Zuschuss: 13 Euro pro Toilettengang

+
Seit mehr als zwei Jahren ist die Toilettenanlage am ZOB in Kierspe in Betrieb. Vor allem die Busfahrer freuen sich über den Bau des Toilettenhäuschens. Ansonsten wird die Anlage von durchschnittlich zwei Nutzern am Tag aufgesucht.

Kierspe - Wer sich in entsprechender Not befindet, für den ist eine Toilette in der Nähe unbezahlbar. Unbezahlbar ist ein Besuch der Toilette am ZOB in Kierspe nicht, dafür aber sehr teuer für den Kämmerer der Stadt. Je nachdem, wie man rechnet, zahlt die Stadt bis zu 13 Euro für jeden Toilettenbesuch dazu. Bis vor Kurzem war es noch mehr.

„Die Toilette hier ist schon Gold wert“, da ist sich der MVG-Busfahrer sicher. Denn längst ist es nicht selbstverständlich, dass er auf seiner Tour durch den Märkischen Kreis einen Ort findet, in dem er verschwinden kann, wenn es dringend notwendig ist. Im Volmetal sieht es für die Busfahrer gar nicht so schlecht aus, wenn sie auf der Suche nach einem stillen Örtchen sind. Denn auch in Meinerzhagen befindet sich auf dem Gelände des Busbahnhofs eine öffentliche Toilette.

Vorteilhaft für die Busfahrer, sie haben einen eigenen Schlüssel, mit dem sich die Türe öffnet, auch wenn nicht die 50 Cent eingeworfen wurden, die für den Toilettengang eigentlich bezahlt werden sollen. Gleiches gilt auch für Menschen mit Behinderung, die sich im Besitz eines Schlüssels befinden, mit dem sie in ganz Europa Toiletten öffnen können. Alle anderen zahlen die erwähnten 50 Cent. Aus diesem „Eintrittsgeld“ lassen sich auch Rückschlüsse auf die Nutzung des stillen Örtchens ziehen. „Demnach wird die Toilette zwei Mal am Tag genutzt. Wie oft sie von Busfahrern und Menschen mit Behinderung aufgesucht wird, wissen wir aber nicht“, erzählt Rainer Schürmann vom Sachgebiet Bauverwaltung und Planung sowie Gebäudemanagement.

Schürmann macht aber auch klar, dass die 50 Cent nicht dazu gedacht sind, die Anlage auskömmlich zu betreiben. Vielmehr solle der „Eintritt“ verhindern, dass die Tür der Anlage einfach offen stehe. So sollen im Inneren Vandalismusschäden verhindert werden. Denn trotz der vandalismushemmenden Bauweise ist das Gebäude am ZOB nicht ganz von solchen Angriffen verschont geblieben. Erst vor einiger Zeit ist es gelungen, von außen eine der Scheiben so zu attackieren, dass diese ausgetauscht werden musste.

Rund 110 000 Euro hat die Stadt vor etwas mehr als zwei Jahren für die Errichtung der Anlage ausgegeben. Dazu kamen in den ersten beiden Jahren noch Wartungs- und Reinigungskosten in Höhe von 15 000 Euro jährlich.

Da es sich bei dem Bau um ein Regionale-Projekt handelte, bekam die Stadt Zuschüsse in Höhe von 90 Prozent. Gleiches galt auch für die Wartungs- und Reinigungskosten. Doch für letztere Position wurde der Zuschuss nur für zwei Jahre gewährt. „Wir haben versucht, eine andere Firma zu finden, die diese Aufgaben für weniger Geld übernimmt. Doch das ist uns nicht gelungen“, erzählt Schürmann und schiebt nach, dass die Stadt dieses Schicksal mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW teile, der zahlreiche dieser Anlagen betreibe und ebenfalls keinen anderen Betrieb gefunden habe.

Schürmann: „Wir haben aber das Reinigungsintervall verlängert, sodass wir nun jährlich nicht mehr 15 000, sondern 10 000 Euro zahlen müssen.“

Legt man die beiden „bezahlten“ Toilettengänge zugrunde, die statistisch jeden Tag erfolgen, hat sich die Bezuschussung eines jeden Toilettenbesuchs von mehr als 20 Euro auf die schon erwähnten mehr als 13 Euro reduziert. Wohl gemerkt, dass dabei die Toilettenbesuche von Busfahrern und Menschen mit Behinderung nicht gezählt werden. Eine weitere Reduktion der Kosten pro Besuch dürfte sich ergeben, wenn auch der Bahnhof Ende des Jahres genutzt werden kann. An den Gesamtkosten ändert sich dadurch natürlich nichts.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare