Besinnen auf die „gute alte Zeit“

Stadtbibliothek Kierspe wegen Coronavirus geschlossen, aber Ausleihe geht weiter

+
Christa Meißner (links) und Dagmar Henkel demonstrieren das gegenwärtige Ausleihverfahren. Klebebänder auf dem Fußboden markieren, bis wohin die Leser gehen dürfen.

Kierspe - Die Stadtbibliothek ist wegen des Coronavirus geschlossen, aber die Ausleihe geht weiter.

Weil die Einrichtung im Gebäude der Gesamtschule zurzeit nicht betreten werden darf, besannen die Mitarbeiterinnen sich auf die „gute alte Zeit“, die sie indes selbst nicht mehr miterlebt haben.

Freihandbibliotheken, in denen die Nutzer sich die Bücher aus dem Regal nehmen können, gibt es seit den 1950er-Jahren. Bis dahin suchten sie sich ihren Lesestoff aus Katalogen und Karteien zusammen.

 Das Bibliothekspersonal reichte die Bücher dann über den Tresen und nutzte – je nach persönlichem Engagement – die Situation für ein literarisches oder auch pädagogisches Gespräch. „Haben Sie das schon mal gelesen?“ oder „Nein, dieses Buch ist noch nicht geeignet für Jugendliche. Das kann ich dir nicht geben.“ Die Zeiten sind lange vorbei, Kommentare zu ihren Lektürevorlieben brauchen sich heutige Leser nicht mehr anzuhören. Aber die Titelkenntnis und Berufserfahrung des Bibliothekspersonals wissen sie sehr zu schätzen und die ist in Zeiten von Corona gefragter denn je. 

+++ hier geht es zum News-Ticker Coronavirus MK +++

+++ hier geht es zum News-Ticker Coronavirus NRW +++

Stadtbibliothek Kierspe: So läuft die Ausleihe zu Corona-Zeiten

Die Nutzer können jeweils dienstags und freitags in der Stadtbibliothek und montags in der Zweigstelle Rönsahl anrufen und ihre Wünsche telefonisch durchgeben. „Vor allem Stammkunden nutzen diesen Service“, sagt Christa Meißner und hält zusammen mit ihrer Kollegin Dagmar Henkel damit die literarische Grundversorgung aufrecht. 

Das ist zeitaufwendig: Während die eine am Telefon Wünsche entgegennimmt, läuft die andere an den Regalen entlang und sucht die Bücher zusammen. Je nach Größe der Familie können dabei schon mal richtige Stapel zusammenkommen. Längst nicht alle Leser haben konkrete Wünsche, viele lesen themenbezogen, Krimis, Familienromane oder Biografien. Gar nicht so selten kommt auch der Satz: „Sie wissen doch, was ich gerne lese.“ 

Coronavirus in Kierspe: Weg der Leser endet an der Eingangstür

Meist wissen Dagmar Henkel und Christa Meißner das tatsächlich. Wenn die Leser dann kommen, um die Bücher abzuholen, endet ihr Weg an der Eingangstür. Dort steht ein Tisch, auf den die Bücher gelegt werden; persönlicher Kontakt findet nicht statt. Alternativ kann aber auch digital gelesen werden. Das ist nicht neu, schon seit Jahren können die Nutzer sich ihren Lesestoff auf ein E-Book laden. 

Jetzt vertreiben sich manche die Zeit am Laptop mit der digitalen Version von Tageszeitungen und Zeitschriften, andere haben das „E-Learning“ entdeckt. Weil auch die Volkshochschule ihr Kursprogramm auf Null heruntergefahren hat, können digitale Angebote einen Ersatz bieten. Dazu gehören Sprachkurse, Anleitungen zum Fotografieren und jede Menge Programmiersprachen. Der Kursus „Burn-out vermeiden“ bekommt in Zeiten von Corona eine ganz andere Bedeutung, während „Einfallsreichtum entwickeln“ darauf abzielt „nützliche und einzigartige Lösungen zu finden“. Das Angebot der Bibliothekarinnen ist vielleicht nicht einzigartig, aber bestimmt nützlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare