, wo der heute 29-Jährige sich wegen zweier schwerer Einbruchdiebstähle verantworten musste, wurde die Angelegenheit auch aus Sicherheitsaspekten heraus beleuchtet: Ist es überhaupt zulässig, einen Mitarbeiter regelrecht einzuschließen?

Doch das war nicht der Schwerpunkt der Verhandlung: Der Angeklagte gab sowohl diesen massiven Vertrauensbruch gegenüber seinen Auftraggebern aus der Spielhalle Kierspe als auch einen weiteren Einbruch in einen Spielautomaten zu: In Meinerzhagen hatte er die Spielhallenaufsicht unter dem Vorwand, das Klopapier sei alle, in die Toilettenräume gelockt und anschließend einen Automaten aufgebrochen. Angeblich hatte er dabei 500 Euro erbeutet. Das stimme nicht, versicherte der Angeklagte recht glaubwürdig, denn die erste Beute von fast 13 000 Euro hatte er vollständig zugegeben.

Die Mitarbeiterin der Meinerzhagener Spielhalle erinnerte sich vor Gericht lebhaft an jenen Morgen mit dem etwas merkwürdigen Besucher in einer roten Jacke: „Das Gerät fing an, Alarm zu schlagen.“ Da sie den Angeklagten kannte, empfahl sie der Polizei, bei seiner Mutter vorbeizufahren. Nachdem sie den 29-Jährigen noch mehrfach in der Stadt getroffen hatte, habe sie sich erneut an die Polizei gewandt: „Wollen Sie nicht weiter ermitteln?“

Später gab es eine merkwürdig anmutende Panne. Der Verteidiger wies auf eine zweijährige „Abwesenheit der Ermittlungsakte bei Polizei und Staatsanwaltschaft“ hin. Der Angeklagte hatte für eine weitere Verzögerung gesorgt, als er zu einem ersten Termin im Amtsgericht Lüdenscheid nicht erschienen war. Stattdessen war er in Hamm bei Freunden untergetaucht und hatte dort versucht, mit gewöhnlichen Ladendiebstählen sein Suchtverhalten zu bezahlen. Am 13. Januar wurde er in Hamm festgenommen.

Vor Gericht erzählte er, dass in seinem Leben einiges auch gut gelaufen war: eine abgeschlossene Berufsausbildung und zehn Jahre Arbeit in seinem Beruf. Erst Amphetamin, dann Kokain habe er zur Leistungssteigerung konsumiert. Daraus entstand die Sucht.

Die in Kierspe geübte Praxis, Nachtwächter einzuschließen, war offenbar kein Einzelfall: Der Angeklagte brachte eine Vorstrafe aus dem Amtsgericht Köln mit – mitsamt einer nicht ohne Humor geschriebenen Urteilsbegründung. Im November 2017 hatte sich der Angeklagte unter dem Eindruck erheblicher Geldsorgen in einer Spielothek in Köln einschließen lassen – in Begleitung eines Kuhfußes, eines Beils und eines Teppichmessers. Die Freude über die erbeuteten 7000 Euro währte nicht lange: „Der Angeklagte konnte die Räumlichkeiten nicht verlassen, weil er eingeschlossen worden war“, bemerkten die Richter in ihrer Urteilsbegründung.

Den Diebstahl mit Waffen bewerteten sie als minderschweren Fall, weil der Täter gar keine Chance auf Entkommen gehabt hatte. Die verhängte Haftstrafe von fünf Monaten auf Bewährung ging in das Lüdenscheider Urteil mit ein.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Um seine erhebliche Drogenproblematik zu bearbeiten, muss sich der 29-Jährige unverzüglich in eine stationäre Drogentherapie begeben und diese erfolgreich abschließen. „Da hat man den Bock zum Gärtner gemacht“, fasste Richter Thomas Kabus die Taten in Kierspe und Köln zusammen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare