Stadtplaner Feltens geht in den Ruhestand

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Bürgermeister Frank Emde übergab bei der Feier im Kollegenkreis Blumen an Stadtplaner Peter Feltens.

KIERSPE ▪ Gerade erst waren Kierspe im Jahr 1969 Stadtrechte verliehen worden, als sich der damalige Bürgermeister Helmut Lemmer und Amtsbaumeister Rudolf Richter darum bemühten, den Bereich Planungen zu intensivieren. Ihre Absicht war, die Stadtentwicklung in der Volmestadt in geordnete Bahnen zu lenken. Sie suchten und fanden dafür Fachmann Peter Feltens.

Der junge Vermessungstechniker Peter Feltens schien aus ihrer Sicht bestens geeignetet, zumal er ein Ur-Kiersper war. „Die beiden animierten mich damals zu der Bewerbung“, erinnert sich Feltens an die Zeit, als er am 1. Januar 1970 seinen Dienst in der Verwaltung anfing.

Feierstunden am letzten Abreitstag

Gestern nun hatte er nach insgesamt 45 Jahren im öffentlichen Dienst seinen letzten Arbeitstag, er geht nun in die Altersteilzeit und scheidet somit aus. In der Gaststätte Zur Post im Dorf gab er bei einer Feier zusammen mit den Kollegen und seiner Frau Christa seinen Ausstand. Bürgermeister Frank Emde betonte, nachdem er den beruflichen Werdegang von Feltens Revue passieren gelassen hatte, dass dieser die insgesamt positive Stadtentwicklung Kierspes über Jahre begleitet und er zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger gewirkt habe.

Bordinghausen und Gewerbegebiet Wildenkuhlen

„Mit dem Bereich am Arney, Bordinghauser Weg und dem Gewerbegebiet Wildenkuhlen gab es damals gerade drei einmal Bebauungspläne“, schildert Feltens seine Anfangszeit bei der Stadtverwaltung. Er leistete anschließend wahre Pionierarbeit in der Kommune, denn mittlerweile gibt es 80, die größtenteils wirksam oder aber auch noch im Verfahren sind.

In der Entbindungsklinik Wernscheid zur Welt gekommen

Feltens, der 1946 in der Entbindungsklinik von Dr. Hans Wernscheid wie früher fast alle Kiersper und auch viele Meinerzhagener geboren wurde und nach Absolvieren des Gymnasiums in Wipperfürth eine Lehre als Vermessungstechniker beim alten Kreis Altena im Katasteramt Meinerzhagen gemacht hat, legte dann die Prüfung als staatlich geprüfter Vermessungsingenieur beim Regierungspräsidium Arnsberg ab.

Reizvolle Aufgabe

Er ging damals sehr gerne zur Stadt, denn er empfand die ihm gestellte Aufgabe als überaus reizvoll. Zuvor war er in dem Bereich auch schon während seiner Soldatenzeit tätig gewesen, als er in der Topographiekompanie in Münster den Einsatz modernster Messgeräte kennenlernte. Nur ganz kurz schloss sich daran nochmals eine Zeit im Katasteramt an. Er war bei der Stadt Kierspe zunächst dem Bauamt zugeordnet, später dann dem Dezernat 2 unter dem damaligen Beigeordneten Dr. Wolfgang Ligges und Heinrich Hüther als Bauamtsleiter.

25. Stadtplaner in NRW

Ein Siegelstempel weist Feltens als 25. Stadtplaner im Land Nordrhein-Westfalen aus. Heute gibt es unzählige, aber 1994 war er einer der ersten. Schon lange zuvor hatte Feltens sich weiterqualifiziert, als er von 1978 bis 1980 ein berufsbegleitendes Studium an der Universität Gesamthochschule Siegen ablegte. Aufgrund seiner Vorbildung konnte er im vierten Semester einsteigen und studierte die Fächer Stadtbaulehre, Stadtbaugeschichte und Stadtplanung.

Flächennutzungsplan

Eine große Aufgabe kam auf ihn zu, als er seit Anfang der siebziger Jahren am ersten Flächennutzungsplan mitarbeitete, in dem die Kommune ihre Entwicklung vor dem Hintergrund der landesplanerischen Zielsetzungen darzulegen hatte. Eine konzeptionelle Ortsentwicklung auf der Grundlage gesetzlicher Bestimmungen und Vorgaben hatte es bis dahin in dieser Form nicht gegeben. 1977 trat der erste FNP dann nach einem fünfjährigen Verfahren in Kraft. Daraus entwickelten sich unter anderem Wohngebiete wie Kalberkamp, Mühlenberg und Reithalle. In den 70er und 80er Jahren boomte die Entwicklung in der Volmestadt förmlich.

