Nitratwert in der Kerspe-Talsperre sehr gering

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Betriebsleiterin Friederike Mürkens (links) und ihre Kollegin Alexandra Preuß-Ochel sind mit der Wasserqualität in der Kerspe-Talsperre zufrieden. Doch darin sehen sie keinen Grund, ihre Bemühungen um eine noch bessere Qualität zu reduzieren.

Kierspe - Die in der Kerspe-Talsperre festgestellten Nitratwerte sind seit Jahren rückläufig und haben mittlerweile einen Wert erreicht, der wohl kaum noch weiter abzusenken ist. Interessant dabei ist, dass die Kerspe, über die das Nitrat eingebracht wird, an der Quelle deutlich stärker belastet ist als an der Mündung.

Gerade einmal noch sieben Milligramm Nitrat auf den Liter Wasser wurden im vergangenen Jahr in der Kerspe-Talsperre gefunden. Wie gering dieser Wert ist, wird deutlich, wenn man ihn ins Verhältnis zu dem Grenzwert stellt, denn dieser liegt bei 50 Milligramm pro Liter Wasser. Der Wert zeigt aber auch, dass die nicht nachlassenden Bemühungen der Kooperation zwischen dem Wupperverband und den Landwirten, die Flächen im Einzugsgebiet der Talsperre unterhalten, wirksam sind. Denn vor zehn Jahren lag der Nitratwert noch bei zwölf Milligramm pro Liter. 

Der Verzicht auf Tierhaltung unmittelbar am Bach und ein zehn Meter breiter Schutzstreifen am Ufer, auf dem keine Gülle ausgefahren werden darf, sind nur zwei Maßnahmen, die dazu beigetragen haben, dass ein mittlerweile so niedriger Wert erreicht werden konnte. Ein paar Kilometer weiter, in der Lingese stellt sich die Situation noch ganz anders dar. Auch dort ist man deutlich von dem Grenzwert entfernt, liegt aber bei dem Nitrateintrag deutlich über den Werten der Kerspe-Talsperre. Aber auch dort wollen die Mitarbeiter des Wupperverbandes nicht die Hände in den Schoß legen (siehe unten).

 Doch auch bei den niedrigen Werten, die in der Talsperre ermittelt werden, sind die Mitarbeiter daran interessiert zu erfahren, an welchen Stellen welche Stoffe nachweisbar sind. An den verschiedenen Bächen gibt es deshalb insgesamt 16 Stationen, an denen Proben entnommen werden. Je nach Entnahmestelle erfolgt die Beprobung einmal im Monat oder auch nur einmal im Quartal. Das Wasser der Talsperre wird 14-tägig untersucht. 

Dort wird dann mit einer Probe Wasser in verschiedenen Tiefen entnommen. „In erster Linie überprüfen wir dort die Schichtung und kontrollieren, welche Algen in welcher Dichte vorhanden sind – und auch wie viel Zooplankton vorhanden ist“, erklärt Betriebsleiterin Friederike Mürkens. Die Ergebnisse aus der Probenentnahme führen dann unter anderem dazu, bestimmte Fische verstärkt einzusetzen, um das ökologische Gleichgewicht in dem künstlichen See zu gewährleisten. Das Wasser der Sperre wird genau wie die Proben aus den 16 Entnahmestellen an den Bächen vom Bergischen Wasser- und Umweltlabor in Wuppertal untersucht. „Klar ist, dass wir in keinem Bereich dramatische Werte nachweisen können“, so Mürkens.

Auf dem Weg von der Quelle zur Kerspe-Talsperre reduziert sich der Nitratgehalt in der Kerspe – obwohl der Bach durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet fließt.

Ein entscheidender Marker ist dabei die Untersuchung auf Koffein, denn dieses kann nur menschlichen Ursprungs sein, und zeigt – bei geringen Untersuchungskosten – an, wenn es Probleme mit dem Kanalnetz gibt. Mürkens: „Da merken wir schon die Bemühungen der Stadt bei der Sanierung des Kanalnetzes.“ 

