Sport als Integrationshelfer in Kierspe

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Trainer Mike Pielhau gibt die Übungen im Training vor und seine Mannschaft und Bailou versuchen die Vorgaben umzusetzen. Hier geht es um die Verbesserung des Dribbelns.

Kierspe - Seit eineinhalb Jahren lebt Bailou in Kierspe. Der Flüchtling aus Guinea ist aber noch immer sehr still und zurückhaltend, bemüht sich wenig aufzufallen. Das ändert sich allerdings an zwei Abenden in der Woche, wenn der 28-Jährige am Basketballtraining des TSV Kierspe teilnimmt.

Für rund 90 Minuten kann Bailou die schrecklichen Erlebnisse der Vergangenheit vergessen und hin und wieder huscht sogar ein Lächeln über sein Gesicht. „Bailou gehört bei uns zu den Trainingsfleißigsten, ist eigentlich immer da“, sagt TSV-Coach Mike Pielhau. Weil der 28-Jährige den Ball kaum aus den Händen lege, hat ihm der Verein ein eigenes Spielgerät geschenkt. „Jetzt ist er außerhalb der Trainingstage fast immer auf der Außenanlage vor der Halle zu finden“, so Pielhau.

"Das Training macht großen Spaß"

Seit etwa drei Monaten trainiert Bailou beim TSV mit und ist vom dem Sport, mit dem er zuvor in Guinea noch nie etwas zu tun hatte, schon völlig begeistert. „Mir gefällt es hier sehr gut. Das Training macht großen Spaß“, erzählt der Flüchtling in noch brüchigem Deutsch. Zwar lernt Bailou die Sprache mit Hilfe der Mitglieder des Arbeitskreises Flüchtlinge derzeit fleißig und mache auch große Fortschritte, aber Verständigungsschwierigkeiten gebe es hin und wieder noch, sagt Pielhau. „Das ist aber kein Problem. Bailou lernt viel durch Abgucken und wir verständigen uns mit Händen und Füßen. Ansonsten nimmt ihn jeder auch mal an die Seite und zeigt ein paar Sachen. Bailou ist bei uns längst voll integriert und ich bekomme nur positive Rückmeldungen aus der Mannschaft. Er ist für uns ein Neuling wie jeder andere auch, der Basketball lernen möchte“, berichtet Pielhau.

Spielerpass soll beantragt werden

Dabei macht der Guineer große Fortschritte. Er setze viele Vorgaben im Training schneller um als einige Muttersprachler im Kader, heißt es von seinem Coach. Deshalb soll in Kürze sein Spielerpass beantragt werden, damit Bailou ab September auch in der Meisterschaft für den TSV auf Korbjagd gehen kann.

„Kümmerlinge“ stellen den Kontakt her

Zum Verein gebracht hat den Guineer Marita Fuchs von den „Kümmerlingen“ des Arbeitskreises Flüchtlinge, die ehrenamtlich die Betreuung des 28-Jährigen übernommen hat. „Wir haben bei den Flüchtlingen nachgefragt, wer gerne Sport machen möchte, und Bailou wollte unbedingt zum Basketball“, erzählt Fuchs, die deshalb Kontakt zum TSV-Vorstand aufnahm und schnell eine positive Rückmeldung erhielt.

Teilnahme am Projekt "Sport für Flüchtlinge"

„Wenn es möglich ist, helfen wir schließlich gerne“, sagt Petra Rosenbach vom TSV Kierspe. So hat sich der Verein für die Teilnahme am Projekt „Sport für Flüchtlinge“ beim Landessportbund beworben und eine Finanzspritze von 500 Euro erhalten. „Damit können wir die Flüchtlinge bei uns beispielsweise beitragsfrei setzen oder sie bei der Sportausrüstung finanziell unterstützen“, sagt Rosenbach.

Interesse an Fußball ist groß

So machen neben Bailou noch weitere Flüchtlinge in der Fußballgruppe des TSV mit, die deshalb mittlerweile allerdings an ihre Kapazitätsgrenzen stoße. Was Marita Fuchs sehr bedauert: „Fast jeder zweite Flüchtling möchte Fußball spielen. Deshalb wäre es super, wenn noch weitere Kiersper Vereine Flüchtlinge aufnehmen würden. Das Interesse ist mittlerweile so groß, dass wir schon fast ein eigenes Flüchtlingsteam aufstellen könnten!“

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