Stadt, Schule und Kirche feiern

Drei große Jubiläen in Kierspe in diesem Jahr

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Die Gesamtschule Kierspe feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag.

Kierspe - Runde Geburtstage sind immer etwas Besonderes – vor allem, wenn sie dann auch noch zu einem echten Jubiläum werden. Solche Jubiläen werden in diesem Jahr aus Anlass der Geburtstage der Stadt Kierspe, der Gesamtschule und der Margarethenkirche gefeiert.

Wie kann es sein, dass eine Tausend Jahre alte Stadt und eine mindestens 900 Jahre alte Kirche ihren 50. beziehungsweise 200. Geburtstag feiern? Damit Kierspe zur Stadt wurde und zu ihrer heutigen Größe kommen konnte, musste erst einmal der Landtag NRW ein entsprechendes Gesetz erlassen. 

Am 18. Dezember 1968 verabschiedete dieser das „Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Altena und der kreisfreien Stadt Lüdenscheid“. Inkraftgetreten ist es am 1. Januar 1969. „Die Gemeinde Rönsahl und Gebiete der Gemeinde Lüdenscheid-Land werden in die Gemeinde eingegliedert, welche gleichzeitig zur Stadt erhoben wird. Sie ist Rechtsnachfolgerin des aufgelösten Amtes Kierspe“, heißt es im Gesetz. 

13.384 Einwohner im Jahr 1970 in Kierspe

Ein paar Jahre später, nämlich 1975, gab es eine weitere Gebietsreform. Durch das sogenannte Köln-Gesetz wurden dann noch Gemeindeteile an Marienheide und Wipperfürth übertragen, auf der anderen Seite gab es aber auch Gebiete für Kierspe, die ehemals zu Wipperfürth gehörten. So wurde die Teilung Wilbringhausens aufgehoben. Diese Ortschaft ging komplett an Marienheide. Dafür ging unter anderem der Ortsteil Neuenhaus, zu dem auch Teile des Grenzweges, Feldhof und Meienborn gehörten, an Kierspe.

Nach der Neugliederung zählte Kierspe 1970 genau 13.384 Einwohner – und damit gut 3000 weniger als heute.

Mit der Stadtwerdung begann auch in bildungspolitischer Hinsicht eine ganz neue Zeitrechnung in Kierspe. Denn wer bis 1969 eine weiterführende Schule besuchen wollte, musste die Grenzen der heutigen Stadt verlassen. 

Große Einigkeit beim Thema Gesamtschule

Mit Gründung des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen 1962 und des Anne-Frank-Gymnasiums Halver 1965 waren die Wege zwar nicht mehr so weit, doch zufrieden waren die Kiersper mit dieser Lösung nicht. Trotzdem war beschlossen worden, im Bereich Felderhof zwei neue Hauptschulen zu bauen, eine evangelische und eine katholische. 

Als dann ein Standort für die erste ländliche Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen gesucht wurde, griffen die Kiersper Politiker zu. Und während im ganzen Land die Haltung zur Gesamtschule Konservative und Sozialdemokraten trennte, herrschte in Kierspe immer große Einigkeit zwischen den Parteien, wenn es um die neue Schule ging.

In der Folge der Neugründung änderte sich auch Kierspe stark. Viele Lehrer entschieden sich damals bewusst für eine Tätigkeit an der Gesamtschule und zogen aus der gesamten Republik ins beschauliche Sauerland. So trafen linke Süddeutsche auf in der Studentenbewegung in Berlin sozialisierte und politisierte Lehrer aus Berlin. In dieser Zeit wurde Kierspe für etliche Jahre zu einem Taktgeber der Gesamtschulpolitik in NRW und ist bis in Fachkreisen weit über die Grenzen hinaus bekannt. 

Die Schule wirkte damals mit ihrem Ganztagsunterricht und ihrem neuen Konzept aber auch in die unmittelbare Nachbarschaft. So kamen viele Schüler aus Lüdenscheid, Meinerzhagen, Halver, und auch aus dem Oberbergischen Kreis nach Kierspe. Geschätzt wurde die Schule in den Jahrzehnten ihres Bestehens von mehr als 60 000 Schülern besucht.

Kirchengebäude samt Turm 1819 festiggestellt

Wie viele Menschen ihren Fuß in die Margarethenkirche gesetzt haben, weiß niemand. Denn die Kirche stand schon zu einer Zeit, in der kaum jemand schreiben konnte – und die, die es konnten, führten keine Statistiken über Kirchenbesuche.

Klar ist, dass es bereits vor dem Jahr 1147 in Kierspe eine Kirche gab, denn in diesem Jahr bestätigte Papst Eugen III die Existenz des Gebäudes. Wie diese Kirche ausgesehen hat, ist unbekannt. Sicher ist nur, dass sie den gleichen Standort hatte wie das heutige Gotteshaus. Klar ist hingegen, dass die heutige Kirche um das Jahr 1330 herum gebaut wurde. Allerdings gingen die Kiersper nicht immer sehr pfleglich mit ihrer Kirche um. So war sie im frühen 19. Jahrhundert in einem solch schlechten Zustand, dass der Turm abgebrochen werden musste – und auch das Dach war mehr als beschädigt.

Durch den Einsatz des Landbaumeisters in der Grafschaft Mark Phillip Leonhard Pistor bekam Kierspe damals die bis heute auffällige Dachkonstruktion und die markante Zwiebel auf dem Turm. Begonnen wurde mit der umfangreichen Sanierung des Gebäudes und dem Neubau des Turms bereits 1815. Doch Missernten und beständig schlechtes Wetter verzögerten ein Jahr später die Arbeiten. 

Letztlich wurde das Gebäude samt Turm im Jahr 1819 fertiggestellt. „Jetzt war die Kirche auch evangelisch“, formulierte es der ehemalige Heimatpfleger Hans Ludwig Knau im Gespräch mit der MZ – und begründete seine Aussage mit den baulichen Veränderungen: „Man hatte beim Neubau der Kirche alle Säulen entfernt, damit von jedem Sitzplatz aus der Pfarrer auf der Kanzel gesehen werden konnte.“

Wann wird gefeiert?

Eine Feierstunde aus Anlass des 50. Stadtgeburtstages findet am Mittwoch, 10. Juli, ab 18 Uhr im Rathaus statt. Die Schule feiert das halbe Jahrhundert ihres Bestehens mit mehreren Festen. Los geht es am 23. Februar mit einer Party des Fördervereins (siehe Infokasten) und einem Festtag am Samstag, 28. September. Die Kirchengemeinde schließt dann die Feierlichkeiten in diesem Jahr am Sonntag, 6. Oktober, ab. Dann wird nicht nur das Erntedankfest gefeiert, sondern auch ein sogenanntes Zwiebelturmfest.

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