Trotzdem würde auch noch nach vielen weiteren Stoffen gesucht – und oft auch Einträge in geringer Höhe gefunden. So gibt es einen Bach, der eine erhöhte – wenn auch deutlich unter den Grenzwerten liegende – Phosphorfracht mit sich führt. Aber auch Medikamente werden in geringer Konzentration gefunden – allerdings nur in zwei Bächen. Für das Labor sind solche Funde auch immer ein Beweis, dass es Probleme mit dem Kanalnetz gibt. Ein Grund, warum solche Auffälligkeiten auch immer an die Stadt weitergeben werden. Mürkens: „Es kann aber auch sein, dass mit dem Kanal alles in Ordnung ist und es sich um einen Fehlanschluss einer Toilette handelt oder diese gar nicht ans Kanalnetz angeschlossen ist.“ Ein Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den Pflanzenschutzmitteln. Nach 42 von ihnen wird standardmäßig im Labor gesucht. „Dabei zeigt sich, dass die Stadtbewohner deutlich unsachgemäßer mit den Pflanzenschutzmitteln umgehen als die Landwirte“, erklärt Mürkens. Gefunden werden aber auch Flammschutzmittel oder Stoffe, die über den Reifenabrieb und dann mit dem nächsten Regen im Bach landen. 

Generell können Starkregenereignisse die Konzentration der eingebrachten Stoffe steigen lassen. So auch bei dem schon erwähnten Koffein. Mürkens: „Das könnte beispielsweise bei Starkregen von einem Komposthaufen in den Bach gespült werden.“ Damit diese Gefahr beim Nitrat gering bleibt, gibt es die bereits erwähnten Schutzstreifen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Konzentration an der Quelle deutlich höher ist. Auch wenn es keine genauen Untersuchungen dazu gibt, vermutet die Betriebsleiterin, dass das Grundwasser, das in Kierspe als Quellwasser die Kerspe begründet, durch eine jahrzehntelange Belastung stärker kontaminiert ist. Über den Verlauf des Baches – auch und vor allem durch landwirtschaftliches Gebiet – nimmt die Konzentration ab. Für Mürkens ein weiterer Beweis für das Funktionieren der Kooperation.


Kooperation auch im Gebiet der Lingese

Die Kooperation zwischen Wupperverband und Landwirten im Einzugsgebiet der Kerspe-Talsperre ist ein Erfolgsmodell. Da liegt es nahe, dieses auch auf die anderen Gewässer des Wupperverbandes auszuweiten. Zuständig dafür ist Alexandra Preuß-Ochel. Derzeit verstärkt diese ihre Bemühungen im Bereich der Lingese. Bei diesem künstlichen See handelt es sich um eine Brauchwassertalsperre, die in erster Linie dem Hochwasserschutz dient, aber auch der Regulierung von Wipper beziehungsweise Wupper. Doch die Lingese ist auch ein EU-Badegewässer. Und diesen Status möchte der Verband gerne beibehalten. Vor allem aber soll es nach Möglichkeit nie wieder zu einem Badeverbot kommen, wie das 2012 und 2013 der Fall war. Problematisch ist bei der Talsperre allerdings ihre Größe. Dort werden nur 2,6 Millionen Kubikmeter Wasser bei Vollstaus gesammelt, in der Kerspe sind das 14,92 Millionen Kubikmeter. „Bei Niedrigwasser wirken sich Starkregenereignisse, die dann viel Eintrag bringen ganz anders aus“, erklärt Preuß-Ochel. Allerdings stehen der Mitarbeiterin des Wupperverbandes viel weniger Fördergelder zur Verfügung, um im Rahmen einer Kooperation tätig werden zu können als im Bereich der Kerspe-Talsperre. Doch Preuß-Ochel sieht gute Chancen auch mit weniger Geld einiges für die Qualität der Lingese zu erreichen: „Wir legen den Schwerpunkt auf den Pflanzenbau, um den Stickstoff zu fixieren und Erosion zu vermeiden. Auch versuchen wir die Landwirte dazu zu bringen, die Tiere durch Zäune von den Ufern der Bäche fernzuhalten. Das kostet nicht viel, ist aber sehr effektiv.“ Preuß-Ochel trifft bei ihren Bemühungen nach eigenen Angaben auf sehr gesprächsbereite Landwirte, „vor allem weil ja auch etliche im Einzugsgebiet der Lingese Flächen haben, die auch im Einzugsgebiet der Kerspe-Talsperre tätig sind“. Und auch wenn der Verbandsmitarbeiterin natürlich sehr daran gelegen ist, alle Schadstoffe zu reduzieren, liegt das Augenmerk auf der Reduzierung der Kolibakterien (E.coli). Denn nur, wenn diese vom Bach ferngehalten werden können, lässt sich die Qualität des Wassers garantieren. Überprüft wird die Qualität des Talsperrenwassers nicht nur vom Labor des Verbandes, sonder, da es sich um ein EU-Badegewässer handelt, auch vom Gesundheitsamt.


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