Das Jahr 2014: Förster zieht Bilanz

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Förster Uwe Treff (links) findet dank seines neuen stabilen Tablet-Computers auch die Grundstücksgrenzen der Waldbesitzer schnell. Mit im Bild der Praktikant Kevin Rees.

Kierspe - Keine Stürme, keine Borkenkäferplage, kein Stress für die Bäume durch Trockenheit und stabile Holzpreise – das vergangene Jahr kann der Kiersper Förster Uwe Treff wohl mit dem Vermerk „Keine besonderen Vorkommnisse“ versehen.

Von Johannes Becker

Normalerweise bekommen die meisten Menschen nicht viel mit von der Arbeit im Wald mit. Hundebesitzer und Wanderer hören hier und da mal die Motorsäge zwischen den Bäumen, manchmal wird ein Lastzug mit Holz gesichtet oder Spaziergänger ärgern sich über einen zerfahrenen Weg. Doch im vergangenen Jahr wurde die Forstarbeit für viele Kiersper hör- und für manchen auch spürbar. Denn ein Hubschrauber drehte im Oktober seine Kreise über Teilen des Waldes der Volmestadt, um diesen – oder besser gesagt, den Boden auf dem dieser steht – zu kalken. Knapp 100 Hektar der Forstbetriebsgemeinschaft Kierspe-Rönsahl waren in die Aktion einbezogen. Ziel der Maßnahme war, den Säureeintrag in den Boden abzupuffern.

Sturmschäden mussten gezielt gesucht werden

Ansonsten blieb es ruhig im Wald. Lediglich der Sturm Ela, der im Ruhrgebiet auch in Böen Orkanstärke erreichte, war in Ausläufern auch im Sauerland zu spüren. „Wir mussten die Sturmschäden aber gezielt suchen, so wenig haben wir davon mitbekommen“, erinnert sich Förster Uwe Treff.

Auch auf den Holzpreis hatte dieses Schadensereignis keinen Einfluss. Diese liegen nach wie vor bei rund 100 Euro für den Festmeter Fichte – und auf diesem Niveau haben sie sich auch das gesamte vergangene Jahr gehalten. „Die Ursache für den hohen Preis ist in dem wenigen Holz zu suchen, das sich derzeit auf dem Markt befindet“, so Treff. Die Ursache dafür sieht er in dem Verhalten der Waldbauern: „Bei den niedrigen Zinsen sehen sie keinen Grund, ihren Wald zu Geld zu machen. Deshalb halten sich viele mit dem Einschlag sehr zurück.“

Kein Wassermangel im Sommer

Der Wald selbst wurde aber nicht nur von Stürmen verschont, sondern auch von anderen besonderen Einflüssen. Treff: „Auf Trockenphasen folgten immer wieder Zeiträume mit viel Niederschlag. Dadurch bekam der Wald keinen Stress durch Wassermangel. Das hat für enormes Wachstum gesorgt. Und auch die Borkenkäfer hätten sich sehr zurückgehalten. „Wir haben zwar etliche kleine Stellen gehabt, die betroffen waren. Doch dabei handelte es sich immer nur um ganz wenige Bäume.“ Auffällig sei nur gewesen, dass der Befall immer sehr plötzlich aufgetreten sei.

Eine Besonderheit des Jahres sei der milde Winter mit seinen wenigen Frostnächten gewesen. „Da hat sicher manches Insekt überlebt, das sonst den Winter in der Region nicht übersteht“, so der Förster rückblickend.

Zeit für Nachwuchsförderung

Bei solch einem Jahr blieb Zeit für die Nachwuchsförderung. Gleich zwei „Drei-Monats-Praktikanten“ hatte der Förster, dazu noch zwei Anwärter, die ebenfalls Praxiserfahrung in den Wäldern der Volmestadt sammelten.

Dabei konnten sie dem Förster über die Schulter schauen, der mit einem sogenannten Toughpad im Wald unterwegs war. So macht die Digitalisierung auch vor diesem Beruf nicht halt. Alle Kataster- und Waldbesitzerdaten sind auf dem stoß- und wetterfesten Tablet-Computer gespeichert.

Dank des eingebauten GPS lassen sich so die Grenzen der Waldgebiete, die rund 180 Waldbesitzern im Revier gehören, deutlich leichter erkennen. Wobei der Anblick des mitten im Wald surfenden Försters gewöhnungsbedürftig ist.

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