Start für die letzten Zivis bei Essen auf Rädern

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Die letzten Zivildienstleisten haben jetzt bei der evangelischen Kirchengemeinde angefangen. Ihre Hauptaufgabe ist die Verteilung des Essens auf Rädern. ▪

KIERSPE ▪ Wenn nächste Woche der Bundesfreiwilligendienst startet, gibt es nur noch Zivis mit einer „Restlaufzeit“, es werden immer weniger werden. Die evangelische Kirchengemeinde hat noch einmal die Chance genutzt und alle Posten besetzt, doch schon im August fangen auch die ersten im Rahmen des neugeregelten Dienstes an.

Ihre Hauptaufgabe ist der Bereich Essen auf Rädern, doch übernehmen sie auch quasi „Taxidienste“, wenn Senioren zu den Altenbegegnungen der Gemeinde gefahren werden müssen oder zum Arzt, sowie zudem Arbeiten, die in den Gemeindehäusern und Kirchen anfallen. Die stundenweise Betreuung eines schwer behinderten Jungen obliegt ihnen außerdem, um den Eltern so eine kurze Auszeit zu verschaffen.

Bereits seit November dabei sind Edgar Suppes und Jan-Niklas Behr, neu hinzugekommen sind am 16. Juni jetzt Marius Benninghaus, Florian Mielke und Dimitri Udovenko. Ganz einfach war es für die Neuen nicht, denn der Abbau der Stellen durch das Bundesamt geschah nicht in Abstimmung mit den Abiturprüfungen. „So haben die drei am 1. Juli erst einmal noch ihren Abisturm“, berichtet der Zivibeauftragte der Kirchengemeinde, Ralf Schustek, der an diesem Tag dann die Organisation der Essenverteilung anders regeln muss. Ohnehin ändert sich einiges: Lag die Verwaltung bislang beim Kreiskirchenamt Lüdenscheid-Iserlohn, übernimmt dies nun der Diakonieverbund in Münster.

Die Zivis jedenfalls sind froh, zu den letzten zu gehören und den Job bekommen zu haben. Dass die Arbeit gut ist, hat sich unter den Jugendlichen längst herumgesprochen. So sind die meisten von Bekannten auf die Möglichkeit gebracht worden und haben sich beworben.

Edgar lehnt Gewalt ab und daher kam der Bundeswehrdienst für ihn nicht infrage. Jan-Niklas findet es ebenfalls besser, etwas Sinnvolles im sozialen Bereich zu tun, als in der Kaserne zu sitzen. Ähnlich gilt das für Marius, der sagt: „Ich will im Kriegsfall nicht auf Menschen schießen müssen. Zudem habe ich keine Lust, mich von Vorgesetzten anschreien zu lassen, nur weil ihnen nicht gefällt, was und wie ich es mache.“ Florian hatte keine Lust, eine Zeitlang gar nichts zu machen, und auch Dimitri sagt, dass die Bundeswehr nichts für ihn sei.

Alle Zivis der Kirchengemeinden finden es positiv, die Schule und das Lernen einmal eine Zeit hinter sich lassen und stattdessen ins wirkliche Leben hineinschnuppern zu können. Einen späteren Beruf darauf aufbauen will aber keiner von ihnen. Sondern Edgar will ab Oktober in Dortmund Kommunikations- und Marketingmanagement studieren. Marius zeigt sich noch unentschlossen, neigt aber vom Interesse zu etwas Technischem. Jan-Niklas will ebenfalls Wirtschaftsingenieur in Gummersbach studieren. Florian denkt eher an etwas Praktisches wie Assistive Technologie. Auch Dimitri überlegt noch über etwas im künstlerischen oder aber technischen Bereich. Hatten die drei Neuen, als sie anfingen, doch noch nicht einmal ihre Abinoten.

Langweilig wird es den Zivis bei ihrer Aufgabe auf Zeit jedenfalls nie: Zu abwechslungsreich ist die Arbeit, zu der als erstes jeden Tag die Verteilung der rund 60 Essen im Rahmen des Angebots Essen auf Rädern gehört. Dabei sehen sie immer auch nach dem Rechten, ob es den alten Leuten gut geht, und sind für einen kurzen Plausch zu haben.

Vier bis sechs Zivis sind nötig, wie Ralf Schustek informiert, um den Dienst aufrechtzuerhalten, denn die jungen Mitarbeiter sind an sieben Tagen in der Woche im Einsatz und es fällt auch mal einer durch Krankheit oder Lehrgangsbesuche aus. Im August folgen dann die ersten im Freiwilligendienst, die dann auch nicht mehr nur sechs Monate kommen, sondern ein Jahr.

Der Bundesfreiwilligendienst startet zum 1. Juli und ersetzt den derzeitigen Zivildienst, der zusammen mit der Wehrpflicht weggefallen ist. Dafür sollen jährlich 35 000 Bürger geworben werden. Bislang leisteten rund 90 000 Zivis pro Jahr ihren Dienst, vor allem in Einrichtungen der Pflege und Betreuung, aber auch im Umwelt- und Naturschutz sowie in der Landschaftspflege. Der neue Dienst ergänzt die bisherigen Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). ▪ Rolf Haase

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