„Für viele ist Facebook der Blick in die Welt“

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„Für viele Jugendliche ist Facebook der einzige Blick in die Welt.“ Da ist Aufklärung besonders wichtig. - Foto: dpa

Kierspe - Nur weil Kinder und Jugendliche wie selbstverständlich in einer immer digitaler werdenden Welt leben, eine Zeit ohne Internet nicht kennen und hunderte Freunde bei Facebook haben, heißt das nicht, dass sie mit dieser Welt auch klarkommen.

Von Johannes Becker

Zweifelhafte Chatbekanntschaften, Cybermobbing und auch Probleme beim Einstellungsgespräch sind deshalb auch Themen, mit denen sich das Jugendzentrum der Stadt beschäftigt.

„Für uns ist es wichtig, dass wir den Kindern und Jugendlichen zeigen, wie sie die Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen auf Facebook nutzen können, um sich wenigsten im Rahmen der Möglichkeiten, die der Anbieter zur Verfügung stellt, schützen zu können“, erklärt Susanne Sattler, Leiterin des Jugendzentrums. So hält sie es auch selber und verhindert damit beispielsweise, dass sie auf irgendwelchen Bildern, die andere ins Netzt stellen, „markiert“ wird.

Dass dies aber nur ein geringer Schutz ist, weiß sie aus ihrer täglichen Arbeit mit den Jugendlichen: „Die sind oft ganz erstaunt, wenn dann plötzlich Fotos im Netz stehen, auf denen sie sich übergeben, oder auch Nacktbilder, die nur für den Freund bestimmt waren. Das ist oft ein schmerzhafter Weg um zu erkennen, dass die sozialen Netzwerke nicht ihre Medien sind, sondern dass sie nur Nutzer sind.“

„Wir wissen aber auch, dass Unternehmer und Personalchefs gerne auf die Seiten der Bewerber gehen, um sich ein Bild zu machen“, ergänzt Christian Schwanke. Schnell könne da ein Eindruck entstehen, der einer Einstellung im Wege stehe.

Die beiden Jugendzentrums-Mitarbeiter sind aber weit davon entfernt, die sozialen Netzwerke zu verteufeln. „Wir nutzen diese, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben, aber auch, um mehr über sie zu erfahren. „Das hilft bei der täglichen Arbeit“, so Sattler. Allerdings würden auch Lehrer und Polizisten diese Möglichkeiten nutzen. So erinnert sie sich daran, dass vor einiger Zeit Jugendliche an einem Schulgebäude Sachschaden angerichtet hatten und sich mit ihrer Tat im Netz brüsteten. „Manchmal sind sie in diesen Punkten doch noch sehr naiv.“

Für Susanne Sattler und Christian Schwanke vom Jugendzentrum ist das Informieren über Facebook und andere soziale Netzwerke längst Teil ihrer täglichen Arbeit. - Foto: Becker

Gleiches gilt sicher auch für eine Gruppe recht kleiner Kinder, die ein Hetzlied gegen einen Klassenkameraden aufgenommen und ins Netz gestellt hatten. „Oft ist den Jugendlichen bei solchen Aktionen gar nicht bewusst, welche Konsequenzen solch ein Handeln haben kann – nicht nur für das Opfer solchen Cybermobbings, sondern auch für die Täter“, so Schwanke. Denn auch wenn die Straftat digital sei, so fiele die Strafe doch real aus.

Als erfreulich bezeichnen die beiden, dass der Versuch Erwachsener, per Chat mit vor allem jungen Mädchen in Kontakt zu treten, nachgelassen habe. Sattler: „Das heißt aber nicht, dass von dort keine Gefahr mehr droht.“

Doch die beiden Spezialisten in Sachen Jugendarbeit sehen noch ein ganz anderes Problem. „Für viele Jugendliche ist Facebook der einzige Blick in die Welt. Das heißt, dass sie sehr anfällig für Falschmeldungen sind. Diese werden dann aus Betroffenheit oder Schadenfreude einfach weiterverbreitet, ohne sich Gedanken zu machen“, erklärt Sattler. Deshalb zeige man den Kindern und Jugendlichen gezielt Seiten, auf denen solche Falschmeldungen aber auch Abofallen aufgelistet seien und erklärt würden. Als Beispiel nannte die die Facebook-Seite „Erst denken – dann klicken“.

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