Stolpersteine: "Ein neuer Anfang für Kierspe“

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In Meinerzhagen wurden die ersten Stolpersteine bereits vor einigen Jahren verlegt. Im Sommer dieses Jahres sollen nun auch drei dieser Denkmale in Kierspe ihren Platz finden.

Kierspe - Werden drei Stolpersteine zum Wegbereiter für eine Aufarbeitung der Kiersper Geschichte der NS-Zeit? Wer den Ratsmitgliedern zuhörte, könnte dieses glauben.

Auf jeden Fall waren die Mitglieder des Rates nahezu geschlossen für das Verlegen der drei Steine. Mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung sprachen sich die Politiker für diese Form des Gedenkens aus. Und auch der Gegner war nicht gegen das Gedenken, sondern hatte Zweifel an der konkreten Ausführung.

Die Initiative Stolpersteine hatte sich über Bürgermeister Frank Emde an den Rat der Stadt mit der Bitte gewandt, für eine Kiersper Familie Stolpersteine zu verlegen. Aufgrund der Vorbereitung der Mitglieder der Initiative hatte Emde davon abgesehen, das Thema im Hauptausschuss beraten zu lassen und es stattdessen gleich in den Rat eingebracht, um es innerhalb einer Sitzung beraten und abstimmen zu lassen.

Ein Vorgehen, das Peter Christian Schröder von den Freien Wählern als „sehr befremdlich“ empfand. Der FWG-Politiker stimmte dann auch als einziger gegen die Verlegung der Steine. Er begründete dies mit einer persönlichen Erklärung, in der auch die eigene Familiengeschichte eine Rolle spielte. So sei es für ihn pietätlos, wenn Menschen auf den Namen der Opfer „herumlaufen“ würden. Noch dazu, wo gerade Menschen jüdischen Glaubens dazu gezwungen worden seien, in der Zeit des Nationalsozialismus Bürgersteige und Straßen zu reinigen – oft mit bloßen Händen.

Friedhof als besserer Ort des Gedenkens

Darüber hinaus führte Schröder an, dass er den Friedhof für den besseren Ort des Gedenkens halten würde – noch dazu, wo in Kierspe dort regelmäßig auch der Zwangsarbeiter und anderen Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Dort würden die Opfer dann auch „nicht mit Füßen getreten“.

Der abschließenden Bitte Schröders an seine Ratskollegen, das Pro und Contra genau abzuwägen, kamen die Ratsmitglieder mit kurzen Statements für die einzelnen Fraktionen nach. „Wir stimmen der Verlegung der Steine und dieser Art des Gedenkens uneingeschränkt zu und wünschen uns, dass es nicht solch ein politisches Gezerre um die Steine gibt, wie in Meinerzhagen“, formulierte Hermann Reyher die Haltung der Grünen.

Holger Scheel, Vorsitzender der Kiersper CDU befürwortete ebenfalls die Verlegung der Steine: „Das ist eine Aktion, die zum Innehalten und Nachdenken anregt. Ich wünsche mir eine große Unterstützung durch den Rat der Stadt Kierspe.“ Ähnlich formulierte auch Marc Voswinkel, Fraktionsvorsitzender der SPD: „Die Steine erzeugen Nachdenken und Diskussionen. Die Steine schaffen Plätze des Erinnerns und Gedenkens.“

Aufarbeitung der NS-Geschichte in Kierspe

Noch einen Schritt weiter ging Clemens Wieland, Vorsitzender der UWG: „Ich stimme zu, weil ich diese Form des Gedenkens gut finde. Denn derjenige, der die Inschrift der Steine lesen will, muss sich verbeugen. Außerdem ist es sicher so, dass die Aufarbeitung der NS-Geschichte in Kierspe zu kurz gekommen ist. Aber vielleicht sind die Steine da ein neuer Anfang für Kierspe.“

„Auch ich finde die Aktion gut. Wir sollten aber auch schauen, ob es nicht noch weitere Menschen gibt, denen wir auf diese Art und Weise gedenken können“, schloss sich Armin Jung, Vorsitzender der FDP, der Einlassung von Wieland an.

Verbrechen im Herzen der Kommune

Seine persönlichen Erfahrungen schilderte Oliver Busch, Mitglied der Kiersper SPD: „Ich bin erschrocken, dass ich von diesem Teil der Kiersper Geschichte nichts gewusst habe. Ich bin oft und einige Jahre täglich an dem Haus am Hammerkamp vorbeigekommen, ohne zu wissen, welche Menschen dort mitten in Kierspe lebten und welches Schicksal sie erleiden mussten. Erst durch die Stolpersteine wird deutlich, dass die Verbrechen auch in der Mitte unserer Kommune stattfanden und nicht nur in den weit entfernten Konzentrationslagern.“

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