Wolfgang Becker wird Titel Ehrenbraumeister verliehen

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Braumeister unter sich: Mit den Fachkollegen Jens Hoffmann und Georg Lechner stießen Wolfgang Becker und sein Helfer Karl-Heinz Böker mit frisch gezapften Rönsahler an. Becker wurde die Ehre zu Teil, zum Ehrenbraumeister ernannt zu werden. ▪

KIERSPE ▪ Schon mit etwas Stolz erfüllte Wolfgang Becker die Verleihung des Titels Ehrenbraumeister, die ihm zu Teil wurde, als die Braumeister aus Sauerland, Siegerland, Westerwald und Oberberg in der erst vor einigen Monaten gemütlich und zünftig eingerichteten Braustube der Brennerei Rönsahl zu Gast waren.

Vor allem jedoch war es auch das dicke Lob, das der von ihm und seinem Team hergestellte goldgelbe Gerstensaft seitens der Fachkollegen fand, denn die waren ganz begeistert von dem hellen wie gleichermaßen dem dunklen Rönsahler und ließen sich beides schmecken. Die positive Kritik war für ihn natürlich ein schöner Erfolg seines hobbymäßigen Engagements beim Bierbrauen. Noch am Abend zuvor hatte sich Becker nicht nur mental auf den Besuch vorbereitet, sondern war wieder bis zum Abend aktiv.

Gleitet wird der Braumeister-Stammtisch von Jens Hoffmann aus Bielstein und Georg Lechner aus Oelde. In der inzwischen 72 Mitglieder starken Gruppe befinden sich die Braumeister von den Brauereien Veltins, Krombacher, Erzquell, Hachenburger und Eichner sowie auch Vertreter der Firma Syscona, die Inspiziertechnik anbietet. Der Stammtisch, der sich heute viermal im Jahr trifft, entstand in den sechziger Jahren. Einmal wird auch eine Busfahrt unternommen.

Begrüßt wurden die Bierbrauer zu Beginn von Wolfgang Beckers Bruder Horst Becker. Der Ortsbürgermeister hieß die Braumeister, die an diesem Tag mit ihren Frauen angereist waren, in Rönsahl willkommen und machte sie vertraut mit dem Grenzdorf und seiner Umgebung. So erwähnte er, dass Rönsahl als Stadtteil von Kierspe im Märkischen Kreis liege und dieser zu den größten Kreise Deutschlands zähle. Dabei sei die Bevölkerung aber doch stärker ins benachbarte Rheinische orientiert.

Das alte Brennereigebäude sei 1870 errichtet worden. Seitdem sei hier Schnaps aus Weizenkorn destilliert und zu Hochprozentigem aus dem Haus Haase verarbeitet worden. Der Korn sei dann vor allem in der rheinische Nachbarschaft vertrieben worden. 1957 habe die Firma Krugmann das Gebäude erworben und verlagerte alle Brennrechte nach Rönsahl. In der heutigen Braustube habe damals die Dampfkesselanlage gestanden. Wenn gebrannt wurde, sei hier zuletzt 1000 Liter Heizöl pro Tag verbraucht worden. Das Meinerzhagener Unternehmen produzierte in Rönsahl bis 2002, auch im letzten Jahr nochmals 150 000 Liter. Als dann das Branntweinmonopol wegfiel und der Staat nicht mehr die überschüssigen Reste aufkaufte und die Anlagen sich zudem immer mehr als überholungsbedürftig herausstellten, entschied sich die Firma, die Produktion einzustellen. Die Alternative wäre eine Investition von 1,2 Millionen Euro gewesen.

Horst Becker und sein heute 158 Mitglieder zählender gemeinnütziger Verein übernahmen die Brennerei, um daraus ein Dorfgemeinschaftshaus und Veranstaltungszentrum zu machen. Für die Restuarierung und Renovierung flossen Mittel aus der NRW-Stiftung. Unter anderem wurden davon Dach und Schornstein für 140 000 Euro saniert. „Insgesamt stecken mittlerweile aber schon 400 000 Euro an Finanzmittel und an Eigenleistung in dem Objekt“, berichtete Horst Becker, der darauf hinwies, dass die Brennerei genehmigt ist als Veranstaltungsstätte.

Natürlich interessierten sich die Braumeister besonders für den erfolgten Umbau in eine Brauerei, womit Wolfgang Becker seine große Leidenschaft realisierte. Das passierte von 2010 bis 2011. Es gelang von der Kronen-Brauerei in Dortmund ein Sudwerk aus dem Jahr 1925 zu erhalten, das dort abgebaut und in Rönsahl wieder aufgebaut wurde. Außerdem gibt es noch den großen Gärbottich und mehrere Edelstahltanks. Die Lagerkapazitäten hat Wolfgang Becker immer weiter ausgebaut, so dass jetzt 6000 Liter in Tanks zur Verfügung stehen. Nochmals für die gleiche Menge steht er bereits in Verhandlungen. Daneben wird das Bier noch in Zwei-Liter-Flaschen und Fässer mit 10, 30 und 50 Liter Inhalt gefüllt.

Rolf Haase

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