Standortsuche für neues Feuerwehrgerätehaus

HDie Feuerwehr steht vor der größten Umstrukturierung seit vielen Jahren: Die beiden Standorte Wehestraße und Stadtmitte sollen an einem neuen Standort zusammengefasst werden.

KIERSPE ▪ Die städtische Feuerwehr steht vor einer der größten Umstrukturierungen seit vielen Jahren: Sollen doch die beiden Innenstadteinheiten an einem Standort im Stadtgebiet zu einem einzigen Löschzug zusammengefasst werden, also der Löschzug 1 mit dem Gerätehaus an der Wehestraße und der Löschzug 2 mit dem Gerätehaus Stadtmitte aufgelöst und dann beide Gerätehäuser als Feuerwehrstandorte aufgegeben werden. Mit 80 Feuerwehrleuten entsteht dabei die mit Abstand schlagkräftigste Einheit innerhalb der Feuerwehr, die derzeit noch aus vier Zügen mit insgesamt 150 Helfern besteht.

Erste Überlegungen gehen dahin, dass die neu geschaffene Einheit in zwei Einsatzabteilungen untergliedert wird, von denen die eine für die technische Hilfeleistung, etwa nach Verkehrsunfällen, bei Hochwasser und Sturm sowie zur Tierrettung, zuständig ist und die andere für Brandeinsätze und den Bereich der Absturzsicherung. „Die Feuerwehrleute könnten sich dann ihren entsprechenden Neigungen und Interessen gemäß die Abteilung aussuchen“, kann sich Stadtbrandmeister Georg Würth vorstellen. Bevor diese Lösung aber festgeklopft wird, soll alles noch ausgiebig innerhalb der Einheiten diskutiert und die Vor- und Nachteile sowie auch mögliche Alternativen gegeneinander abgewogen werden. Aus Sicht von Würth ist es früh genug, die organisatorischen Fragen hinsichtlich des Aufbaus der Einheit zu klären, wenn mit dem Bau des neuen Gerätehauses angefangen wird.

Inzwischen läuft die Suche nach einem geeigneten Standort auf Hochtouren. „Begonnen haben wir damit aber bereits im Jahr 2008“, informiert Würth. Unterschiedliche Immobilien wurden zu diesem Zweck seitdem besichtigt und hinsichtlich ihrer Eignung untersucht. Zurzeit werden gleich mehrere in Frage kommende Standorte als sehr gut geeignet favorisiert, wobei sich besonders einer als ideal darzustellen scheint. Im aktuellen Brandschutzbedarfsplan ist das neue Feuerwehrgerätehaus laut Würth für das Jahr 2014, spätestens aber 2015 enthalten. Was bedeutet, dass im nächsten Jahr konkret mit der Bauplanung begonnen werden müsste. Ermittelt worden waren vor zwei Jahren Baukosten von 2,3 Millionen Euro.

Hintergrund der geplanten Umstrukturierung sind gleich eine Reihe von Entwicklungen, mit denen sich die Feuerwehrführung heute konfrontiert sieht und die zwingend erfordern, dass der Brandschutz in Kierspe den Veränderungen entsprechend angepasst wird: Zum einem ist das nach Darstellung des Stadtbrandmeisters der demographische Wandel, der dazu führt, dass immer weniger Kinder geboren werden und daher auch weniger junge Menschen für den Dienst in der Feuerwehr zur Verfügung stehen. Hinzu kommen Veränderungen in der Berufswelt, so dass die Arbeitszeiten unregelmäßiger werden und die Stellen der Feuerwehrangehörigen immer häufiger weiter entfernt sind. Heute müssten so 30 Prozent der Kiersper Feuerwehrleute am Wochenende arbeiten, was früher ganz anders gewesen sei.

„All das hat große Probleme bei der Tagesverfügbarkeit mit sich gebracht“, gibt Würth an. Parallel gebe es ein geändertes Freizeitverhalten: Wurde früher in die Disco nach Meinerzhagen gefahren, sei heute das Ziel Bochum. Auch Einkäufe werden immer weniger vor Ort, sondern lieber in den Großstädten erledigt. Daher sei dazu übergegangen worden, dass mittlerweile in der Regel beide Innenstadtzüge gleichzeitig alarmiert werden, um eine ausreichende Einsatzstärke sicherzustellen.

