Kirchturm: Beeindruckende Geschichte der Margarethenkirche

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Markus Poszich (links) von der Arbeitsgruppe Turmsanierung zeigte Dominik Rode vom Vorstand der Sparkassenstiftung die ausgeführten Sanierungsarbeiten im Turm.

Kierspe - Bereits 1147 wurde die älteste Kirche in Kierspe, die Margarethenkirche, urkundlich erwähnt. Mit der Einführung der Reformation wurde 1567 aus der katholischen Kirche ein evangelisches Gotteshaus.

1819 wurde es von einer damals baufälligen Hallenkirche zu einer Saalkirche mit neuem Turm und der heutigen Zwiebelhaube umgebaut.

Auch heute gilt die Margarethenkirche mit ihrem weithin sichtbaren Turm als ein Ort der Begegnung für Jung und Alt. Nach nunmehr fast 200 Jahren wurden Ende 2009 gravierende Schäden am Fachwerk des Turmes festgestellt, die nur durch eine äußerst aufwändige Sanierung behoben werden konnten. Rund 150.000 Euro wurden für die Sanierung veranschlagt, die die Kirchengemeinde aus eigenen Mitteln aufbringen muss. Froh ist sie daher, dass die Stiftung der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen sich mit 6000 Euro an den Renovierungskosten beteiligt. Dominik Rode vom Vorstand der Sparkassen-Stiftung überzeugte sich bei einer Besichtigung des inzwischen fertig sanierten Turmes von den ausgeführten Arbeiten. „In der Vergangenheit haben wir mit der Bereitstellung finanzieller Mittel bereits viele soziale und kulturelle Projekte in Kierspe unterstützen können“, so Dominik Rode. „Da war es für uns eine Selbstverständlichkeit, auch in diesem Fall zu helfen.“ Markus Poszich von der Arbeitsgruppe Turmsanierung freute sich, mit dieser Spende auf ein Spendenaufkommen von bisher 80.000 Euro zu kommen, welches den Eigenanteil der Kirchengemeinde ein Stück geringer werden lässt.

Schon lange verbindet die Kiersper mit dem Margarethenturm ein enges Band. Bereits im 30-jährigen Krieg war der Margarethenturm ein Wehrturm. Er war ein Ersatz für den Wehrturm, der aus der Römerzeit, nach wissenschaftlichen Untersuchungen, auf dem Klösterchen gestanden haben soll. Anfangs war er kein Zwiebelturm, sondern hatte als Abschluss eine Plattform, die mit Leitern erstiegen wurde. Bis in die neuere Zeit war er nicht in den eigentlichen Kirchraum einbezogen, sondern diente als Aufbewahrungsraum für Feuerungsmaterial und Löschgeräte. In diesen Türmen wurde auch das Pulver aufbewahrt, was ebenso in Kierspe der Fall war. In einer Kirchenrechnung von 1619 ist zu lesen, „pulver so auff den noitfall in der Kirche verwahrt“. Diese Art von Türmen bekam ihre eigenen Namen. Es waren: „de Gauwiähr“ (die Gauwehr), der Burgwart, der Belfrit. Bell heißt Glocke, das Wort stammt aus dem Flämischen und verrät, dass eine Glocke auf dem Turm hing.

Das Vorhandensein der uralten Glocken aus dem 13. und 14. Jahrhundert ist mit dem Wehrgedanken ebenso zu erklären, wie mit der kirchlichen Notwendigkeit. Beide Dinge gehörten damals zusammen. Luther fand in seiner volkstümlichen Verbundenheit in der Vorstellung von den Wehrtürmen oder Burgen die Worte zu dem Kampfliede seiner Gemeinde: „Ein feste Burg ist unser Gott“ und fuhr fort in bestem Schützengeist: „Ein gute Wehr und Waffen“, ein Beweis der engsten Verbundenheit des Wehrgedankens mit der Kirche, die im Denken um die höchsten Dinge sich unter dem Schutze des Wehrturmes geborgen fühlte. Auch die Alarmglocke hing in diesem Turm. Alle wichtigen Nachrichten gingen von ihr aus, sie wurden sprichwörtlich „an die große Glocke gehängt“.

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