Bemühungen um den Ortsteil Kierspe-Bahnhof

„Auch den wieder sehr langwierigen Prozess für den zweiten Flächennutzungsplan, der 2000 wirksam wurde, habe ich verantwortlich begleitet“, berichtet er und verweist darauf, dass sich in den vielen Jahren, die er bei der Stadt sei, Kierspes Struktur stark gewandelt habe: Die Ortsteile Dorf und Bahnhof seien im Zuge der forcierten Bemühungen um eine Zentrumsbildung zusammengewachsen. Wesentlich dafür war aus Sicht von Peter Feltens der Umzug und die Zentralisierung der Verwaltung in den früheren Räumen der Firma Knipping, die ins Industrie- und Gewerbegebiet Wildenkuhlen verlagert worden war, sowie außerdem der Sparkassenneubau nach einem Architektenwettbewerb.

Die Baugebiete Padberg, der gesamte Bereich entlang der Thingslindestraße, der vier Baugebiete mit 200 Häusern umfasst, und das Gebiet Westlich Höferhof seien später hinzugekommen. Zudem habe Kierspe mit seinen Außenbereichssatzungen, durch die auch dort eine geordnete Entwicklung ermöglicht wurde, im Regierungsbezirk eine Vorreiterrolle eingenommen, wie der scheidende Stadtplaner rückblickend betont.

Schwierige Verfahren bei Anlage des Golfplatzes

Extrem schwierige Verfahren und ziemlich turbulente Zeiten, so erinnert sich Feltens, folgten im Zusammenhang mit der Anlage des Golfplatzes und seiner späteren Erweiterung auf 18 Löcher, die wegen des neu aufkommenden und damals elitär geltenden Sports ein richtiges Politikum in Kierspe waren, ebenso mit den Vorrangflächen für Windkraftanlagen, die letztlich dem Vorkommen des unter Schutz stehenden Schwarzstorchs zum Opfer fielen, und auch mit der Ausweisung der verschiedenen Umgehungstrassen.

Fachmarktzentrum Wildenkuhlen

Eines der wichtigsten Projekte in der jüngeren Vergangenheit war aus Sicht des scheidenden Stadtplaners das Fachmarktzentrum Wildenkuhlen, zumal dieser Bereich im Herzen der Stadt wegen der schwierigen Eigentumsverhältnisse lange brach gelegen hatte. Doch dann sei endlich der Durchbruch erzielt worden.

Wanderparkplätze im Naturpark Ebbegebirge

„Im Rahmen des Naturparks Ebbegebirge konnten wir viel Geld nach Kierspe holen, um die Wanderparkplätze Schnörrenbach, Höhlen, Dürenerhaus und Elbringhausen zu gestalten und die Waldgebiete rund um Kierspe zu möblieren. So wurden Bänke und Hütten und sogar Trimmgeräte aufgestellt“, sagt Feltens, der unter Stadtdirektoren wie Wolfgang Barthold, Helmut Brockmeier, Manfred Lipphardt und Heinrich Hüther gearbeitet hat und dann unter den hauptamtlichen Bürgermeistern Jochen Timpe und Frank Emde. Er gehörte zuletzt zu den Mitarbeitern, die am längsten bei der Verwaltung waren.

Wohnqualität weiter steigern

Peter Feltens hat immer gerne bei der Stadt gearbeitet. Denn es hat ihm Spaß gemacht, etwas mit am Rädchen der Kiersper Stadtentwicklung drehen zu können. Perspektivisch sieht er für die Zukunft die Hauptaufgabe darin, in Kierspe die Wohnqualität und Attraktivität in den bestehenden Wohnbereichen weiter zu steigern. Besonders im Bereich Bahnhof bestehe da Nachholbedarf. Mit dem neuen Baugebiet Östlich Rathaus sei Entwicklungsraum zur Genüge vorhanden. Auch unterstützt er das Zusammenwachsen der beiden Städte Kierspe und Meinerzhagen. Jetzt plant er mit seiner Frau zu reisen und will natürlich weiter den Geheimnissen des Hüllochs und der Schanhollen nachspüren. ▪ rh

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