Skimming-Betrügerei am Geldautomaten nimmt zu

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Volksbankvorstand Stephan Baldschun und der Computerexperte Stefan Lück empfehlen das Verdecken der PIN-Eingabe mit der anderen Hand sowie das Drücken noch anderer Zahlenkombinationen vorher und danach. ▪

KIERSPE ▪ Auch im heimischen Raum gab es jetzt vermehrt Fälle von Skimming. Die Bankkartendaten von Kunden wurden an manipulierten Geldautomaten ausspioniert und ins Ausland geschickt, wo es dann zu Abhebungen von den Konten kam. In einem Fall erbeuteten die Täter im rumänischen Bukarest so 2900 Euro, wofür sie mehrere Transaktionen tätigen mussten.

Wobei der Kunde den Betrag voll ersetzt bekam, denn die Banken sind dagegen versichert. Trotzdem: es entstehen hohe Schäden. Und die Zahl der Fälle hat erheblich zugenommen wie auch der jüngste Lagebericht des Bundeskriminalamtes zeigt: Wurden 2009 noch insgesamt 964 Geldautomaten manipuliert, waren es allein zwischen Januar und April in diesem Jahr schon 668. Die professionelle und bandenmäßige Organisation der Täter ist dabei noch relativ neu, es gibt sie in dieser Form erst wenige Jahre.

Die Volksbank Kierspe ist bislang von einer erfolgreichen Skimming-Attacke verschont geblieben. Allerdings hat sie auch alle möglichen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen: „So wurde beispielsweise eine Möglichkeit, das Türöffnersystem der Filialen zu manipulieren, durch eine doppelte Sicherung auf zwei verschiedenen Wegen effektiv unterbunden“, wie Vorstand Stephan Baldschun und der für den EDV-Bereich zuständige Stefan Lück informieren. Es habe lediglich einen Fall in Rönsahl gegeben, wo ein Stück aus einem Geldautomaten herausgesägt wurde und es die Vermutung gab, dass das Gerät auch manipuliert worden sein könnte. Da sicherheitshalber alle Karten aber schnell gesperrt wurden, entstand für die Kunden kein Schaden.

Das Skimming funktioniert so, dass ein Vorbau vor dem ID-Kartenleser die Daten vom Magnetstreifen erkennt und an ein Notebook oder ein Handy in der Nähe sendet. Beim Türöffnersystem läuft das analog. Anschließend wird die PIN-Eingabe mittels einer Minikamera oder durch eine über das reguläre Tastenfeld geklebte Attrappe aufgezeichnet und ebenfalls übertragen. Mit diesen Daten wird eine Kopie der Kundenkarte angefertigt und dann an einem anderen Automaten Geld abgehoben.

Dem wird heute begegnet durch Videokameras, Alarmsensoren an den Vorbauten, elektronische Erkennung von Vorbauten, Enhanced Card Drive, gezielte elektrische Störung des Skimming-Magnetkopfes sowie darüber hinaus mit dem Übergang zu Chipkarten-Transaktionen.

In Deutschland sind Abhebungen praktisch ausgeschlossen weil die Bankkarten zusätzliche Sicherheitsmerkmale aufweisen, die bei Vervielfältigungen der Karte anhand der Spurdaten nicht enthalten sind, jedoch in Geldautomaten beim Karteneinzug abgefragt werden. Dieser Sicherheits check auf der Basis der neuen Chiptechnologie soll ab Ende dieses Jahres in ganz Europa Pflicht werden. Die beiden Banker zucken jedoch mit den Schultern: „Dann gehen die Täter eben ins nichteuropäische Ausland“. Bis die Daten für betrügerische Abhebungen genutzt würden, vergingen manchmal bloß wenige Stunden, dann wieder aber auch bis zu mehreren Wochen.

Sicherheit wird

ständig überprüft

„Wir überprüfen unsere Geldausgabestellen regelmäßig auf ihre technische Sicherheit und rufen unsere Mitglieder und Kunden zu erhöhter Aufmerksamkeit auf“, sagt Stephan Baldschun, was das genossenschaftliche Institut selbst gegen diese Form des Betrugs unternimmt. Dabei zeigt er sich überzeugt, dass die Kunden das Risiko durch die Einhaltung von einfachen Regeln auf ein Mindestmaß reduzieren können: „Schauen Sie sich den Automaten ganz genau an“, empfiehlt er. Zumal die Volksbankapparate meist Anlagen der Firmen Vincor-Nixdorf oder NCR und daher den meisten Kunden vielleicht doch recht vertraut sind. Geachtet werden sollte beim Bedienfeld darauf, dass dies immer geschlossen ist und keine Kanten und Fugen zeigt. Ähnlich gilt das für den Karteneingabeschacht, der im Fall der Manipulation meist auffällig weit hervorsteht. Da die Karten heute beim Auswerfen nur noch ganz wenig herausgefahren werden, erweist es sich dann als sehr schwierig bis unmöglich, die Karte allein mit den Fingern ohne Hilfsmittel herauszuziehen.

„Sollten Veränderungen an der Tastatur oder am Kartenschacht festgestellt werden, informieren Sie umgehend das Servicepersonal“, so der Vorstandsvertreter. Oder falls dies außerhalb der Geschäftszeiten am Wochenende oder abends und nachts nicht möglich ist, gleich die Polizei. Gewarnt wird ganz klar davor, die vor den Originalteilen platzierten oftmals täuschend echten Kartenausleseeinrichtungen selbst zu entfernen. „Das macht die Täter, die sich häufig in der Nähe aufhalten, nur wütend“, deutet Lück an, dass es in dem Fall sogar gefährlich werden könnte.

Winzige Kameras

spionieren PIN aus

Weil von den Betrügern auch winzige Kameras über oder neben der Tastatur installiert werden, um an die Geheimzahl zu gelangen“, machen die beiden Volksbankvertreter aufmerksam, sollte am besten generell beim Eintippen der Geheimzahl mit der anderen Hand für einen Sichtschutz gesorgt werden.

Zur Sicherheit im Fall von veränderten Bedienfeldern wie auch gegen Kameras raten die beiden zudem, vorher und nachher immer noch andere Zahlenkombinationen einzugeben, denn das mache es den Tätern viel schwerer. Dies sei zwar vielleicht mühsam, aber problemlos möglich: So reagiere der Automat erst, nachdem die Bankkarte eingeführt ist. Ebenfalls könne die Korrekturtaste dafür genutzt werden. Zu beachten sei natürlich, dass die Karte bei dreimaliger bestätigter Fehleingabe vom Automaten einzogen werde.

Sollte einem Bürger erst nach dem Abheben der Verdacht kommen, dass etwas nicht in Ordnung ist, könne er seine Karte unter der Telefonnummer 116116 jederzeit sofort sperren lassen. Auch die Volksbank ist gegen Skimming-Attacken versichert, so dass betroffene Kunden ihr Geld zurückerhielten. ▪ rh

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