Spezialist für den Bau von Blaswerkzeugen

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Franz-Peter Esser steht bereits seit mehr als 20 Jahren an der Spitze des Blasformenbauers Kremann und Esser. Er hat dafür gesorgt, dass der Betrieb technologisch immer auf der Höhe der Zeit blieb. Daher blickt Esser auch ganz optimistisch in die Zukunft. ▪

KIERSPE ▪ Blasmaschinen finden, wenn möglich, in der Kunststoffindustrie heute immer häufiger Anwendung, weil sich mit ihnen gegenüber dem herkömmlichen Spritzgießverfahren Kosten einsparen lassen und die Herstellung eines Produktes wirtschaftlicher wird.

So sind Blaswerkzeuge in der Regel weniger aufwändig anzufertigen. Für manche Produkte wie beispielsweise die normale PET-Flasche und viele andere Hohlformen gibt es dazu sogar praktisch keine Alternative. Ein Spezialist für Blasformen und den damit verbundenen kompletten Vorrichtungsbau ist das Kiersper Unternehmen Kremann und Esser an der Waldheimstraße, das am 1. Juni auf sein 50-jähriges Firmenbestehen zurückblicken konnte. Es gehört zu den führenden Betrieben in diesem Segment und exportiert in die ganze Welt, unter anderem in die USA, nach Korea, Indien, China, Malaysia oder auch Russland.

Eines der bekanntesten Produkte, die mit Werkzeugen aus Kierspe gefertigt werden, ist das knallrote Bobbycar, das bei kleinen Kindern hoch im Kurs steht. Aber ebenfalls die besonders stabile doppelwandige Thule-Skibox geht auf eine Blaswerkzeugentwicklung von Kremann und Esser zurück. Diese Blasform war mit 17 Tonnen bislang auch das größte, was die Halle verlassen hat. Ansonsten werden Autotanks damit hergestellt, unter anderem der der neuen VW Golf-Generation, des Golf 7, der im nächsten Jahr auf den Markt kommt. Für die Automobilindustrie bestimmt sind zudem die Werkzeuge für Luftkanäle, Einfüll- und Entlüftungsrohre, Heckspoiler oder Hutablagen. Flaschen, Kanister, Fässer, Container und Tanks werden mit den Blasformen von der Verpackungsindustrie hergestellt und Kinderautos, Rutschen und Wurfspiele von der Spielzeugbranche. Renommierte Kunden wie Mauser Verpackungen, Kautex Textron oder auch TI Automotive werden heute von Kremann und Esser beliefert.

Das Prinzip der Blasmaschine ist, dass die Kunststoffschmelze über einen Extruder, Schlauchkopf und eine Düse als Schlauch in das Werkzeug gelangt. Dieser wird dann mit Druckluft aufgeblasen und an die Wände der Form gedrückt, so dass ein Hohlkörper entsteht. Gefragt ist neben dem Know-how des Unternehmens, wie Geschäftsführer Franz-Peter Esser informiert, besonders auch die garantierte hohe Serviceleistung: Nicht nur, dass von der Entwicklung bis zum fertigen Werkzeug häufig bloß sechs Wochen vergehen, höchstens aber 14, sondern auch Lieferungen in maximal 36 Stunden sind überallhin möglich. „Außer vielleicht in ganz wenige Exotenländer“, schränkt der Chef ein. Die Kiersper Produkte werden so per Luftfracht verschickt, was natürlich superchnell geht. Das schätzen die Kunden.

Hinzu kommt, dass die Werkzeuge in enger Zusammenarbeit mit den Auftraggebern gebaut werden und aus dem Grund optimal deren Anforderungen entsprechen. Möglich wird dies durch eine hohe Fertigungstiefe bei Kremann und Esser von 95 Prozent, wo es neben der Konstruktionsabteilung, dem Werkzeug- und Vorrichtungsbau sogar eine eigene Gießerei gibt. Dort wird zurzeit eine sehr dringend benötigte Form für einen Porsche-Tank gefertigt. Die unter Hochdruck laufenden Arbeiten daran schreiten zügig fort.

Die Modellschreinerei wurde inzwischen aufgelöst, weil heute die Konstruktion im CAD-Verfahren komplett am Computer läuft und über diesen dann die CNC-gesteuerten Fräsmaschinen direkt angesteuert werden können.

Das Unternehmen, das von der Straße aus fast etwas unscheinbar wirkt, beschäftigt heute immerhin rund 50 Mitarbeiter. Nach hinten hinaus schließt sich allerdings auch eine langgezogene Halle an, in der ein optimaler Produktionsfluss vorherrscht. Mit einer Fläche von 4500 Quadratmetern ist der Betrieb, wie Esser versichert, für die Zukunft bestens gerüstet. Entscheidend dafür ist aus seiner Sicht jedoch vor allem, dass über die Jahre mit dem technologischen Fortschritt mitgehalten und immer wieder investiert wurde. „Allein in diesem Jahr haben wir wieder 600 000 Euro ausgegeben“, macht der Chef aufmerksam. So wurde unter anderem die bislang größte Maschine angeschafft, in der nun noch größere Werkzeuge als bisher schon gebaut werden können.

Der Umsatz von Kremann und Esser lag im vergangenen Jahr bei 5,5 Millionen Euro. Über das absolute Krisenjahr 2009 brauche man, so Esser, nicht zu reden, wobei er dann trotzdem einräumte, dass es die Firma recht gut überstanden hätte. So habe es für jeden Beschäftigten durchschnittlich nur drei Tage Kurzarbeit gegeben.

Nach wie vor werden Mitarbeiter gesucht wie Werkzeugmacher, CNC-Fräser und Programmierer. Kremann und Esser versucht zugleich, eigenen Nachwuchs heranzuziehen. „Wir haben ständig fünf bis sechs Auszubildende“, betont Franz-Peter Esser.

Das Unternehmen Kremann und Esser wurde am 1. Juni 1961 von Heinz Kremann, Josef Kremann und Felix Verspohl zunächst in Hückeswagen gegründet. Von Anfang an legten sie den Schwerpunkt auf die Herstellung von Formen für Kunststoffhohlkörper. 1962 kamen Peter Esser und Paul Niemz als Mitinhaber hinzu, Niemz schied ein Jahr später aber schon wieder aus.

Zunächst entstanden ausschließlich Zinkwerkzeuge, die heute überwiegend von Aluminium- und Stahlformen abgelöst worden sind. 1966 wurden die bislang angemieteten Räume abgerissen. Durch gute Beziehungen nach Kierspe konnte im Gewerbegebiet Wildenkuhlen preisgünstig ein Grundstück erworben, gebaut und noch im gleichen Jahr umgezogen werden. 1970 verkauften Heinz Kremann und Felix Verspohl ihre Anteile von 50 Prozent an den Bankier Axel Momm aus Köln. Geschäftsführer wurden Josef Kremann und Peter Esser, die zusammen die restlichen Firmenanteile hielten.

1984 wurde die Halle zum ersten Mal erweitert und 1991 das zweite Mal. Für die Gießerei und die Modellschreinerei waren in der Nachbarschaft Räume angemietet worden, sie konnten nun jedoch in die eigene Halle umziehen. Damals übergab Peter Esser die Geschäftsführung an seinen Sohn Franz-Peter Esser, der damit schon seit mehr als 20 Jahren Chef des Unternehmens ist.

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