Service der Dekra erspart Schleichfahrt zum Tüv

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Der knallrote Fahr D 90, Baujahr 1954, war am Samstagmorgen der älteste Trecker beim Schlepper-Tüv. ▪

KIERSPE ▪ „Schalten Sie jetzt bitte das Licht an, den Blinker, Warnblinker, das Bremslicht“, fordert Rasmus Blefgen von der Dekra Siegen Gerd Rubel auf. Genauestens nimmt der Diplom-Ingenieur am Samstagmorgen beim Schlepper-Tüv am Funkenhof die Lichtanlage des Fendt Treckers, Baujahr 1991, unter die Lupe.

Zur Hauptuntersuchung gehört daneben auch der Check der Bremsanlage, der Lenkung und der Reifen. Die Fahrgestellnummer des Schleppers wird mit den Papieren verglichen und die Betriebsstundenzahl eingetragen. Wenn alles glatt läuft, ist die Prüfung in einer knappen Viertelstunde abgeschlossen, der Trecker bekommt eine Plakette und ist für weitere zwei Jahre für den Straßenverkehr zugelassen. Gerd Rubel muss an diesem Morgen allerdings noch etwas Geduld haben. Sein Bremslicht funktioniert nicht, weil die Kontakte oxydiert sind und er macht sich daran, vor Ort den Schaden zu beheben.

„Den Schlepper-Tüv am Funkenhof gibt es bereits seit 30 Jahren. Damals wurden manchmal 200 Maschinen am Tag vorgestellt und drei Prüfer waren nötig, um das zu bewältigen“, erinnert sich Gastwirt Funke. Die Idee war, Treckerbesitzern die lange, beschwerliche Fahrt zum nächsten Tüv zu ersparen, da die alten Schlepper oft kein Dach hatten und nur 20 Kilometer pro Stunde fahren konnten. Heute organisiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Heinz Wennkamp die Prüftermine mit der Dekra.

Der knallrote Fahr D 90, Baujahr 1954, von Joachim Eichholz aus Bruch ist diesmal der älteste Schlepper, der zur Prüfung ansteht. „Früher habe ich die Maschine zum Mähen und Pflügen benutzt, heute ist sie nur noch reines Hobby“, erzählt der ehemalige Landwirt. Sorgfältig pflegt er sein 12 PS starkes „Schätzchen“, das ihn inzwischen hauptsächlich zum Holz holen in den Wald bringt.

Wie er, nutzt auch Sascha Böker aus Grünenweg seinen Güldner G 40 S von 1968 rein privat. „Vor sechs Jahren habe ich die Maschine total verrostet von meinem Arbeitskollegen gekauft. Ich habe sie zunächst völlig auseinandergenommen und dann wieder zusammengebaut“, erzählt er stolz. Ersatzteile könne man ohne Probleme bekommen, sie seien aber nicht ganz billig, verrät Böker, dessen Kinder heute von den Spazierfahrten auf Papas Trecker immer total begeistert sind.

Landwirt Dirk Hettesheimer und sein Sohn Björn fahren mit zwei neuen, elektronisch hoch gerüsteten Schleppern vor, die sie für die Grasernte, Güllefahrten und die tägliche Arbeit auf dem Hof dringend brauchen. 125 und 165 PS stark sind die Motoren des Fendt 312 von 2010 und des Deutz Agrotron von 2007.

„Der Fendt hat keine Gänge mehr, sondern eine Lastschaltung, daran muss man sich zuerst gewöhnen. Sie fahren 40 und 50 Kilometer pro Stunde. Das ist für uns sehr wichtig, weil wir wegen der Verteilung unserer Flächen viel auf der Straße unterwegs sind“, berichtet Björn Hettesheimer. Die schweren Maschinen von zehn Tonnen müssen sogar jährlich zur Hauptuntersuchung vorgestellt werden und eine halbjährliche Sicherheitsprüfung durchlaufen, für die sie noch eine zusätzliche Plakette erhalten. „Dabei kontrollieren wir ausschließlich die verschleißträchtigen Teile von Lenk- und Bremsanlage sowie die Kupplungsköpfe der Anhängerkupplung“, erklärt Rasmus Blefgen, das Druckluftmessgerät in der Hand. Als auch die Bremsverzögerung mit dem Messgerät exakt bestimmt ist und im Normbereich liegt, kann der Fendt 312 – mit zwei neuen Plaketten versehen – wieder an die Arbeit zurückkehren. ▪ Martina Haski

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