Statt der alten Teiche müssen zukünftig teure Erdtanks genutzt werden

Löschwasser wird sehr teuer

Auch der Löschwasserteich in Wasseruhr entspricht nicht der Norm, die der Kreis für solche Anlagen vorgesehen hat.
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Auch der Löschwasserteich in Wasseruhr entspricht nicht der Norm, die der Kreis für solche Anlagen vorgesehen hat.

Schulen, Sporthallen oder auch das Rathaus – städtische Gebäude sind sichtbar und ihre Unterhaltung kostet Geld. Teuer kann es aber auch werden, wenn nichts von der Baumaßnahme zu sehen ist. Bestes Beispiel dafür sind die Abwasserkanäle. Aber auch in Zukunft wird die Stadt Kierspe viel Geld vergraben – in Form von Löschwassertanks. Dem haben nun auch die Mitglieder des Umwelt- und Bauausschusses zugestimmt, unter besonderer Berücksichtigung der vorhandenen Haushaltsmittel und in Abstimmung mit der Kommunalaufsicht. Das letzte Wort hat aber in der kommenden Woche der Rat

Bevor der Beschluss im Ausschuss gefasst wurde, hatten die Mitglieder allerdings durchaus Gesprächsbedarf, in denen sie vor allem ihren Unmut über das Vorgehen des Kreises zum Ausdruck brachten. Seit Jahrzehnten verlassen sich Anwohner und Feuerwehr auf die sogenannten Löschwasserteiche, die in den allermeisten Außenbereichen vorhanden sind. Mittlerweile reicht dem Kreis die bloße Anwesenheit dieser Teiche aber nicht mehr. Bereits seit längerem müssen Gutachten erstellt werden, mit denen nachgewiesen wird, dass die Teiche ganzjährig über ausreichende Wassermengen verfügen. Nun sollen aber nach Vorgabe des Märkischen Kreises nur noch sogenannte Normteiche für die Löschwasserversorgung gewertet werden. Dazu führte der Leiter des Sachgebiets Ordnung Oliver Knuf aus: „Diese Löschwasserteiche müssen unter anderem über eine Saugstelle, eine Einfriedung und eine Aufstellungsfläche für Fahrzeuge der Wehr verfügen, letzteres selbst dann, wenn die Wehr über transportable Pumpen verfügt und die Fahrzeuge gar nicht nah an den Teich gefahren werden müssen.“ Der gleiche Kreis widerspricht aber unter Umständen mit seiner Unteren Wasserbehörde genau diesem Umbau der Teiche. Um gar nicht erst Gefahr zu laufen, zwischen die Interessen der beiden zuständigen MK-Behörden zu geraten, setzt die Stadt zukünftig vor allem auf sogenannte Löschwassertanks, die eingegraben und befüllt werden – dann aber auch kaum noch weitere Wartung erfordern. Üblicherweise werden dabei Tanks in einer Größe zwischen rund 50 und 100 Kubikmetern genutzt. Die ersten Tanks wurden bereits im vergangenen Jahr in Elbringhausen, Bürhausen und Höckinghausen eingebaut. Dafür hat die Stadt rund 145 000 Euro ausgegeben. In diesem und den nächsten Jahren sollen rund 245 000 Euro ausgegeben werden, um Tanks in Mittel-Heukelbach, Berken, Hinterste Berg, Loh und Auf der Mark in die Erde zu bringen. Darüber hinaus werden in den Ortschaften Beckinghausen und Vorderste Vornberg Güllegruben als Löschwasserreservoire umgebaut. In den Folgejahren werden nun jährlich 50 000 Euro in den Haushalt eingestellt, um weitere Ortslagen versorgen zu können. Nach Berechnungen der Stadt wird man sich in den kommenden zehn Jahren um weitere 44 Ortsteile im Außenbereich kümmern müssen. Wie diese dann versorgt werden und ob alle neue Tanks bekommt, wird noch ermittelt. Unter anderem geht es dabei auch darum, ob es eine sogenannte Außenbereichssatzung für die Ortschaft gibt. Das ist bei zehn der 44 Ortschaften der Fall. Dort ist die Stadt auf jeden Fall zuständig. In weiteren vier Orten gibt es zwar keine Außenbereichssatzung, da es sich dabei aber um Siedlungen mit mehr als zehn Anwesen handelt, muss ebenfalls die Stadt für die Löschwasserversorgung sorgen. Bei den 30 verbleibenden Ortschaften wird es eine sogenannte Prüfung der Wirtschaftlichkeit geben.

Wem gehört das Wasser?

In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Bauen machte der Sachgebietsleiter Oliver Knuf deutlich, dass auch nach dem Einbau der Tanks die Löschteiche wie alle anderen Gewässer, aus denen die Feuerwehr Wasser entnehmen können, ihre Bedeutung behalten, auch wenn Tanks zur Verfügung stehen: „Wenn wir Wasser brauchen und ein Löschwasserteich, ein Fischteich oder auch ein Pool zur Verfügung stehen, dann gehen wir da dran und pumpen das Wasser ab.“ Wie wichtig eine gute Versorgung mit Löschwasser ist, zeigte sich auf dramatische Weise bei einem Brand vor etwas mehr als fünf Jahren. Damals war es durch einen technischen Defekt zu einem Hausbrand in Dörscheln gekommen, bei dem ein Schaden von einer Viertelmillion Euro entstand und ein Mensch verletzt wurde. Als die Feuerwehr damals an einem Dienstagnachmittag im Oktober 2015 zu dem Brand gerufen wurde, war klar, dass es dort keinen Hydranten geben würde. Doch unterhalb der Ortschaft stand ein Feuerlöschteich zur Verfügung, dessen Wasser allerdings längst nicht ausreichte, um das sich schnell ausbreitende Feuer zu löschen. In der Konsequenz musste ein Pendelverkehr zwischen dem Gerätehaus Rönsahl, wo die Tanklöschfahrzeuge der Wehr befüllt wurden, und einer Wiese oberhalb der Brandstelle eingerichtet werden. Das führte dazu, dass immer wieder zu wenig Wasser zur Verfügung stand. Erst als zwei Tankcontainer – aus Marienheide und aus dem Oberbergischen Kreis – zur Verfügung standen, konnte der Druck in den Schläuchen aufrecht erhalten werden. 

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