„Puppen gestaltet, mit denen man spielen kann“

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Silvia Baukloh mit dem Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis, den sie in der Kategorie „Experimentelle Puppenkunst“ gewann.

Kierspe - Wer wissen möchte, was der Begriff „Lebensecht“ bedeutet, der sollte der Werkstatt von Silvia Baukloh mal einen Besuch abstatten. Denn anders lässt sich der Blick ihrer Puppen nicht beschreiben. In einem Schrank mit Glastür stehen die Werke der Künstlerin, genauso wie auf dem Tisch und speziellen Ausstellungsträgern.

Ganz unscheinbar unter den vielen Abbildern der Wirklichkeit und einigen abstrakten Arbeiten auch eine Gruppe von Puppen, deren einfach gestaltete Köpfe auf plump wirkenden Säcken lagern und die sich mit dünnen Ärmchen berühren – doch genau für diese Puppen wurde Baukloh nun mit dem Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis ausgezeichnet. Bereits in ihrer Jugend war Silvia Baukloh kreativ tätig – sie stickte und strickte. Im Kunstunterricht der Schule wurde dann ihr Interesse geweckt, eigene Kreationen umzusetzen. „Ich habe schon immer gerne mit meinen Händen gearbeitet“, sagt sie heute. Da lag es nahe, sich zu dem VHS-Kurs „Handmodellierte Puppen“ anzumelden. Dort traf sie auch eine Bekannte, die bereits länger mit Porzellan arbeitete. 30 Jahre ist das nun her, doch Silvia Baukloh erzählt so begeistert, als wäre es gestern gewesen. „Das war die Zeit, in der die alten Puppenköpfe nachgegossen wurden. Das waren aber lediglich Reproduktionen und keine eigenen Kreationen.“ Trotzdem lernte sie bei dieser Arbeit, wie geschliffen, bemalt und gebrannt wird. Anhand eines Buches brachte sich Baukloh dann selbst bei, Puppen herzustellen. Aus Ton oder einem speziellen Kunststoff muss das Positiv gefertigt werden. Damit lassen sich dann Gipsformen herstellen – mindestens zwei-, meist aber vier- oder fünfteilig. Dort hinein wird dann flüssiges Porzellan gegossen, bereits vorgefärbt in verschiedenen Hauttypen. Danach erfolgen das Malen und die dazugehörigen Farbbrände.

„Anfangs habe ich noch viel ,puppigere’ Puppen hergestellt. Doch das habe ich schnell abgelegt, weil ich ja Menschen abbilden wollte.“ Darin ist auch der Grund zu suchen, warum sie für Kinderköpfe meist Porzellan und für Erwachsene Kunststoff verwendet. Baukloh: „Mit dem Kunststoff lassen sich Falten besser darstellen.“

Später kamen dann noch abstrakte Formen dazu, wobei „sich die Puppen immer besser verkaufen ließen, als die Skulpturen.“

Doch bei den Themenausstellungen des Museums der Deutschen Spielzeugindustrie in Neustadt bei Coburg waren die Skulpturen sehr gefragt. 1995 nahm sie erstmals teil – und gewann auch gleich ihren ersten Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis – der immer in zwölf Kategorien verliehen wird. In den folgenden zehn Jahren kamen noch einige Preise dazu – und 2006 durfte sie dann den goldenen Preis für die Gesamtheit ihrer Arbeiten entgegennehmen. Das war dann auch erst mal die letzte Ausstellung, an der Baukloh teilnahm. Doch für die diesjährige Ausstellung nahm sie die Einladung des Museums noch einmal an, um sich in der Kategorie „Experimentelle Puppenkunst“ um den begehrten Preis zu bewerben.

Insgesamt 17 Teilnehmer hatten sich in diesem Teilnehmerfeld mit ihren Arbeiten beworben – darunter auch Größen der Szene. Letztlich wurde der Preis geteilt – sodass neben Baukloh auch die Künstlerin Sylvia Wanka ausgezeichnet wurde. „Ich habe diese Frau schon bewundert, als ich selbst anfing, Puppen herzustellen“, erzählt Baukloh, die sich außerordentlich freute, mit dieser bekannten Künstlerin gemeinsam den Preis entgegenzunehmen – wobei beide eine Siegerstatue bekamen, nur das Preisgeld müssen sie sich teilen. Doch darauf kommt es der Kiersperin gar nicht so sehr an. Das drückt sich auch darin aus, wie sie mit dem Verkauf der eigenen Puppen verfährt, von denen es maximal zehn Exemplare pro Modell gibt.

Dass die Puppen, die nun ausgezeichnet wurden, so stark von den bisherigen Arbeiten abweichen, erklärt Baukloh ganz einfach: „Ich wollte Neues ausprobieren und habe nun erstmals auch Puppen gestaltet, mit denen man tatsächlich spielen kann.“ Das führt sie dann gleich vor, denn auch, wenn die ausgezeichneten Arbeiten noch im Museum stehen, in der eigenen Werkstatt hat sie noch weitere. Diese lassen sich formen und vor allem an den Armen bewegen, sodass es scheint, als würden sie miteinander agieren.

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