„Darüber hinaus ist das Gerätehaus an der Wehestraße verkehrstechnisch schlecht angebunden. Und beim Standort Stadtmitte ist die Gebäudesubstanz marode, so dass alternativ sonst hohe Investitionen anstehen würden“, schildert Georg Würth weiter. Dach und Fassade seien undicht und der Boden der Fahrzeughalle habe nicht die für 16-Tonnen-Fahrzeuge eigentlich notwendige Tragfähigkeit. Zudem gebe es keine getrennte Toilette und Waschmöglichkeit für Frauen und Männer, was ein Unding sei bei einer Einheit, in der der Frauenanteil bei 30 Prozent liege.

Dringend erforderlich ist dem Stadtbrandmeister zufolge außerdem eine bessere Kooperation, weil bei Einsätzen derzeit nie bekannt ist, mit welcher Personen- und Fahrzeugzahl beide Einheiten im Fall der Alarmierung anrücken. Positiver Effekt für die Stadt ist, dass sich durch die Zusammenlegung ein Einsparpotential von drei Fahrzeugen ergibt, was umgerechnet knapp eine Million Euro sind.

Nach wie vor verhandelt die Verwaltung mit Michael Metgenberg über den Neubau eines Gerätehauses angrenzend an den Einkaufspark Wildenkuhlen an der Dr.-Hans-Wernscheid-Straße sowie aktuell jetzt auch mit der Firma Kriesten, die bekanntlich Kierspe Anfang 2012 verlässt und nach Meinerzhagen umzieht, so dass die Immobilie an der Ecke Friedrich-Ebert-/Fritz-Linde-Straße dann frei wird. Die Verhandlungen mit Fritz Bremicker und seinen Söhnen über das Grundstück Ecke Friedrich-Ebert-/Osemundstraße, also das Gelände, auf dem sich einst die Firma Bremi-Autoelektrik befand, sind vor einiger Zeit ohne Ergebnis abgebrochen worden. Was von der Feuerwehr sehr bedauert wird, weil der Standort für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses als am besten geeignet angesehen wird. „Es handelt sich um einen 1a-Standort“, beschreibt dies Stadtbrandmeister Georg Würth.

Die Verhandlungen waren bereits so weit gediehen, dass die Familie Bremicker schon das neue Feuerwehrgerätehaus in Marienheide als gutes Beispiel für einen preisgünstigen Funktionsbau besichtigt hatte. Im Gespräch war die Errichtung durch einen Investor und dann die Anmietung durch die Kommune für eine Zeit von 25 bis 30 Jahren. Neben der Feuerwehrleitung sprachen sogar die betroffenen Einheitsführer von der Wehestraße und aus Stadtmitte bei der Familie vor, um deutlich zu machen, wie wichtig dieses Projekt langfristig für die Aufrechterhaltung des Brandschutzes und generell der Einsatzbereitschaft der Feuerwehr ist, und um die Möglichkeiten der Realisierung zu besprechen.

Zwischenzeitlich wurde außerdem auch mal über die ehemalige Teppich-Domäne an der Osemundstraße nachgedacht. Allerdings ist das Grundstück ziemlich klein, es entstünden hohe Kosten und zudem soll dieses als Erweiterungsoptionsfläche für die Firma Key Plastics vorgehalten werden, die das leerstehende Gebäude derzeit auch angemietet hat. Als weiterer Vorschlag ist kürzlich noch eine freie Immobilie am Reidemeisterweg, der an der oberen Osemundstraße abzweigt, ins Gespräch gekommen. Die Lage ist aus Sicht von Würth ebenfalls verkehrstechnisch günstig, so dass dieses genauso wie das Kriesten-Grundstück bei seiner Bewertung als 1b-Standort klassifiziert werden könnte. Allerdings hat er noch keine Angaben zur Verfügbarkeit und zur Grundstücksgröße, die Topographie ist auch schwieriger als bei der Bremicker-Fläche oberhalb des Mark-E-Umspannwerkes direkt gegenüber und es steht ein Wohnhaus im Weg.

Ausgeschieden sind bereits Flächen hinter der Aral-Tankstelle, an der Kreuzung Wildenkuhlen bei der früheren Gaststätte Hamann und der Firma Schröder sowie die Immobilie des Gewerbeparks Reppel & Vollmann. Den Metgenberg-Standort sieht Würth wegen der verkehrstechnisch problematischen Anbindung ebenfalls kritisch. Er hofft aus dem Grund doch noch auf eine Einigung mit der Familie Bremicker im Interesse der Kiersper Feuerwehr. ▪ Rolf Haase

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